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Fibromyalgie / Foto: © iStock, KatarzynaBlalasiewicz

Fibromyalgie äußert sich oft in wandernden Muskelschmerzen. / Foto: © iStock, KatarzynaBlalasiewicz

Chronische Schmerzen

Fibromyalgie – wichtige Symptome und Tests

Ständig Schmerzen ohne erkennbare Ursache – Fibromyalgie wird oft erst nach Jahren diagnostiziert und belastet deshalb auch die Psyche stark. Welche Therapien helfen können.

Wer dauernd über Schmerzen klagt – mal zieht es hier, dann tut es dort weh, kein Schmerzmittel wirkt – wird von seinen Mitmenschen oft nicht mehr ganz ernst genommen und als Hypochonder abgetan. Der Fall tritt vor allem dann ein, wenn der Arzt keine Ursache für die chronischen Schmerzen finden kann. Dann sprechen Mediziner von Fibromyalgie, was so viel bedeutet wie Faser-Muskel-Schmerz.

Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen, vor allem Frauen. Weil weder mit Bluttest noch mit Röntgen oder Computertomografie ein Auslöser für die Schmerzen gefunden werden kann, dauert es oft bis zu neun Jahre, bis die Diagnose Fibromyalgie gestellt wird. Geläufig ist auch der Begriff Fibromyalgiesyndrom (FMS), weil sehr unterschiedliche Symptome entstehen können und vermutlich mehrere Ursachen eine Rolle spielen.

Fibromyalgie – Symptome reichen von Rückenschmerzen bis Schwindel

Über 100 verschiedene Symptome sind bekannt. Auch deshalb ist die Krankheit so schwer zu erkennen – noch dazu, weil viele der Anzeichen auch bei anderen Krankheiten auftreten, etwa Rheuma.

Die häufigsten Symptome bei Fibromyalgie sind:

• wechselnde, dumpfe bis brennende Schmerzen im Rücken, Nacken, Brustkorb und an den den Gelenke der Arme, Hände, Füße. Typisch für Fibromyalgie: Die Schmerzen treten gelenknah auf.
• schmerzhafte Muskelverspannungen
• Gliederschmerzen, ähnlich wie bei Beginn einer Grippe
• Muskelschmerzen, die einem Muskelkater ähneln
• Morgensteifigkeit
• Müdigkeit
• Erschöpfung
• Schlafstörungen
• Schwindel
• Magen-Darm-Beschwerden
• Kloßgefühl im Hals
• Vermehrtes Kälteempfinden
• Kopfschmerzen
• Konzentrationsprobleme
• Taubheitsgefühle in Armen und Beinen
• Herzrhythmusstörungen
• Nervosität
• Antriebsmangel
• depressive Verstimmung

Testverfahren und Diagnose der Krankheit

Labor- und Röntgenuntersuchung sind bei Fibromyalgie unauffällig: Es gibt keine Parameter im Blut, die auf das Syndrom hinweisen und auch auf dem Röntgenbild sind keine sichtbaren Veränderungen der Muskeln, des Bindegewebes, der Faszien oder der Gelenke und Knochen erkennbar.
Trotzdem sind diese Untersuchungen sinnvoll, weil durch sie andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden können (Ausschlussdiagnostik). Dazu gehören etwa

• Arthrose und Arthritis
• rheumatische Erkrankungen
• Osteoporose
• Morbus Bechterew
• Schilddrüsenfunktionsstörungen

Schmerzskizze und Tender Points für die Diagnose der Fibromyalgie

Wichtig für die Diagnose sind zwei weitere Faktoren:
Eine ausführliche Anamnese, wobei der Patient die Art und Dauer der Beschwerden beschreibt. Dabei füllt er auch eine so genannte Schmerzskizze aus, in der festgehalten wird, in welchen Körperteilen die Schmerzen in welcher Intensität auftreten.
Ein Fibromyalgietest mit Überprüfung der "Tender Points". Das sind bestimmte, druckempfindliche Hautpunkte. Im Zusammenhang mit Fibromyalgie haben Ärzte 18 Tender Points identifiziert, die sich an den Ansätzen von Muskeln und Sehnen befinden. Diese drückt der Arzt beim Fibromyalgietest mit einem speziellen Gerät.

