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Ein schmerzendes, knirschendes Schultergelenk deutet auf Kalkablagerungen hin.

Ein schmerzendes, knirschendes Schultergelenk deutet auf Kalkablagerungen hin. / Foto: © picture alliance/Bildagentur-online

Warnsignale unseres Körpers

Gelenkschmerzen, steife Hüften, knackende Knie

Unser Körper ist ein Mysterium, stellt uns ständig vor neue Rätsel. Selbst unsere Knochen und Gelenke führen ein Eigenleben. Da knackt es mal im Knie, und es knirscht in der Schulter. "Nicht immer verbirgt sich hinter diesen Phänomenen gleich eine ernste Erkrankung", sagen Knochen- und Gelenkexperten wie der Osteologe Prof. Reiner Bartl. "Doch unsere Knochen haben einen eigenen Stoffwechsel. In regelmäßigen Abständen wird die komplette Knochensubstanz ausgetauscht und den wechselnden Bedürfnissen angepasst – das geht oftmals nicht ganz geräuschlos vonstatten."

Dennoch sollten wir auf die Signale unseres Körpers achten und sie als Warnhinweis richtig verstehen. "Früh erkannt können wir etwa eine Osteoporose inzwischen rückgängig machen und Frakturen verhindern!", sagt Prof. Bartl. Experten verschiedener medizinischer Fakultäten gehen hier für HÖRZU auf Spurensuche und entschlüsseln die Geheimnisse unseres Körpers.


Wenn es im Kniegelenk knackt...

Signal: Es klingt beängstigend, so als würden unsere Knochen plötzlich bersten. Das Knacken im Kniegelenk ist ein weitverbreitetes Phänomen.

Ursache: "Grundsätzlich kann ein Gelenkknacken harmloser Natur sein. Es entsteht, wenn die Kniescheibe beim Strecken oder Beugen mit wechselhafter Muskelkraft in ihrer Gleitrinne geführt wird", erklärt Dr. Diedrich Haesen, leitender Arzt der Abteilung für Orthopädie und Sportmedizin an der Hamburger Klinik Fleetinsel. Durch leichten Unterdruck im Gelenk komme es manchmal zu knackenden Geräuschen, die aber auch Ausdruck von beginnendem Gelenkverschleiß sein können und auf eine entstehende Arthrose hinweisen könnten.

Was man tun kann: Treten Schmerzen auf, sollte man unbedingt einen Orthopäden aufsuchen. Klarheit liefern Röntgenbilder oder, bei weiterhin unklarem Befund, auch eine Kernspintomografie. Muskeltraining, besonders der Oberschenkelmuskulatur, entlastet und stützt das Gelenk.


Wenn Gelenke dicker werden...

Signal: Die Gelenke schwellen an, werden warm und schmerzen. Weitere Symptome: Abgeschlagenheit, Mattigkeit, Fieber. Oft sind die Gelenke symmetrisch betroffen, etwa beide Hand- oder Fußgelenke. Besonders häufig werden die Finger- oder Zehenknöchel dick. Dabei typisch: Die Beschwerden treten immer wieder in Schüben auf.

Ursache: "Meist handelt es sich um eine Gelenkentzündung, die rheumatoide Arthritis", sagt Prof. Erika Gromnica-Ihle, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga. Etwa 440.000 Deutsche leiden darunter.

Was man tun kann: Per Blutuntersuchung können Entzündungszeichen und meist auch Rheumafaktoren nachgewiesen werden. "Trotz aller Fortschritte ist eine Heilung von Rheuma immer noch nicht in Sicht", so Prof. Gromnica-Ihle. Heute ist es jedoch möglich, die Schmerzen zu lindern und die Zerstörung der Gelenke aufzuhalten. Am häufigsten verwendet man bei rheumatoider Arthritis das Immunsuppressivum Methotrexat, sehr schwere Verläufe benötigen Biologika (sie hemmen Immunprozesse, Entzündungen, Gewebeschädigung). Gegen den Schmerz helfen auch Extrakte aus der Teufelskralle sowie Kälteanwendungen.


Wenn die Körpergröße abnimmt...

