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Herzinfarkt: Vorboten, Symptome und Therapie

Massive Schmerzen in der Brust gehören zu den typischen Anzeichen eines Herzinfarkts. Doch es gibt noch eine Reihe weiterer, weniger bekannte Anzeichen. Foto © iStock/Suze777

Herz in Gefahr

Herzinfarkt: Vorboten, Symptome und Therapie

Nicht immer zeigt sich ein Herzinfarkt mit starken Brustschmerzen und Atemnot. Vor allem bei Frauen äußert sich der Infarkt durch andere Anzeichen und bleibt dann oft unentdeckt – mit tragischen Folgen. Dabei gibt es Medikamente und moderne Therapien, die Leben retten.

Knapp 300.000 Menschen pro Jahr in Deutschland erleiden einen Herzinfarkt, (Myokardinfarkt). Die Ursache: Ein Herzkranzgefäß wird auf einmal weniger durchblutet oder verschließt sich ganz, etwa durch ein Blutgerinnsel (Thrombus). Das mit diesem Blutgefäß versorgte Herzmuskelgewebe stirbt ab. Jeder fünfte Betroffene überlebt das Ereignis nicht, unter anderem weil der Herzinfarkt zu spät entdeckt und damit auch zu spät behandelt wird.

Herzinfarkt-Symptome bei Männern und Frauen verschieden

Nicht immer treten die bekanntesten Symptome auf wie extreme Brustenge, Schmerzen hinter dem Brustbein sowie Atemnot. Oft strahlen die Schmerzen stattdessen in Rücken und Arme aus, manchmal sogar bis in den Kiefer. Vor allem bei Frauen gibt es Anzeichen wie:

• extreme Kurzatmigkeit
• Bauchschmerzen
• Übelkeit
• Erbrechen

Die Vorboten eines Herzinfarkts

Trotzdem tritt ein Herzinfarkt meist nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel auf. So berichten viele Betroffene darüber, dass sie sich schon seit Wochen und Monate unwohl fühlen. Sie sind ausgelaugt und müde, der Fachmann nennt das vitale Erschöpfung. Weitere Vorboten eines Myokardinfarkts können sein:

• Konzentrationsschwäche
• depressive Verstimmung
• Leistungsabfall – psychisch und physisch

Stummer Herzinfarkt verläuft fast ohne Symptome

Ein Sonderfall ist der stumme Herzinfarkt. Betroffen sind vor allem Diabetiker, weil ihre Gefäße durch die Zuckerkrankheit oft jahrzehntelang belastet sind und das Risiko für Arteriosklerose groß ist. Meist entstehen beim stummen Herzinfarkt keine Brustschmerzen. Geringfügige Atemnot bei Belastung und Unwohlsein sind typische Anzeichen.

Oft wird erst bei einer Routineuntersuchung entdeckt, dass sich ein Herzinfarkt ereignet hatte. Dann ist das Herz meist bereits schon nachhaltig geschwächt und seine Pumpkraft eingeschränkt (Herzinsuffizienz).

Vorderwandinfarkt und Hinterwandinfarkt

Das Herz wird durch zwei unterschiedliche Herzkranzarterien versorgt. Je nachdem, welche von beiden verschlossen ist, wird ein bestimmter Bereich des Herzens nicht mehr mit Sauerstoff ernährt und stirbt ab. Auf diese Weise lässt sich der Myokardinfarkt einteilen in:

• Vorderwandinfarkt: Hier ist das Muskelgewebe im Bereich der Herzvorderwand geschädigt.
• Hinterwandinfarkt: Dabei ist das Muskelgewebe der Herzhinterwand betroffen.

Herzinfarkt ist immer ein Notfall!

Bei Verdacht auf Herzinfarkt muss sofort der Notarzt über die Notrufnummer 112 gerufen werden. Er untersucht den Patienten kurz und kann per mobilem EKG (Elektrokardiogramm) meist erkennen, ob es sich vermutlich um eine Angina pectoris (Brustenge durch Arteriosklerose der Herzkranzgefäße) oder doch einen Herzinfarkt handelt. Zusätzlich leitet der Notarzt die wichtigsten Sofortmaßnahmen ein, falls nötig Reanimation mit Herzdruckmassage oder Defibrillator außerdem wird Sauerstoff über eine Nasensonde verabreicht. Zur Erstversorgung gehören außerdem Medikamente wie:

• Nitroglycerin
• Heparin
• Azetylsalicylsäure
• bei zu hohem Puls Betablocker
• Atropin bei sehr langsamen Puls
• Morphin oder andere Beruhigungsmittel gegen die Angst und die Schmerzen

Herzinfarkt: Diagnose und Behandlung

Während der Erstversorgung des Patienten wird die nächstgelegene Klink verständigt. Sobald der Patient dort eintrifft, beginnen Behandlung und Untersuchung möglichst parallel. Sofort startet meist die sogenannte Lysetherapie. Dabei werden Medikamente injiziert, die das Blutgerinnsel auflösen. Am besten beginnt diese Therapie so schnell wie möglich nach dem Infarkt. Das Zeitfenster für eine erfolgreiche Lysebehandlung beträgt nur rund 90 Minuten nach Eintritt des Herzinfarkts.

Zusätzlich werden weitere diagnostische Maßnahmen wie

• EKG
• Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie)
• Blutuntersuchungen

durchgeführt. Denn im Blut treten bei einem Herzinfarkt wichtige Marker in einer bestimmten Höhe auf, etwa Troponin I und T. Diese Enzyme zeigen bereits drei Stunden nach dem Infarkt, ob Herzmuskelgewebe geschädigt ist. Weitere wichtige Laborwerte sind

• Glykogenphosphorylase BB,
• Myoglobin,
• Creatincinase (CPK).

