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Millionen Deutsche leiden unter Herzschwäche.

Loslaufen! Ausdauersportarten wie Joggen trainieren auch das Herz. - Foto © picture alliance

So können Sie vorbeugen

Herzschwäche

Millionen Deutsche leiden unter Herzschwäche, weil ihr wichtigster Muskel langsam den Dienst versagt. So kann man vorbeugen.

Früher war das kein Problem für sie: Die zwei Treppenabsätze zu ihrer Wohnung schaffte Rita Blomberg immer mühelos. "Jetzt bleibt mir schon auf der Hälfte die Luft weg", klagt die 64-Jährige. Warum manches für sie heute schwerer und anstrengender ist, weiß sie nicht genau: Liegt es an der fehlenden Kondition? An den kraftlosen Muskeln? Experten kennen die Ursache für solche Schwächeanfälle: Meist ist es das Herz – wie auch bei Rentnerin Blomberg. Erhöhter Blutdruck und verkalkte Gefäße haben ihren wichtigsten Muskel jahrelang geschwächt, ohne dass sie es merkte.

In Deutschland sind circa zwei bis drei Millionen Menschen von einer Herzschwäche betroffen, in Europa ungefähr 28 Millionen. Schuld sind oft eine Überbeanspruchung oder Probleme mit den Herzklappen. Die ersten Symptome treten meist erst ab dem 50. Lebensjahr auf: Man fühlt sich schneller müde und erschöpft, bekommt Herzklopfen, schnappt bei Anstrengung immer wieder nach Luft. Auch Wassereinlagerungen etwa in den Beinen sind typisch für Herzschwäche. Denn der Muskel schafft es nicht mehr, ausreichend Blut durch den Organismus zu pumpen – mit gravierenden Folgen: 49.000 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland an solchen Beschwerden gestorben.

Mehr Bewegung, gesunde Ernährung und Stressmanagement

"Herzschwäche ist unverändert eine der großen diagnostischen und therapeutischen Herausforderungen für die moderne Medizin", sagt der Kölner Kardiologe und Sportmediziner Dr. Thomas Eggeling. Auch deshalb, weil der Übergang zwischen physiologischen und pathologischen Alterungsprozessen fließend sei, man also nur schwer unterscheiden könne, was normale körperliche Abnutzungserscheinung ist – und was bereits krankhaft. Manches ließe sich vermeiden, wenn man mit schlechten Gewohnheiten brechen würde. Eggeling: "Mehr Bewegung, gesunde Ernährung und Stressmanagement können eine nachlassende Herzleistung verbessern helfen."

Kaum eine Maßnahme schützt das Herz deshalb so gut wie Ausdauertraining: Das Herzschlagvolumen vergrößert sich, der Herzmuskel wird kräftiger, Immunsystem und Stoffwechsel werden angeregt, Kalorien verbrannt. Gerade ältere Menschen sollten sich mindestens drei- bis fünfmal pro Woche bis zu 30 Minuten ausgiebig bewegen und nie längere Zeit am Stück sitzen. Ausdauersportarten wie Joggen, Walken oder Schwimmen sind besonders geeignet. Auch Fahrradfahren ist ideal, weil man dabei die Gelenke schont und den Grad der Anstrengung gut regulieren kann. Selbst Spazierengehen, Tanzen oder Gartenarbeit wirken sich positiv auf das Herz aus. Wichtig ist nur eines: regelmäßige Bewegung!

Obst und Gemüse essen

Dass Obst und Gemüse vor Herz-Kreislauf-Leiden schützen kann, ist nicht neu. Nun gelang es Forschern der Universitäten Köln und Cambridge erstmals nachzuweisen, dass gesundes Essen auch Herzschwäche vorbeugt. Die Forscher kamen nach der Analyse der Daten von mehr als 20.000 anfangs gesunden Teilnehmern zu dem Schluss: Steigt durch obst- und gemüsereiche Ernährung der Vitamin-C-Spiegel im Blut, sinkt parallel dazu die Wahrscheinlichkeit, eine Herzschwäche zu entwickeln. Mögliche Erklärung: Vitamin C gilt als "Radikalenfänger". Es macht Jagd auf aggressive Sauerstoffverbindungen, die unter anderem mit der Entstehung von Krebs und Herz-Kreislauf-Leiden in Verbindung gebracht werden.

Salz gefährdet unseren wichtigsten Muskel nachhaltig. Studien zeigen: Je mehr Salz eine Gesellschaft konsumiert, desto höher liegt im Durchschnitt auch der nationale Blutdruckpegel. Experte Eggeling: "Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt weniger als 5 Gramm Kochsalz pro Tag, die Deutschen verspeisen aber gut und gern das Doppelte." Eine Berechnung am Beispiel Berlin ergab: Würde der Salzkonsum auf die Hälfte reduziert werden, gäbe es pro Jahr 4500 Schlaganfälle und Herzinfarkte weniger.

Würzen mit Kräutern

Nicht immer kann man das selbst steuern. Denn viele Produkte, die wir bedenkenlos essen, haben einen hohen Salzanteil. "Das gilt nicht nur für Fertigpizza oder Tütensuppe. Auch Brot, Käse, Wurst und sogar Schokolade können viel Salz enthalten", kritisiert Eggeling. Gerade Menschen mit hohem Blutdruck sollten deshalb möglichst auf das Würzen mit Kräutern umsteigen. Aktuelle Studien zeigen, dass der pflanzliche Wirkstoff des Weißdorns ("Crataegutt", Apotheke) die Gefäßwände glatt und elastisch hält und deren zunehmende mechanische Steifigkeit durch erhöhten Salzkonsum um circa 30 Prozent reduziert. "Dieser Mechanismus trägt zur guten Reaktionsfähigkeit des Gefäßsystems bei und erklärt auch die Steigerung der Belastbarkeit", sagt Prof. Hans Oberleithner von der Universität Münster, der diesen Zusammenhang untersuchte. Unter anderem steigen Herzschlagkraft sowie Herzleistung, und Erschöpfungszustände nehmen ab.

Alkohol: Moderater Alkoholkonsum reduziert das Auftreten einer Herzgefäßerkrankung teilweise um ein Viertel. Moderat bedeutet: Frauen sollten nicht mehr als ein Glas Wein (0,1 l) oder ein Glas Bier (0,3 l) am Tag trinken, Männer nicht mehr als zwei Gläser Bier oder Wein. Größere Mengen erhöhen das Risiko für Herzinfarkte sowie Schlaganfälle drastisch.

Entspannung: Bei Anspannung werden Stresshormone ausgeschüttet, unser Herz schlägt schneller, mehr Blut wird durch die Gefäße gepresst. Für den ersten Augenblick ist diese Reaktion des Körpers durchaus sinnvoll und völlig unbedenklich. Hält der Stress aber an, können Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck auftreten. Entspannungstechniken wie Yoga, Tai-Chi oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson tragen dazu bei, Stressfaktoren abzubauen. Nach einer Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Cardio News", ist es sogar möglich, mit zwei Yogastunden pro Woche die Zahl von Episoden mit Vorhofflimmern fast zu halbieren. Außerdem profitiert der Blutdruck von diesem Training.

Autor: Georg Francken