Signal: Das Kleid reicht plötzlich über die Knie, und auch der Mantel ist merklich länger als zuvor. Ganz unversehens ist man einige Zentimeter kleiner geworden.

Ursache: "Die Abnahme der Körpergröße kann erstes Anzeichen einer beginnenden Osteoporose sein", erklärt Prof. Reiner Bartl. Dabei liegt eine Störung des Knochenstoffwechsels vor, wodurch die Knochenmasse über das normale Maß hinaus abnimmt. "Der Knochen wird porös, morsch und verliert an Stabilität", so der Experte.

Was man tun kann: Eine Knochendichtemessung! Bei Risikopatienten (etwa genetische Belastung, längerfristige Kortisoneinnahme) zahlt die Krankenkasse. Eine wichtige Rolle in der Osteoporose-Therapie spielt die Wirkstoffgruppe der Bisphosphonate, die man nur noch einmal im Jahr injiziert. Vorbeugend wirkt viel Bewegung. Dabei üben die Muskeln einen Reiz auf die Knochen aus und aktivieren sie zur Aufnahme von knochenstärkendem Kalzium. Außerdem wichtig: die ausreichende Aufnahme von Vitamin D.


taubes Bein

Ein Kribbeln im Bein kann ein Warnsignal für einen Bandscheibenvorfall sein. / Foto: © picture alliance/chromorange

Wenn das Bein taub wird...

Signal: Es kribbelt im Bein. Vor allem an den Innenseiten der Oberschenkel und unten am Po schwindet das Gefühl. Sie können nicht mehr auf einem Bein stehen oder auf den Zehenspitzen.

Ursache: Lähmungserscheinungen im Bein sind ein deutlicher Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall. An den Lendenwirbeln ist Gewebe herausgetreten. Das drückt auf die Nerven, die vom Rückenmark ausgehen und für Hautempfindungen sowie die Bewegung der Beine zuständig sind.

Was man tun kann: Es handelt sich immer um einen Notfall. "Die mikroskopische Nukleotomie ist heute die Operationsmethode der Wahl", sagt der Münchner Orthopäde Dr. Martin Marianowicz. Dabei wird statt der ganzen Bandscheibe nur noch das vorgetretene Gewebe entfernt, das die Nervenwurzel oder den Nervenkanal bedrängt.


Wenn die Hüfte steif ist...

Signal: Morgens beim Aufstehen fühlt sich die Hüfte an, als würde sie noch schlafen. Sie ist starr, kalt und wird erst nach einer längeren Warmlaufphase wieder beweglicher.

Ursache: "Diese Symptome sind typisch für eine beginnende Arthrose: Jeder Zweite über 40 ist zeitweise von den Folgen des Gelenkverschleißes betroffen", erklärt Prof. Bartl: "Die elastische Knorpelmasse zwischen den Gelenken ist verschlissen und kann ihre Funktion als Stoßdämpfer nicht mehr erfüllen." Arthrose zeigt sich nicht nur an der Hüfte, sondern auch an Schultern, Händen, Knien, Füßen und Wirbelsäule.

Was man tun kann: Übergewicht abbauen! Bewegung (Schwimmen, Radfahren), Physiotherapie. Medikamente lindern den Schmerz. Bei fortgeschrittener Arthrose setzen Wissenschaftler Hoffnung auf die Therapie mit körpereigenen Stammzellen. Ein Pilotprojekt läuft derzeit an der Uni Würzburg. "Über die ersten drei Monate hinweg geben alle Patienten an, dass sie seit der Stammzellinjektion deutlich weniger Schmerzen verspüren als zuvor", so Prof. Ulrich Nöth. "Wir wissen bisher nur, dass die Zellen gegen den Entzündungsreiz wirken und damit die typischen Symptome deutlich lindern", erklärt der Projektleiter.


Wenn die Schulter knirscht...

Signal: Beim Kreisen oder auch nur bei leichten Vorwärts- und Abwärtsbewegungen knirscht das Schultergelenk.

Ursache: "Das Knirschen allein ist nicht krankhaft", erklärt Prof. Bartl. Wenn allerdings Schmerzen hinzukommen, steckt häufig das sogenannte Impingement-Syndrom dahinter. Bei diesem Krankheitsbild ist, zumeist durch Kalkablagerungen, der Tunnel unter dem Schulterdach eingeengt. Der dort verlaufende Muskel und seine Sehnen werden inklusive Schleimbeutel gequetscht.

