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Die Hälfte der Deutschen leiden unter Schlafstörungen.

Ursache für Schlafstörungen kann ein zu helles Schlafzimmer sein. Dann spielt unsere innere Uhr verrückt. Sie hält uns dann wach oder weckt uns viel zu früh. Dicke, lichtundurchlässige Vorhänge sorgen für Abhilfe. - Foto © picture alliance / Bildagentur-o

Neueste Erkenntnisse

Geheimnis Schlaf

Geheimnis Schlaf: Warum müssen wir überhaupt schlafen? Und wie lange ist ideal? Forscher lösen die letzten Rätsel.

Unser Körper funktioniert wie ein Orchester: Jedes Organ spielt seine eigene Melodie, doch wenn alle harmonisch zusammenwirken, ergibt sich am Ende ein grandioses Gesamtkunstwerk. Ebenso wie ein Orchester kann auch unser Organismus nicht permanent Fortissimo spielen, manchmal muss es auch ein Pianissimo sein. Sprich: Unser Körper benötigt Ruhephasen – zur Regeneration. Die beste Pause, die er kennt, ist der Schlaf.


Was nachts im Körper passiert

Gehirn
Das Hirn verarbeitet nachts Ereignisse des Tages. Im Tiefschlaf speichert es etwa Vokabeln oder Formeln. Im Traumschlaf werden Bewegungsabläufe (Tanzen, Schwimmen) eingeordnet – von jenen Nervenzellen, die auch tagsüber daran beteiligt waren. Zudem ist das Reinigungssystem des Hirns aktiv: Es spült Schadstoffe aus, etwa das Alzheimer-Eiweiß Beta-Amyloid.

Leber
Die Leber folgt einer inneren Uhr: Tagsüber verwertet und speichert sie Nährstoffe, also wertvolle Energie, produziert lebensnotwendige Eiweiße und Abwehrstoffe. Nachts erholt sie sich, etwa indem sie sich selbst entgiftet.

Nieren
Die Nieren sind am Tag hochaktiv. Sie entgiften, entsorgen Stoffwechselabfälle. Nachts kehren mehrere Hormone das System um: Die Urinproduktion ist gedrosselt, Salz und Wasser bleiben im Körper, der Harndrang ist reduziert.

Hormone
Unser Hormonhaushalt ist der komplexe Taktgeber unseres Organismus. In der Nacht ist besonders das schlaffördernde Hormon Melatonin aktiv, das bei abnehmendem Tageslicht stärker ausgeschüttet wird. Folge: Der Stoffwechsel fährt herunter, die Erholung setzt ein. Das Wachstumshormon (HGH) wird verstärkt produziert – zuständig für die Regeneration. Beim Aufwachen steigt der Spiegel des "Weckhormons" ACTH, das die Ausschüttung von Cortisol anregt und Energiereserven freisetzt.

Darm/Immunsystem
Unser Immunsystem, das zu 70 Prozent im Darmbereich liegt, erholt sich nachts. Um sich für die Abwehrschlachten des Tages zu wappnen, füllt es nachts seine Speicher auf. In dieser Ruhephase wird der Körper zwar anfälliger für Viren und Bakterien, ist ihnen aber auch weniger ausgesetzt.

Zellen
Jeden Tag entstehen Hunderte Millionen Zellen. Einige sind rund um die Uhr aktiv, andere besonders nachts. Die Zellteilung läuft in der Ruhephase bis zu zehnmal schneller ab. Alte, verbrauchte Zellen werden entsorgt, andere repariert. Das sorgt am Morgen dann beispielsweise für mehr Spannkraft und glattere Haut.


Obwohl wir rund ein Drittel unseres Lebens schlummernd verbringen, weiß man über diese Ruhephase noch sehr wenig. Derzeit diskutieren Forscher diverse Theorien, die Licht ins Dunkel bringen sollen: Sie wissen bereits, dass sich im Schlaf Körper- und Nervenzellen reparieren. Nachts verarbeitet unser Gehirn zudem die Erlebnisse des Tages, das Immunsystem regeneriert sich. Um uns tagsüber besser vor Viren und Bakterien zu schützen, entspannt sich der Stoffwechsel. Eine britische Studie kommt zu dem Ergebnis: Das Gehirn entsorgt im Schlaf schädliche Abbauprodukte des Stoffwechsels über den Blutkreislauf. So weit, so einleuchtend.

Aber selbst die nachgewiesenen Erkenntnisse werfen neue Fragen auf. So konnten Labortests etwa belegen, dass viele Menschen, die sich vornehmen, zu einer bestimmten Zeit aufzuwachen, es tatsächlich tun – so als hätten sie eine innere Zeitschaltuhr. Die Forscher können bisher nicht erklären, wie das funktioniert. HÖRZU wollte es genauer wissen und befragte Prof. Ingo Fietze, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Charité in Berlin, zu den Geheimnissen des Schlafs.

Schlaf ist ein Energiesparmodell

Der Experte ist davon überzeugt: "Tatsächlich schlafen wir nur, weil wir ein Gehirn haben." Am Tag ist es ein Energiefresser, nachts benötigt es weniger. "Schlaf ist quasi ein Energiesparmodell." Sobald wir einschlummern, verändert sich auch unsere Gehirnaktivität. Der Blutdruck sinkt, die Herzfrequenz verringert sich, die Körpertemperatur fällt, die Atmung wird flacher. Gleichzeitig hilft uns der Schlaf, nicht verrückt zu werden.

Prof. Fietze: "Man geht heute davon aus, dass unser Gehirn rund 16 Stunden aufnahmefähig ist." Während des Schlafs sorgt es dafür, dass Unwichtiges entsorgt und Wichtiges gespeichert wird.

Zu wenig Schlaf macht dumm

Aufgrund neuester Studien warnt die Forschung sogar: Achtung, zu wenig Schlaf macht krank, dick und dumm! Kann das stimmen? Der Schlafmediziner bestätigt: "Als Kurzschläfer läuft man tatsächlich Gefahr, dick zu werden." Denn der Körper braucht einen regelmäßigen Rhythmus aus Schlaf- und Wachzeiten, sonst gerät der Stoffwechsel durcheinander. Man verliert beispielsweise das Gefühl für Hunger und Sättigung. "Wer auf Dauer kurz schläft, riskiert zudem hohen Blutdruck, Diabetes, einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder sogar, Krebs zu bekommen", so Prof. Fietze.

Bei Intelligenzleistungen reicht schon geringer Schlafmangel, um Einbußen festzustellen. "Nach einer kurzen Nacht sollte man am nächsten Tag besser keine Prüfung ablegen, Schach spielen oder Dartpfeile werfen." Denn Geschicklichkeit, Genauigkeit und Konzentration lassen nach. "Man kann natürlich Vitamine und andere Mittel zu sich nehmen, um den Körper zu stärken", sagt Fietze. "Aber bei ausreichendem Schlaf von rund siebeneinhalb Stunden braucht man keine zusätzlichen Nährstoffe."

Fazit: Wer zu wenig schläft oder auch zu viel, arbeitet gegen die eigene innere Uhr. Wer dagegen dem Rhythmus seines unsichtbaren inneren Dirigenten im Schlaf folgt, lebt ausgeglichener, weniger gestresst und viel gesünder.

Autor: Jan Bockholt