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Gürtelrose breite sich meist um um die Körpermitte herum aus.

Gürtelrose kann überall entstehen, vor allem um die Körpermitte herum, manchmal im Gesicht. Foto © iStock, franciscodiazpagador

Herpes Zoster

Gürtelrose – wie ansteckend sind die Bläschen?

Besonders gefährlich ist Gürtelrose im Gesicht. Außerdem können die Viren Nerven schädigen und zu anhaltenden Schmerzen führen – einer Post-Zoster-Neuralgie.

Zuerst Windpocken, Jahrzehnte später Gürtelrose: Die Infektionskrankheit, die auch Herpes Zoster oder einfach nur Zoster genannt wird, ist eigentlich eine Spätfolge der Windpocken. Auslöser der Gürtelrose und auch der Windpocken ist derselbe Erreger, das Varizella-Zoster-Virus, das zur Familie der Herpesviren gehört.

Gürtelrose ist eine Spätfolge der Windpocken

Nach überstandener Windpockeninfektion gibt es zwar eine lebenslange Immunität gegen Windpocken (medizinisch Varizellen). Das bedeutet jedoch nicht, dass der Organismus virenfrei ist. Einigen der Krankheitserreger gelingt es, sich in Nervenkanäle zurückzuziehen und in Nervenknoten (Ganglien) inaktiv zu überleben. Es handelt sich hier um die Nervenwurzeln des Rückenmarks (Spinalganglien) und des Gehirns (Hirnnervenganglien).

Sind die Abwehrkräfte geschwächt, werden die Viren reaktiviert. Eine Gürtelrose bricht aus. Die Viren vermehren sich, verlassen die Ganglien und breiten sich entlang einer Nervenbahn, ausgehend vom Nervenknoten, bis zur Haut aus.

Es bildet sich der typische, schmerzhafte Ausschlag mit Bläschen jeweils am betroffenen Rücken- oder Gehirnnerv. Meist sind Rückennerven in der Mitte der Wirbelsäule betroffen. Der Ausschlag zieht sich dann wie ein Gürtel vom Rücken her zum Bauch – daher auch die Bezeichnung Gürtelrose. Anders als bei den Windpocken betrifft der Ausschlag nicht den gesamten Körper, sondern nur die Haut über der betroffenen Nervenregion.

Ist Gürtelrose ansteckend?

Gürtelrose entsteht also ausschließlich durch im Körper schlummernde Windpockenviren. Medizinisch ist die Gürtelrose ein "endogenes Rezidiv", ein Rückfall, der sich im Organismus selbst bildet. Wer Herpes Zoster hat, kann also andere Menschen nicht damit anstecken. Es gibt deshalb auch keine Ansteckungszeit (Inkubationszeit) bei Gürtelrose.

Trotzdem besteht bei Gürtelrose ein Infektionsrisiko für Kontaktpersonen: Wer mit den Bläschen in Berührung kommt und noch nie Windpocken hatte oder nicht gegen sie geimpft ist, kann sich mit Varizellen infizieren. Die Inkubationszeit bei Windpocken beträgt zwischen acht und 21 Tagen. Erst wenn die Bläschen der Gürtelrose verheilt sind, besteht keine Ansteckungsgefahr mehr.

Allerdings ist Gürtelrose nicht in dem Maße ansteckend wie Windpocken. Diese werden – wie der Name schon sagt – mit dem "Wind" übertragen, also über großen Abstand. Eine Infektion droht bereits, wenn sich ein an Windpocken Erkrankter im Raum befindet.

Herpes Zoster – die Risikofaktoren

Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 400.000 Menschen an Gürtelrose. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Denn mit fortschreitendem Alter sind die Abwehrkräfte nicht mehr so schlagkräftig. So trifft Gürtelrose Senioren rund zehnmal häufiger als junge Menschen. Doch sogar erst 30-Jährige können durchaus erkranken. Als Risikofaktoren gelten:

• Stress
• ein geschwächtes Immunsystem
• eine andere virale oder bakterielle Erkrankung
• Fieber
• starke Sonneneinstrahlung

Es handelt sich also allgemein um Faktoren, die das Immunsystem schwächen. Ein besonders hohes Risiko für Zoster haben deshalb Menschen mit herabgesetzter Immunabwehr, also Transplantierte, Menschen mit chronischen Krankheiten wie AIDS oder Patienten mit einem Tumor. Bei ihnen besteht zusätzlich das Risiko, dass die Gürtelrose auch innere Organe befällt.

In seltenen Fällen kann die Krankheit auch der erste Hinweis auf Krebs sein. In der Nähe eines Tumors ist nämlich das lokale Immunsystem geschwächt. Varizella-Zoster-Viren, die in benachbarten Ganglien schlummern, können dadurch reaktiviert werden.

Gürtelrose: Symptome sind nicht nur die Bläschen

Das bekannteste Symptom von Zoster sind die Bläschen. Doch es gibt noch eine Reihe von weiteren Anzeichen der Viruserkrankung, die nach und nach auftreten:

• Müdigkeit und Abgeschlagenheit
• leichtes Fieber
• Hautbrennen und Kribbeln in dem Bereich, in dem sich die Bläschen bilden werden.
• Überempfindlichkeit der Haut im betroffenen Bereich
• Nervenschmerzen

Nach diesem Anfangsstadium kommen ein bis vier Tage später die typischen Symptome der Gürtelrose dazu:

• Kleine rote Stellen bilden sich entlang einer Linie und typischerweise nur auf einer Seite des Körpers. Sie schwellen an und entwickeln sich in wenigen Tagen zu Bläschen,
• nach etwa einer Woche sind die Bläschen reif.
• Sie platzen, trocknen aus und heilen ab.

