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Gicht – Symptome und Behandlung des Gichtanfalls

Gicht: Symptome, Stadien und Behandlung / Foto © iStock, Jan-Otto

Hyperurikämie

Gicht – Symptome und Behandlung des Gichtanfalls

Die Ernährung spielt bei Gicht eine wichtige Rolle. Erkannt wird die Stoffwechselkrankheit oft erst, wenn ein schmerzhafter Gichtanfall auftritt.

Gicht, medizinisch Hyperurikämie, beginnt meist schleichend und verläuft zuerst symptomfrei. Oft dauert es Jahre, bis plötzlich massive Schmerzen in einem Gelenk auftreten, die den Gichtanfall kennzeichnen.

Gichtanfall – die drei typischen Symptome

Folgende Anzeichen lassen auf den schmerzhaften Vorfall schließen:

Plötzliche, massive Schmerzen in einem einzelnen Gelenk. Meist handelt es sich um ein Gelenk der Beine oder Füße. Bei 60 Prozent der Patienten ist das Großzehengrundgelenk betroffen.

Das Gelenk ist rot, geschwollen und fühlt sich heiß an. Es handelt sich um eine starke Entzündung (Arthritis urica, akute Gichtarthritis), die so ausgeprägt ist, dass jede Berührung als unerträglich empfunden wird.

Der Gichtanfall tritt meist nachts auf, typischerweise nach einem üppigen Essen und reichlich Alkohol.

Was ist Gicht? Die Ursachen

Auslöser der Gicht ist ein zu hoher Harnsäurespiegel im Blut. Harnsäure entsteht durch den Abbau von Purinen, die vor allem in Fleisch, Wurst und Bier enthalten sind. Und Alkohol hemmt den Abbau von Harnsäure, was erklärt, warum ein Gichtanfall häufig kurz nach üppigem Fleisch- und Alkoholgenuss auftritt.

Doch die Ernährung ist nur eine Quelle für Purine und damit Harnsäure. Die zweite: Der Körper selbst bildet Purine als Abbauprodukt des normalen Zellstoffwechsels.

Täglich reichert sich auf diese Weise Harnsäure im Blut an. Dieses wird in den Nieren gewaschen, zu viel Harnsäure dabei herausgefiltert und über den Urin ausgeschieden. Übersteigt die durch Lebensmittel zugeführte Menge an Harnsäure jedoch eine gewisse Grenze oder ist der Abbau von Harnsäure in den Nieren gestört, sammelt sich zu viel davon im Blut an.

Die Folge: Harnsäure klumpt zusammen und es bilden sich Harnsäurekristalle (Uratkristalle). Sie lagern sich in Gelenken, Gewebe und manchmal auch Organen wie der Niere ab.

Zu viel Fleisch und Fructose als Risikofaktor

Nicht nur Fleisch und Alkohol, sondern auch Fruchtzucker erhöht den Harnsäurespiegel. Vor allem in den USA sind Getränke oft mit Fructose gesüßt und vielen Lebensmittel wird Maissirup zugesetzt, der viel Fruchtzucker enthält. Amerikanische Wissenschaftler haben jetzt einen Zusammenhang zwischen Fructose und erhöhtem Harnsäurespiegel feststellen können. Demnach erhöht bereits der Genuss von einem fructosehaltigem Getränk pro Tag das Gichtrisiko massiv.

Die Erklärung dafür: Fructose wird in der Leber abgebaut. Dabei entstehen Stoffwechselprodukte, die den Purinstoffwechsel stören und damit indirekt die Menge an Harnsäure erhöhen. Außerdem bremst Fruchtzucker – ähnlich wie Alkohol – die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren.