Herzkatheter: Diagnose und Behandlung zugleich

Besonders wichtig ist die Koronarangiografie, umgangssprachlich Herzkatheter. Denn mit dieser Untersuchungsmethode erkennt der Arzt nicht nur, welche Gefäße verengt sind und wie Herzmuskel sowie Herzklappen arbeiten. Falls die Lysetherapie nicht angeschlagen hat, kann der Kardiologe mit dem Herzkatheter außerdem das verengte oder verschlossene Herzkranzgefäß (Stenose) wieder durchlässig machen (Reperfusionstherapie). Im Rahmen der Herzkatheter-Untersuchung lässt sich also oft auch die Ursache des Herzinfarkts beheben.

Beim Herzkatheter führt der Arzt über eine winzige Öffnung in der Leiste, Ellenbeuge oder dem Handgelenk einen sehr schmalen, flexiblen Kunststoffschlauch über ein Blutgefäß bis zum Herzen. Der Eingriff erfolgt unter Röntgenkontrolle. Der Katheter wird an die Stenose geführt. Nun lässt sich die Engstelle beheben und zwar mit

• Ballondilatation/PTCA (Perkutane transluminale Koronarangioplastie): Dabei bläht sich ein zusammengefalteter Ballon auf und dehnt damit die Engstelle.
• Stent: Die Gefäßstütze wird häufig gleich nach der Aufdehnung des Gefäßes platziert, um den freien Durchfluss im Gefäß dauerhaft zu erhalten.

Die Prognose nach einem Herzinfarkt

Nach diesen Akutmaßnahmen ist die Ursache des Herzinfarkts meist behoben. Wenn die Untersuchungen erbracht haben, dass sich noch weitere Herzkranzgefäße in Kürze verschließen könnten, sind zusätzliche Eingriffe nötig. Meist reicht es jedoch, wenn der Patient nach dem Herzinfarkt ein bis zwei Wochen in der Klinik bleibt. Dabei wird seine medikamentöse Weiterbehandlung festgelegt. Dazu gehören meist ein oder mehrere dieser Arzneimittel:

• ACE-Hemmer, um zu hohen Blutdruck zu senken
• Betablocker für ruhigen Herzschlag
• Statine gegen zu hohes Cholesterin
• Azetylsalicylsäure (ASS) für gute Fließeigenschaften des Bluts

Mit diesen Medikamenten sollen die wichtigsten Risikofaktoren für einen weiteren Herzinfarkt verhindert werden. Bluthochdruck und zu hohe Blutfettwerte schädigen die Gefäße, machen sie unflexibel und eng.

So schützen Sie Ihr Herz

Nach dem Krankenhaus ist eine Rehabilitation sinnvoll. Dabei lernt der Patient, herzgesund zu leben. Bewegungstherapie, richtige Ernährung, Rauchstopp und reduzierter Alkoholkonsum gehören zu den wichtigsten Maßnahmen.

Wichtig ist auch psychische Betreuung. Viele Menschen entwickeln nach dem Herzinfarkt eine Depression. Eine Gesprächstherapie kann das abfangen. Zusätzlich hilft der Psychologe, ein besseres Stressmanagement zu erlernen. Unbestritten können psychischer Druck, aber auch Trauer und Ärger das Herz belasten. Unter diesen Faktoren produziert der Körper große Mengen der Stresshormone Cortisol und Adrenalin. Sie verschlechtern die Blutgerinnung und erhöhen den Blutdruck – und damit das Risiko für einen Herzinfarkt. Wer das vermeiden und sein Herz gezielt schützen möchte, sollte also nicht nur an gesunde Ernährung und Bewegung denken, sondern auch seiner Psyche etwas Gutes tun.

Herzinfarkt: Neue Therapien

Weil Herzinfarkt so häufig ist, ihn immer noch zu viele Menschen nicht überleben oder nach überstandenem Herzinfarkt an Herzinsuffizienz leiden, forschen Wissenschaftler weltweit an neuen, noch besseren Therapien. Ein wichtiges Thema dabei: Beim Herzinfarkt untergegangenes Herzmuskelgewebe wieder zu reparieren. Wenn das Gewebe länger als zwei Stunden nicht durchblutet wurde, stirbt es meist unwiderruflich ab. Diese dramatische Folge des Herzinfarkts könnte in Zukunft rückgängig gemacht werden. Die erfolgversprechendsten Ansätze der Forschung:

• Stammzellentherapie – dabei sollen Stammzellen, die direkt in die geschädigten Bereiche des Herzmuskels injiziert werden, neues Herzmuskelgewebe aufbauen. Allerdings ist die Methode umstritten, bislang gibt es nur kleinere Studien, die positive, aber auch negative Ergebnisse zeigen.

• Zelltherapie mit bestimmten Enzymen aus dem Knochenmark des Patienten, die das Zellwachstum des Herzmuskels anregen. Diese klar definierten Enzyme heißen Myeloid-Derived Growth-Factor (MYDGF). In Laborversuchen entstand auf diese Weise bereits körpereigenes Herzgewebe.

• Züchtung von künstlichem Herzgewebe, das den geschädigten Bereich des Herzens ersetzen soll. Auch diese Methode wurde noch nicht am Menschen getestet.

Autor: MONIKA PREUK