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Hämorrhoiden – was tun?

Wenn der Po juckt und weh tut, sind meist Hämorrhoiden die Ursache. Foto © iStock/champja

Schmerzhafte Knoten

Hämorrhoiden – was tun?

Jucken, Brennen und Schmerzen am After entstehen häufig durch Hämorrhoiden. Auch Blut im Stuhl kann ein Symptom sein. Welche Hausmittel bei Hämorrhoiden helfen und mit welcher Behandlung der Arzt Linderung verschafft.

Hämorrhoiden gelten als Tabuthema. Tatsache ist jedoch, dass die meisten Deutschen mit diesem Problem zu tun haben. Rund 70 Prozent der Männer über 30 Jahre sind betroffen, von den Frauen 50 Prozent – vor allem in der Schwangerschaft.

Hämorrhoiden – was ist das eigentlich?

Das, was allgemein als Hämorrhoiden bezeichnet wird, ist eigentlich ein Gefäßpolster, das jeder Mensch im letzten Stück des Mastdarms hat. Dieser Schwellkörper heißt medizinisch Plexus hämorrhoidalis. Er besteht aus einem Geflecht aus Arterien und Venen. Seine Funktion: Gemeinsam mit dem inneren Schließmuskel dichtet er wie ein Feinverschluss den After nach außen hin ab. Ist der innere Schließmuskel angespannt, ist automatisch das Hämorrhoidalpolster gut durchblutet und damit angeschwollen. Der Darm ist also nach außen dicht.

Füllt sich der Analkanal, melden das die Nerven ans Gehirn und der innere Schließmuskel erhält daraufhin das Signal, zu entspannen. Dabei handelt es sich um einen Reflex, den wir nicht mit dem Willen steuern können. Gleichzeitig fließt auch aus den Hämorrhoiden Blut zurück in den Körper. Sie erschlaffen und der Stuhl kann passieren. Nur der äußere Schließmuskel, der sich bewusst anspannen und entspannen lässt, kontrolliert dann den Stuhlgang.

Hämorrhoiden sind daher eigentlich keine Krankheit, sondern die Bezeichnung für ein Schwellkörpersystem im Analkanal, das den Darm zuverlässig abdichtet. Umgangssprachlich werden Hämorrhoiden, wobei die Schreibweise Hämorriden immer gebräuchlicher wird, mit einem krankhaft erweiterten Hämorrhoidalpolster gleichgesetzt.

Hämorrhoiden – Ursachen und Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren können dazu führen, dass das Hämorrhoidalpolster sich erweitert. Dazu gehört im Prinzip alles, was auf den Beckenboden und damit auch den Enddarm drückt. Wenn die Belastung anhält oder sehr stark ist, schwillt das Hämorrhoidalgewebe an, das Blut fließt nicht mehr richtig zurück und es kommt zu Aussackungen und Knoten – ähnlich wie bei Krampfadern.

Folgende Ursachen und Risikofaktoren spielen bei Hämorrhoiden eine Rolle:

• Verstopfung mit dadurch nötig werdenden langen Sitzungen und Pressen auf der Toilette
• Übergewicht
• Bindegewebeschwäche
• schweres Tragen
• starke, anhaltende Belastung, die auf den Enddarm drückt – vor allem Sportarten, die viel Hüpfen und Springen erfordern wie Joggen, Tennis, Aerobic, Volleyball, aber auch Krafttraining sowie körperliche Arbeit in der Hocke (beispielsweise Gartenarbeit)

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Frauen sind vor allem in der Schwangerschaft und bei schweren Geburten gefährdet, Hämorrhoiden zu entwickeln. Die Schwangerschaftshormone programmieren den ganzen Körper darauf, dass der Beckenboden und das Bindegewebe weich werden, die Gefäße sich weiten. Zusätzlich drückt das Gewicht der wachsenden Gebärmutter mit dem Baby auf den Enddarm. Außerdem wird der Darm träge, was zu Verstopfung führt.

All diese Faktoren gemeinsam sind die Ursache dafür, dass viele Schwangere mit Hämorrhoiden zu tun haben. Nicht zuletzt belastet das starke Pressen während der Geburt die Blutgefäße auch im Enddarm extrem, sodass sich spontan Hämorrhoiden bilden können.

Hämorrhoiden – die typischen Symptome der verschiedenen Stadien

Hämorrhoiden können nur ganz schwach ausgeprägt sein und kaum Probleme bereiten, aber auch stark hervortreten und damit heftige Symptome auslösen. Medizinisch werden Hämorrhoiden je nach ihrer Ausprägung und den Anzeichen in vier Stadien eingeteilt:

• Stadium I der Hämorrhoiden: Manchmal findet sich etwas hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier, sonst keine Anzeichen, außer vielleicht ein Fremdkörpergefühl im Afterbereich. Das Hämorrhoidalpolster ist leicht geschwollen, was der Arzt bei der Untersuchung des Enddarms mit dem Finger ertasten kann.