Gicht liegt oft in der Familie

Nicht nur die Ernährung kann die Stoffwechselkrankheit begünstigen, auch die Gene spielen eine Rolle. Wer anlagebedingt zu einem hohen Harnsäurespiegel neigt und an Gicht erkrankt, hat oft eine bestimmte, erbliche Funktionsstörung der Nieren. Dabei können die Filterorgane Harnsäure nicht ausreichend ausscheiden. Unter dieser Stoffwechselstörung leidet der Großteil der Gichtpatienten. Vor Kurzem haben deutsche und österreichische Wissenschaftler entdeckt, welches Gen diese Fehlregulation verursacht.

Gicht ist vor allem in den Industriestaaten eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen. Bis zu einem Drittel der Männer und drei Prozent der Frauen haben einen erhöhten Harnsäurespiegel. Zu Gicht kommt es bei rund jedem zehnten von ihnen.

Symptome und Stadien der Gicht

Je nach Anzeichen wird Gicht medizinisch in verschiedene Stadien eingeteilt:

• Stadium A Hyperurikämie: Die Harnsäurewerte im Blut sind erhöht und liegen dauerhaft über sieben Milligramm pro Deziliter Blut. Oft wird ein leicht erhöhter Wert zufällig bei einer Blutuntersuchung im Rahmen eines Check-ups entdeckt. Denn außer diesem Anzeichen kommt es zu keinen weiteren Symptomen.
• Stadium B Mikroskopischer oder bildgebender Nachweis von Uratkristallansammlungen: Lange vor dem ersten Gichtanfall finden sich Uratkristalle in der Gelenkflüssigkeit, ohne dass es zu Beschwerden kommt.
• Stadium C Uratkristallansammlungen mit starken Beschwerden: akuter Gichtanfall
• Stadium D Fortgeschrittene und chronische Gicht: Typisch für dieses Stadium sind sogenannte Tophi, Gichtknoten. Dabei lagern sich Harnsäurekristalle unter der Haut ab, etwa über den erkrankten Fingergelenken oder am Ohrknorpel. Auch Schleimbeutel und Sehnenscheiden können betroffen sein. Es kommt zu weißen Stellen, Knötchen und Beulen.

Gicht in Gelenken und Weichteilgicht

Daneben lässt sich die Erkrankung auch danach einteilen, in welchen Körperbereichen sie Beschwerden auslöst:

Gelenkgicht (Gichtarthritis): Akute Gichtarthritis, also ein Gichtanfall, kann immer wieder auftreten. Unbehandelt kann es zu bleibenden Gelenkveränderungen kommen. Der Knochen wird deformiert und zerstört.

Weichteilgicht: Tophi bilden sich unter der Haut. Dieses Risiko besteht jedoch erst bei fortgeschrittener, unbehandelter Gicht und ist heute selten geworden.

Nierengicht: Die Harnsäurekristalle lagern sich in den Organen als Nierengrieß ab. Zuerst verstopfen die kleinen Nierenkanälchen, dann können sich Nierensteine bilden. Besonders gefährlich: Die Funktionsfähigkeit der Nieren kann dadurch bleibend eingeschränkt werden, im schlimmsten Fall kommt es zu Organversagen. Nierengicht bildet sich oft ohne Vorboten wie Gichtarthritis oder Gichtanfall.

So schnell geht die Diagnose

Wer sich nicht sicher ist, ob er vielleicht einen zu hohen Harnsäurespiegel hat, kann das durch einem einfachen Bluttest in der Arztpraxis abklären lassen. Wenn Sie jedoch starke Gelenkbeschwerden haben, die auf einen Gichtanfall hindeuten, wird der Arzt meist schon durch Abtasten eine erste Verdachtsdiagnose stellen können. Abgesichert wird die Vermutung ebenfalls durch den Bluttest mit Messung des Harnsäurespiegels.

Ultraschall (Sonografie) und eine Punktion des betroffenen Gelenks schaffen endgültige Sicherheit. Bei der Punktion wird Gelenkflüssigkeit entnommen und untersucht, ob Uratkristalle zu finden sind.