Insgesamt dauert die Gürtelrose rund vier Wochen.

Gürtelrose im Gesicht

Je nachdem, welche Nervenbahnen betroffen sind, bilden sich die Bläschen der Gürtelrose in den entsprechenden Bereichen, meist an Rücken und Rumpf.
Manchmal breiten sich die Viren jedoch auch von Gehirnnerven aus. Dann kann Gürtelrose am Kopf und auch im Gesicht entstehen, etwa entlang des Trigeminusnervs. Zoster kann sich auch an den Ohren, um die Augen herum, der Stirn und hinab zur Nase ausbreiten.

Gürtelrose im Gesicht ist gefährlich. Die Viren können die Hornhaut und das Innenohr schädigen, also im schlimmsten Fall zu Taubheit und Blindheit führen. Auch das Risiko einer Gesichtslähmung (Fazialisparese) besteht. Dank guter Behandlungsmöglichkeiten der Gürtelrose sind diese Komplikationen jedoch äußerst selten.

Gürtelrose mit Folgen – die postzosterische Neuralgie

Eine wesentlich häufigere Komplikation sind jedoch bleibende Nervenschmerzen nach der Gürtelrose, medizinisch postzosterische Neuralgie (PZN) oder postherpetische Neuralgie. Die chronischen, oft massiven Schmerzen entstehen, wenn die Viren den betroffenen Nerv entzündet haben und die Narbenbildung einsetzt.

Die Symptome der postzosterischen Neuralgie:

• brennende und bohrende Schmerzen im betroffenen Areal
• Die Schmerzen bestehen dauerhaft, können aber auch in kurzen, heftigen Attacken aufflammen.
• Schmerzen bei Berührung des Hautbereichs

Bis zu 20 Prozent der Gürtelrosepatienten leiden unter dieser Folgeerkrankung. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter und besteht vor allem dann, wenn die Gürtelrose zu spät oder nicht ausreichend lange behandelt wurde.

Behandlung der Gürtelrose – die Viren stoppen

Beim ersten Verdacht auf Gürtelrose sollten Sie deshalb zum Arzt gehen, damit die nötige Behandlung rasch einsetzen kann. Ein erfahrener Mediziner wird die Hautveränderungen rasch als Zoster identifizieren. Haben sich bereits Bläschen gebildet, kann die Flüssigkeit auch labortechnisch untersucht werden.

Zur Behandlung der Gürtelrose gehören Medikamente, die die Virenvermehrung stoppen. Antivirale Wirkstoffe gegen Gürtelrose sind:

• Brivudin
• Valaciclovir
• Famciclovir

Die Tabletten müssen streng nach Vorschrift eingenommen werden. Die Behandlung dauert etwa eine Woche, je nach Einzeldosis und Wirkstoff. Bereits nach einem Tag setzt die Wirkung ein. Die antiviralen Medikamente wirken am besten, wenn die Behandlung nicht später als 48 Stunden nach Auftreten des ersten Bläschens begonnen wird.

Die Schmerzen bei Zoster werden zusätzlich mit nicht steroidalen Antirheumatika behandelt, etwa Paracetamol oder Ibuprofen. Reicht die Wirkung dieser Medikamente nicht aus, kann der Arzt milde Opioide verschreiben. Denn es ist extrem wichtig, die Schmerzen zu dämpfen. Sie können sonst chronisch werden.

Impfung gegen Gürtelrose

Die Windpockenimpfung schützt indirekt vor Gürtelrose. Seit 2004 empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission) für Kinder ab dem elften Lebensmonat diese Impfung, etwa gemeinsam mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMRV-Impfung). Tatsache ist, dass diese Impfung bis zu einem gewissen Maß auch verhindern kann, im späteren Leben Gürtelrose zu bekommen. Falls trotzdem Zoster eintritt, verläuft die Infektion milder als bei Ungeimpften.

Eine direkte Impfung gegen Gürtelrose gab es bis vor wenigen Jahren noch nicht. Wer als Kind nicht gegen Windpocken geimpft wurde, hatte also ein großes Risiko, später Gürtelrose zu bekommen – denn die meisten Erwachsenen haben als Kind die Windpocken durchgemacht und tragen die Viren deshalb in sich.

Seit 2013 gibt es jedoch eine Impfung, die speziell Gürtelrose verhindern soll. Der Herpes-Zoster-Impfstoff ist für Personen über 50 Jahre zugelassen. Studien zeigen, dass die Impfung das Risiko, an Gürtelrose zu erkranken, um 50 Prozent reduziert. Allerdings eignet sich die Impfung nicht für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, weil es sich um einen Lebendimpfstoff handelt. In Entwicklung ist deshalb ein weiterer Impfstoff, der auch immunschwache Menschen schützen soll. Derzeit wird das neue Serum bereits klinisch getestet.

Autor: MONIKA PREUK