• Stadium II der Hämorrhoiden: Der After brennt, juckt und nässt etwas. Die Haut rundherum ist entzündet, Ekzeme bilden sich. Der Stuhlgang schmerzt. Am After wölbt sich beim Pressen ein tastbarer Knoten hervor. Teile des Hämorrhoidalgeflechts treten also beim Stuhlgang kurz heraus und ziehen sich danach wieder zurück.

• Stadium III der Hämorrhoiden: Starker Juckreiz und oft anhaltende Schmerzen, Hämorrhoidalknoten befinden sich dauerhaft außerhalb des Afters (Prolaps, Vorfall), lassen sich aber manuell nach innen zurückdrücken.

• Stadium IV der Hämorrhoiden: Juckreiz und Schmerzen treten fast ständig auf, Schleim-Absonderungen aus dem After kommen hinzu. Die Hämorrhoiden lassen sich nicht mehr in den Analkanal zurückdrängen.

Die besten Hausmittel gegen Hämorrhoiden

Vor allem bei leichten Hämorrhoiden (erster und zweiter Grad) können eine Umstellung der Lebensweise und einfache Hausmittel zumindest eine Verschlimmerung oft aufhalten. Dazu gehören:

• Achten Sie auf ballaststoffreiche Ernährung. Nüsse, frisches Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte beugen Verstopfung und damit auch langem Pressen auf der Toilette vor.
• Flohsamenschalen mit ihren Ballast- und Schleimstoffen pflegen den Darm von innen und erleichtern den Toilettengang. Dazu morgens und abends einen gehäuften Teelöffel voll Flohsamenschalen in ein Glas kaltes Wasser oder einen Becher Joghurt einrühren.
• Trinken Sie viel, der Darm kann nur dann reibungslos und ohne Verstopfung funktionieren, wenn ausreichend Flüssigkeit vorhanden ist. Viel Trinken ist zudem die Voraussetzung dafür, dass die Ballaststoffe gut quellen und damit wirken können. Wer sich ballaststoffreich ernährt und wenig trinkt, riskiert eine Verstopfung.
• Sitzbäder mit Eichenrinde können den Juckreiz lindern und wirken leicht zusammenziehend (adstringierend) auf die erweiterten Gefäße am After.
• Duschen Sie nach dem Stuhlgang den After kurz mit kaltem Wasser. Danach den Bereich vorsichtig trocken tupfen.
• Verzichten Sie auf scharfe Gewürze. Was im Mund brennt, kann beim Verlassen des Darms ebenfalls die Schleimhaut reizen und bei einer Neigung zu Hämorrhoiden unangenehm sein.

Behandlung von Hämorrhoiden mit Salben und Zäpfchen

Oft ist das Hämorrhoidalleiden jedoch so ausgeprägt, dass ärztlicher Rat nötig wird. Der Gang zum Arzt ist übrigens immer empfehlenswert, wenn Afterprobleme zum ersten Mal auftreten oder Sie Blut im Stuhl bemerken. Der Arzt, am besten ein Proktologe (Facharzt, der auf den Bereich Enddarm spezialisiert ist), kann feststellen, ob es sich wirklich um Hämorrhoiden handelt oder eine andere Krankheit Ursache für Juckreiz, Blut und Knoten ist.

Ähnliche Symptome wie Hämorrhoiden können folgende Krankheiten hervorrufen:

• Analekzem
• Analfissur
• Analthrombose
• Darmkrebs
• Feigwarzen
• Marisken

Anhand einer Tastuntersuchung und der Enddarmuntersuchung mit dem Proktoskop kann der Arzt diese Krankheiten meist ausschließen und feststellen, in welchem Stadium sich die Hämorrhoiden befinden. Je nachdem wird er verschiedene Therapien vorschlagen.

Für die Behandlung der Stadien I und II eines Hämorrhoidalleidens sind Salben und Zäpfchen eine gute Option. Die meisten Produkte sind frei verkäuflich und enthalten einen oder mehrere der folgenden Wirkstoffe:

• Zinkoxid ist bewährt zur Wund- und Hautbehandlung, auch an der empfindlichen Afterhaut.
• Hamamelis enthält Gerbstoffe, die adstringierend wirken und den Heilungsprozess unterstützen.
• Lidocain betäubt örtlich und wirkt damit gegen Schmerzen und Juckreiz.
• Jojobawachs, Cetiol und Bienenwachs beruhigen und pflegen sensible Haut.
• Tannine, natürliche Gerbstoffe etwa aus Eichenrinde, unterstützen mit ihrer adstringierenden Wirkung die Heilung.
• Cortison soll starke Entzündungen hemmen, wird im Bereich des Afters jedoch wenn überhaupt nur niedrig dosiert empfohlen, weil es dort die Bildung von Pilzen begünstigen kann.

