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Hörsturz – diese Symptome sind typisch

Hörsturz bedeutet, auf einem Ohr plötzlich nicht mehr oder nur eingeschränkt zu hören. Foto © iStock/anetlanda

Plötzlicher Hörverlust

Hörsturz – diese Symptome sind typisch

Wer auf einem Ohr plötzlich nichts mehr hört, ist meist sehr verunsichert. Welche Anzeichen neben Hörminderung auf einen Hörsturz hinweisen, welche Ursachen infrage kommen und welche Rolle Morbus Meniére dabei spielt.

Oft kommt ein Hörsturz aus heiterem Himmel. Nur in wenigen Fällen berichten Betroffene, vorher bereits Druckgefühle auf dem Ohr bemerkt zu haben. Meistens zeigt sich die Hörminderung morgens nach dem Aufwachen: Es fühlt sich an, als wäre nach dem Schwimmen Wasser im Ohr geblieben.

Anzeichen des Hörsturzes: von leichter Hörminderung bis Taubheit

Der Hörsturz betrifft meist nur ein Ohr. Die typischen Anzeichen eines Gehörsturzes oder "Ohreninfarkts" können unterschiedlich stark ausgeprägt sein:

• Gefühl wie Watte im Ohr
• Hörminderung in bestimmten Frequenzen
• ausgeprägter Hörverlust (Taubheit)
• Manchmal erscheinen begleitend Ohrgeräusche ohne Schallquelle (Tinnitus), meist als hohes Klingeln oder Pfeifen.
• Zusätzlich kann Schwindel auftreten.

Jährlich erleiden in Deutschland rund 150.000 Männer und Frauen einen Hörsturz. Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde geht sogar von mehr als doppelt so vielen Betroffenen aus. Der Hörsturz tritt bevorzugt bis zum 50. Lebensjahr auf. Danach scheint das Risiko für die plötzliche Hörminderung stark abzunehmen.

Hörsturz-Ursache ist Durchblutungsstörung im Innenohr

Ursache des Hörsturzes ist eine mangelnde Durchblutung im Innenohr. Dort ermöglicht die sogenannte Schnecke mit dem Hörorgan unser Hören. Werden diese Bereiche schlecht oder gar nicht mehr durchblutet, können die winzigen Sinnes- oder Haarzellen nicht mehr richtig arbeiten.

Ihre Aufgabe ist es, die mechanischen Schallwellen aufzunehmen, in elektrische Impulse umzusetzen und diese Signale ans Gehirn weiterzuleiten. Wenn das nicht mehr richtig funktioniert, gelangen die Signale verändert, nicht mehr vollständig oder gar nicht mehr zum Gehirn. Das zeigt sich durch Hörminderungen bis hin zu Taubheit.

Wodurch dieser Durchblutungsmangel im Innenohr entsteht, ist jedoch wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt. Der medizinische Fachbegriff für Hörsturz lautet deshalb auch „akute idiopathische Innenohrschwerhörigkeit“. Das heißt „plötzlich auftretende Innenohrschwerhörigkeit ohne erkennbare Ursache“.

Vermutlich spielen jedoch folgende Auslöser eine Rolle:

• Stress: Unter negativem Druck auf die Psyche produziert der Körper große Mengen Stresshormone wie etwa Adrenalin, das die Blutgefäße verengt.
• Verschleißerscheinungen (Arthrose) und Fehlstellungen der Halswirbelsäule (HWS) und der Kiefergelenke
• Grunderkrankungen wie Herzprobleme (etwa Herzrhythmusstörungen), Hyperlipidämie (zu hohe Blutfettwerte, vor allem Cholesterin), Bluthochdruck oder Diabetes
• bakterielle Infektionen, etwa eine Mittelohrentzündung oder Borreliose, die auch das Innenohr betreffen kann
• Virusinfektionen, beispielsweise Grippe (Influenza), Masern, Mumps, Herpes Zoster (Gürtelrose)
• Knalltraumata nach starker Geräuscheinwirkung, aber auch Schädeltraumata
• Multiple Sklerose
• Morbus Menière (Drehschwindel mit Tinnitus und Hörverlust)
• toxische Einflüsse (Drogen, Arzneimittel)
• Tumoren

Am stärksten scheinen jedoch Stress und Probleme mit der Halswirbelsäule oder Kiefergelenke einen Hörsturz zu begünstigen.

Droht nach dem Hörsturz Schwerhörigkeit?

Die wichtigste Frage für die Betroffenen lautet: Wie lange dauert die einseitige Hörminderung oder bleibt sie womöglich für immer? Letztere Ängste sind meistens unbegründet. Oft verschwindet die Schwerhörigkeit spontan nach ein bis zwei Tagen von selbst.

Das Risiko, dass nach einem Hörsturz dauerhaft eine Hörminderung oder Taubheit besteht, liegt bei zehn Prozent. Sie droht vor allem dann, wenn der Hörsturz nicht behandelt wurde. Deshalb sollte man besser nicht abwarten und auf Spontanheilung hoffen, sondern spätestens nach wenigen Tagen den Hörsturz von einem HNO-Arzt beurteilen lassen.

Hörsturz – die wichtigsten Tests

Die Untersuchung bei einem Hörsturz beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, wobei der Patient über seine Beschwerden und die Hörminderung berichtet, und gefragt wird, ob es einen vermutlichen Auslöser gibt (etwa starken Lärm). Auch Vorerkrankungen und eingenommene Arzneimittel werden dabei berücksichtigt.