Die Amerikanische Gesellschaft für Rheumatologie (ACR) ist jedoch inzwischen von der Bewertung der Tender Points wieder abgekommen. Denn die Druckpunkte variieren von Mensch zu Mensch oft stark und können deshalb nicht eindeutig festgelegt werden.

Andauernde Schmerzen bei Fibromyalgie

Von FMS sprechen Mediziner dann, wenn ...
• Dauer- und Ruheschmerzen in mehr als drei Körperbereichen über drei Monate hinweg anhalten
• Müdigkeit- und Erschöpfungsneigung auftreten
• Die Mehrzahl der Tender Points druckempfindlich ist

Den Ursachen auf der Spur

Nicht eindeutig geklärt trifft auch zu, wenn es um die Ursachen des Fibromyalgiesyndroms geht. Zahlreiche Faktoren könnten eine Rolle spielen, etwa

• genetische Bereitschaft, allerdings gibt es nach heutigem Stand der Wissenschaft kein Fibromyalgie-Gen
• Triggerfaktoren können andere Krankheiten sein, etwa Wirbelsäulenprobleme, Verletzungen, Depression und Stress
• Ungleichgewicht im Gehirnstoffwechsel (Serotonin)
• hormonelle Störungen
• Veränderungen im Immunsystem

Vermutlich kommt auch eine gestörte Schmerzverarbeitung zum Tragen. Hier haben Forscher in den letzten Jahren interessante Details herausgefunden. So deuten Studien von Ärzten der Universitätsklinik Hamburg-Eppenheim und der Universität Würzburg darauf hin, dass bestimmte Nervenfasern (C-Fasern) bei Fibromyalgiepatienten reduziert sind.

Nervenschädigung als mögliche Ursache der Fibromyalgie

Eigentlich müsste dieser Mangel zu Schmerzunempfindlichkeit führen, doch das Gegenteil ist der Fall. Für dieses Phänomen gibt es vorerst nur Hypothesen. So sind vielleicht die feinen Nervenfasern vor ihrem Absterben überaktiv und reagieren deshalb auf Reize besonders empfindlich.

Der Beweis, dass die Ursache der Fibromyalgie eine nachweisbare Nervenschädigung ist, würde endlich Wege zu einer zielgerichteten Therapie weisen. Nicht zuletzt für die Betroffenen wäre es wichtig zu wissen, dass ihr Leiden durch eine nachweisbare Veränderung an Nervenfasern ausgelöst wird – und keine „Einbildung“ ist, als was Fibromyalgie oft abgetan wird.

Therapie sollte multimodal sein

Doch bis weitere Studien diese Erkenntnisse bestätigt haben und die Ursache für das Absterben der C-Fasern und Maßnahmen dagegen gefunden wurden, heißt es immer noch: Fibromyalgie ist nicht heilbar, aber behandelbar.

Je nach Schweregrad gibt es dabei mehrere Behandlungsoptionen. Leichte Fibromyalgie lässt sich oft mit körperlicher und psychosozialer Aktivierung in den Griff bekommen.