Verschreibungspflichtig sind nur die Produkte mit Lidocain und Cortison. Angewendet wird Hämorrhoidensalbe meist zwei- bis dreimal täglich mittels Applikator oder einem Fingerling. Zäpfchen werden aus hygienischen Gründen ebenfalls am besten mit einem Fingerling eingeführt.

Behandlung von Hämorrhoiden mit Gummibandligatur und Sklerosierung

Sind die Hämorrhoiden ausgeprägter (ab Stadium II bis III) stehen weitere Behandlungsmethoden zur Auswahl, die alle ambulant möglich sind:

• Sklerosierung, also Verödung: Dabei injiziert der Arzt eine Lösung in den Hämorrhoidalknoten, der daraufhin schrumpft. Allerdings bringt diese Behandlung auf Dauer meist wenig Erfolg: Rund 70 Prozent der Patienten haben nach drei Jahren erneut Hämorrhoiden.

• Gummibandligatur (Gummiringligatur): Dabei wird die Hämorrhoide über eine kleine Saugtechnik herangezogen, sodass der Arzt sie mit Gummibändern oder einem Gummiring abschnüren kann. Innerhalb weniger Tage verkümmert die Hämorrhoide und fällt dann ab. Die Erfolgsrate ist hoch, nach vier Jahren sind noch rund 75 Prozent der Patienten beschwerdefrei.

Hämorrhoiden-Operation – was passiert bei der Hämorrhoidektomie?

Nur wenn diese Methoden nicht wirken und die Hämorrhoiden ausgeprägt sind (Stadium III und IV), rät der Arzt zu einer Operation, medizinisch Hämorrhoidektomie. Dabei gibt es wiederum verschiedene Möglichkeiten, die sanft bis invasiv sind:

• HAL-Methode (Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur): Dabei umnäht der Arzt die Arterien, die die Hämorrhoide versorgen. Nach wenigen Tagen ist die Hämorrhoide vertrocknet. Der Eingriff erfolgt ambulant. Die HAL-Methode eignet sich für Stadium III, wenn sich also die hervorgetretene Hämorrhoide noch manuell nach innen platzieren lässt.

• Transanale Hämorrhoidalarterien-Dearterialisation (THD): Dabei geht der Arzt ähnlich vor wie bei der HAL-Methode, allerdings werden dabei die zur Hämorrhoide führenden Gefäße bereits im Mastdarm unterbunden. Zusätzlich strafft der Arzt die Schleimhaut im Inneren. So wird der Prolaps nach innen gezogen.

• Longo-Methode (Stapler): Dabei heftet der Chirurg das herausgetretene Hämorrhoidalgewebe mit einem Klammergerät (Stapler) wieder zurück an seinen ursprünglichen Platz. Das Gewebe wird gestrafft und deshalb wird diese Technik auch als „anales Lifting“ bezeichnet.

• Milligan-Morgan-Methode: Bei dieser Operation entfernt der Chirurg den Hämorrhoidalknoten mit dem Skalpell und lässt die Wunde offen, damit sie schneller heilen kann. Die Ferguson-Methode geht genauso vor, wobei die Wunde aber bis auf einen winzigen Abfluss geschlossen wird.

Hat sich das gesamte Hämorrhoidalpolster krankhaft verändert, stehen weitere Operationstechniken zur Verfügung, die mehr Gewebe entfernen, jedoch Schleimhaut möglichst schonen.

Hämorrhoiden vorbeugen

Doch auch wenn die Hämorrhoiden-Behandlung noch so gut war – oft kommt es doch zu einem Rückfall, bei dem sich erneut Hämorrhoiden bilden. Bis zu einem gewissen Maß haben Sie darauf jedoch Einfluss. Sie können mit diesen drei Maßnahmen gezielt vorbeugen:

1. Verstopfung vermeiden und beim Stuhlgang nicht stark pressen.
2. Schlank bleiben oder werden und damit Beckenboden und Enddarm entlasten.
3. Leichte, regelmäßige Bewegung, um den Darm in seiner Funktion zu unterstützen sowie die Durchblutung zu fördern. Optimal sind Schwimmen, Wandern, Beckenbodengymnastik und entsprechende Pilates- oder Yoga-Übungen.

Autor: MONIKA PREUK