Als zweiten Schritt untersucht der Arzt das Ohr. Mit einem Otoskop (Ohrmikroskop) inspiziert er Gehörgang und Trommelfell. Falls ein Pfropf aus Ohrschmalz die Ursache für die Hörminderung ist, entfernt der Arzt diesen vorsichtig.

Danach folgen zwei unterschiedliche Arten von Hörtests – subjektive und objektive.

• Zu den subjektiven, welche die Mitarbeit des Patienten erfordern, gehört etwa der Stimmgabeltest (Weber-Versuch). Damit lässt sich unterscheiden, ob es sich um eine Mittelohr- oder Innenohrschwerhörigkeit (Hinweis auf Hörsturz) handelt. Der Arzt schlägt eine Stimmgabel an und hält sie an den Scheitel des Patienten, der sagt, ob er den Ton links oder rechts in seinem Kopf besser hört.

• Besonders aufschlussreich ist die Audiometrie. Damit überprüft der Arzt, wie ausgeprägt die Hörminderung ist und welche Frequenzen sie betrifft. Das Tonschwellenaudiogramm (Hörschwellenmessung) zeigt beispielsweise, ab welcher Lautstärke der Patient den Ton gerade noch hört. Dabei werden ihm über einen Kopfhörer verschiedene Töne in unterschiedlicher Lautstärke vorgespielt.

Zu den objektiven Tests bei einem Hörsturz gehören etwa die

• Tympanometrie: Dabei misst der Arzt über eine Gehörgangsonde den Druck im Innenohr.

• Vestibularisprüfung: Um das Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan) zu überprüfen gibt es verschiedene Methoden, etwa die Gehörgänge mit kalter und warmer Luft zu spülen. Dabei werden über eine Computerbrille die Augenbewegungen (Nystagmus) des Patienten aufgezeichnet. Diese Untersuchung ist sinnvoll, wenn etwa Schwindel die Hörminderung begleitet.

• Hirnstammaudiometrie (Brainstem Electric Response Audiometry, BERA): Über drei bis vier Elektroden am Kopf lässt sich untersuchen, wie beim Hörvorgang die Nervenreaktionen im Gehirn ablaufen, ob Hörnerv und Hörbahn funktionieren. Dabei wird ein Ohr des Patienten mit einem schalldichten Geräuschschutz verschlossen, dem anderen werden leise Geräusche vorgespielt. Diese Untersuchung ist nur in Einzelfällen nötig.

All diese Testverfahren sind schmerzfrei. Die Untersuchungen dienen vor allem dazu, andere Ursachen der Hörminderung auszuschließen, etwa eine Entzündung, Morbus Meniére oder einen Tumor. Bei der Hörsturzdiagnose handelt es sich also um eine Ausschlussdiagnose.

Hörsturz – diese Therapien stehen zur Verfügung

Je nach Frequenzbereich und Schweregrad teilt der Arzt die Innenohrschwerhörigkeit (IOS) in verschiedene Arten ein, etwa:

• Hochton-IOS (hohe Töne werden schlechter oder gar nicht mehr gehört)
• Mittelton-IOS (mittlere Frequenzen sind betroffen)
• Tiefton-IOS (die Einschränkung beschränkt sich auf tiefe Töne)
• Pantonale-IOS (über alle Frequenzen)
• Taubheit

Das Mittel der Wahl ist Kortison. Der Wirkstoff bekämpft Entzündungen und baut Schwellungen ab. Je nachdem, wie schwer der Hörsturz ist, wird Kortison als Tablette oder als Infusion verabreicht. Tritt nach mehreren Tagen keine Besserung ein, kann der Arzt die Wirksubstanz über eine winzige Kanüle direkt ins Ohr setzen.

Eine weitere Option ist die Hyperbare Sauerstofftherapie. Dabei sitzt der Patient in einer Überdruckkammer und atmet reinen Sauerstoff ein. Dadurch soll schlecht durchblutetes Gewebe wieder besser versorgt werden, Schwellungen sollen abnehmen. Allerdings gibt es für die Wirkung der Sauerstoff-Überdruckbehandlung bei Hörsturz keine überzeugenden Studien, deshalb ist die Therapie keine Kassenleistung. Die Kosten belaufen sich auf rund 200 Euro.

Früher wurde ein Hörsturz zusätzlich mit Medikamenten behandelt, die das Blutvolumen und die Durchblutung erhöhen. Diese Infusiontherapien konnten in Studien jedoch nicht überzeugen und werden von den Fachgesellschaften deshalb nicht mehr zur Standardbehandlung empfohlen.

Zur Behandlung bei Hörsturz gehören Medikamente und Ruhe

Ein wesentlicher Teil der Therapie eines Hörsturzes ist neben Kortison auch Entspannung. Denn Stress spielt bei den Ursachen vermutlich eine besonders große Rolle. Viele Ärzte schreiben Hörsturz-Patienten deshalb mindestens eine Woche krank.

Daneben können weitere, einfache Maßnahmen sinnvoll sein:

• Entspannungsmethoden erlernen, um in Zukunft Stresssituationen ruhiger zu bewältigen.

• Die Durchblutung durch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft unterstützen. Manche Patienten schwören auf Ginkgo-Präparate, welche ebenfalls die Durchblutung fördern können.

• Falls trotz allem eine Schwerhörigkeit zurückbleibt, kann ein speziell angepasstes Hörgerät den Verlust der Frequenzen wieder ausgleichen.

Selbstverständlich sollten Grunderkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Gelenkprobleme im Kopf-, Hals- und Schulterbereich so gut wie möglich behandelt werden. Damit steigen die Chancen, dass sich ein Hörsturz nicht nochmals ereignet.

Autor: MONIKA PREUK