Bei ausgeprägterem FMS schlagen Ärzte eine multimodale Therapie vor. Multimodal meint mindestens eine Methode, die körperlich aktiviert sowie zusätzlich mindestens ein psychotherapeutisches Verfahren. Die Empfehlungen der Schmerz- und Rheumaspezialisten:

• Ausdauertraining zwei- bis dreimal pro Woche für 30 Minuten, etwa Walking, flottes Spazierengehen, Fahrradfahren oder Tanzen. Wichtig ist, dass die Bewegungsform Spaß macht und sich der Patient nicht dazu zwingen muss.
• Funktionstraining, ebenfalls zwei- bis dreimal pro Woche, dabei Gymnastik oder Wassergymnastik
• Entspannungsverfahren wie etwa progressive Muskelentspannung nach Jacobson
• Kognitive Verhaltenstherapie, um zu lernen, mit Schmerz und Stress besser umzugehen
• Meditative Bewegungstherapien wie Yoga, Tai Chi, Qi Gong

Für die medikamentöse Therapie empfehlen die aktuellen Leitlinien bestimmte Antidepressiva wie
• Amitriptylin
• Duloxetin

Die Wirkstoffe hellen die Stimmung auf, lindern die Schmerzen, führen zu besserer Schlafqualität und entspannen die Muskeln. Gegen Fibromyalgie wird die Dosis jedoch niedriger angesetzt als bei einer Depression. Oft ist es unter der Therapie mit diesen Medikamenten den Patienten wieder möglich problemlos arbeiten zu gehen.

Schmerzmittel und Kortison helfen bei Fibromyalgie meist nicht

Andere Medikamente, von denen sich die Patienten eine Linderung ihrer Beschwerden erhoffen, wirken bei FMS jedoch häufig kaum oder gar nicht. Dazu zählen gängige Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Kortison und Muskelrelaxantien.

Eine Erklärung dafür könnte unter anderem sein, dass es sich bei Fibromyalgie um keine Entzündung handelt.

Auch Massagen, sonst bei Muskelproblemen als besonders wohltuend eingeschätzt, können bei Fibromyalgie das Gegenteil bewirken und die Beschwerden verstärken. Ursache ist die erhöhte Reizempfindlichkeit des Körpers.

Fibromyalgie mit alternativen Heilmethoden lindern

Bei manchen Patienten wirken alternative Therapien wie beispielsweise:
• Kältetherapie
• Wärmeanwendungen
• Lymphdrainage
• Akupunktur
• Homöopathie

Dabei ist Eigeninitiative des Patienten gefordert, weil die Methoden ausprobiert werden müssen und die individuelle Wirkung nicht sicher ist.

Fibromyalgie und Ernährung

Bestimmte Ernährungsmodelle können dabei helfen, eine vermutliche Ursache der Fibromyalgie, die Störung des Serotoninstoffwechsels im Gehirn, auszugleichen.

Dazu empfiehlt die Deutsche Fibromyalgie Vereinigung (DFV), Kaffee, Alkohol und Schokolade nicht im Übermaß zu konsumieren. Frisches Gemüse und Obst sollten dagegen täglich auf den Tisch kommen. Der weitgehende Verzicht auf Fleisch und Wurst kann sich zusätzlich positiv auswirken.

Lebensmittel, die reich an Tryptophan (5-HTP), einer Vorstufe des Botenstoffs Serotonin sind, sind ebenfalls sinnvoll. Dazu gehören etwa Haferflocken, Nüsse, Soja und Käse.

Wie hoch sind die Heilungschancen?

Fibromyalgie kann nicht geheilt werden. Wird die Krankheit jedoch frühzeitig erkannt und behandelt, besteht die Chance, dass sich bei jedem zweiten Patienten die Symptome mit der Zeit verlieren.

Die Amerikanische Gesellschaft für Rheumatologie (ACR) gibt Patienten mit Fibromyalgie folgenden Rat: „Sehen Sie nach vorne und nicht zurück. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie tun können, damit es Ihnen besser geht und nicht auf das, was Ihre Krankheit wohl ausgelöst hat.“

Quellen: Deutsche Fibromyalgie Vereinigung; Deutsche Schmerzgesellschaft; Bundesverband Deutscher Rheumatologen; Bundesverband deutscher Internisten; Leitlinie Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms; Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Schmerztherapie; American College of Rheumatology

Autor: Monika Preuk