Behandlung der Gicht – Harnsäurespiegel senken

Die Behandlung wird entsprechend der Gichtstadien angepasst. Zu Beginn der Therapie eines Gichtanfalls wird der Arzt verschiedene Medikamente empfehlen, etwa

• Schmerzmittel wie Naproxen. Das gängige Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (ASS) scheint bei Gicht jedoch ungünstig zu sein und eher das Risiko für einen Gichtanfall zu erhöhen, worauf Studien hinweisen.
• Kortison
• Colchizin, ein pflanzlicher Wirkstoff, der aus der Herbstzeitlose gewonnen wird und Entzündungen hemmt.

Zusätzlich werden Medikamente verordnet, die den Harnsäurespiegel senken. Das ist bei einem akuten Gichtanfall die wichtigste Behandlungsoption. Wenn noch keine Krankheitszeichen aufgetreten sind, der Harnsäurespiegel jedoch schon erhöht ist, kann der Arzt sie ebenfalls empfehlen.

Dabei gibt es verschiedene Wirkstoffgruppen:

Benzbromaron und Probenecid verstärken das Ausscheiden von Harnsäure über die Nieren. Dabei ist es wichtig, ausreichend zu trinken.
Allopurinol und Febuxostat bremsen die Harnsäurebildung im Körper. Bereits bestehende Uratkristalle bilden sich unter der Behandlung zurück.

Während der Behandlung sollte regelmäßig der Harnsäurespiegel im Blut kontrolliert werden. Die Therapie mit Harnsäuresenkern wird in der Regel sechs Monate durchgeführt. Dieser Zeitraum hat sich bewährt, weil danach wesentlich seltener ein neuer Gichtanfall (Rezidiv) auftritt, als wenn nur wenige Wochen behandelt wird.

Ernährung bei Gicht – der Lebensstil ist wichtig

Früher wurde Betroffenen ausschließlich eine bestimmte Gicht-Diät empfohlen. Im Rahmen dieser sollten Patienten purinreiche Lebensmittel nur eingeschränkt konsumieren oder ganz meiden. Besonders viel Purin enthalten:

• Krustentiere und Muscheln
• Fleisch, vor allem Innereien
• Fisch

Auch auf Alkohol soll verzichtet werden, weil er die Harnsäureausscheidung über die Nieren drosselt.

Aufgrund der neueren Erkenntnisse wurde die Liste der Risikofaktoren erweitert und die aktuellen Leitlinien entsprechend angeglichen. Demnach ist es wichtig, bei Gicht-Diät auch folgende Faktoren zu beachten und zusätzlich seinen Lebensstil zu modifizieren: Schränken Sie Ihren Fruchtzuckerkonsum ein. Zwei Obstmahlzeiten am Tag sind jedoch in Ordnung. Essen Sie viel Gemüse und Salat. Fructosehaltige Getränke sollten Sie dagegen einschränken.

Bewegen Sie sich regelmäßig. Schweißtreibender Sport kurbelt den Stoffwechsel an und fördert die Harnsäureausscheidung – Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie ausreichend trinken.

Übergewicht gilt heute als wichtigster Risikofaktor für Gicht.

Eine gewisse Schutzwirkung vor einem zu hohem Harnsäurespiegel und schmerzhafter Gicht sollen dagegen

• Vitamin C,
• Folsäure,
• fettarme Milchprodukte
• Kaffee

bieten.

So zeigt eine Studie mit 46.000 Probanden, dass Kaffee nachweislich den Harnsäurespiegel senkt. Allerdings ist es nicht das Koffein, das diesen positiven Effekt hat, sondern vermutlich eine bestimmte Säure im Kaffee. Deshalb ist sowohl das koffeinhaltige, also auch das entkoffeinierte Getränk bei Gicht günstig.

Quellen: Leitlinien Gicht in der hausärztlichen Versorgung, Stand 2013; S2e-Leitlinie Gichtarthritis (fachärztlich) Evidenzbasierte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) 2016; Internisten im Netz

Autor: Monika Preuk