Was man tun kann: Per Röntgenaufnahme lässt sich die Ausdehnung des Kalkdepots bestimmen. Danach wird die entsprechende Behandlungsmethode gewählt: Physiotherapie, Kälteanwendungen, Muskelaufbautraining, Belastungspausen oder auch Akupunktur. Neu ist das Zertrümmern des Kalkdepots durch Stoßwellentherapie.


Wenn Muskeln und Sehnen ziehen...

Signal: Der ganze Körper schmerzt: die Muskeln, die Sehnen, die Gelenke. Hinzu können Schlafstörungen, Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Depressionen kommen.

Ursache: Es kann sich um das weitverbreitete Fibromyalgie-Syndrom (wörtlich übersetzt heißt das: Faser-Muskel-Schmerz) handeln. "Es zählt zu den nicht entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, ist eine komplexe und schwer durchschaubare Erkrankung", so Prof. Erika Gromnica-Ihle.

Was man tun kann: Im Mittelpunkt der Empfehlungen der deutschen Rheuma-Liga stehen außer einer medikamentösen Therapie auch Ausdauertraining (Walking, Schwimmen oder Fahrradfahren) sowie ein sanftes Krafttraining. Ebenfalls hilfreich wirken Tai-Chi, Yoga oder Qigong.


Rueckenschmerzen

Verspannte Muskeln sorgen oft für Rückenschmerzen. / Foto: © picture alliance / dpa Themendienst

Wenn die Muskulatur verspannt...

Signal: Langes Sitzen, langes Stehen, manchmal auch nur eine falsche Kopfbewegung – und schon leiden wir unter oft schmerzhaften Verspannungen, vor allem im Rücken- sowie im Nacken- und Schulterbereich.

Ursache: Fehlhaltungen, Bewegungsmangel sowie Stress und Ängste. Jede Anspannung hat dabei eine vorübergehende Verkürzung der Muskulatur zur Folge.Wenn aber Muskeln verkrampfen, entsteht eine dauerhafte Verkürzung, bei der die Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren steigt. Es kann auch zu entzündlichen Prozessen kommen.

Was man tun kann: Auf jeden Fall sollte man einseitige Belastungen vermeiden und die Muskulatur durch Training kräftigen. Wärmeanwendungen (Fangopackung, Heublumenkissen) helfen, desgleichen auch pflanzliche Salben mit den Wirkstoffen der traditionellen Heilpflanze Beinwell. Sie lindern nach Herstellerstudien Schmerzen, wirken entzündungshemmend und auch abschwellend (z. B. "Traumaplant", Apotheke).


Wenn die Muskeln zucken...

Signal: Meist kurz vor dem Einschlafen, aber auch mitten am Tag zuckt es plötzlich im Körper. Aktiv sind dann vor allem Muskeln in den Beinen sowie im Bereich der Oberarme, Waden, Füße oder des Bauches.

Ursache: Muskelzucken (Faszikulation) ist eine zwar lästige, aber oft harmlose Erscheinung. Meist verschwindet es von ganz allein. Wer ständig unter Strom steht, ist besonders häufig von solchen Zuckungen betroffen. Auch Magnesiummangel, Alkohol oder Koffein können Auslöser dafür sein.

Was man tun kann: Ist Stress die Ursache, wirken Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder autogenes Training beruhigend auf Nerven und Muskulatur. Bei Magnesiummangel sind die Übertragung von Nervenimpulsen und die Spannung der Muskeln gestört. Schuld an einer Mangelversorgung ist eine einseitige oder auch ungesunde Ernährung. Betroffene sollten mehr magnesiumhaltige Lebensmittel wie Nüsse, Spinat, Haferflocken oder Bohnen in ihren Speiseplan einbauen und viel Wasser trinken. Treten die Zuckungen häufig auf, können auch ernsthafte Erkrankungen wie Epilepsie oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) dahinterstecken. Unbedingt einen Arzt konsultieren!

Autor: Susan Junghans-Knoll