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Saunagänge trainieren das Immunsystem.

Saunagänge: Der Wechsel zwischen hohen Temperaturen um 60 bis 80 Grad Celsius und dem anschließenden Kälteguss trainiert das Immunsystem. - Foto © picture-alliance / beyond/beyond

Pro und Kontra von Entschlackung

Entgiften

Wie gut ist eine Entschlackung für den Körper eigentlich wirklich? Eine Heilpraktikerin und ein Arzt über Pro und Kontra von Entgiftung.

Beim Auto ist der Fall klar: Je nach Motor braucht es den richtigen Sprit, ab und zu einen neuen Ölfilter und eine Inspektion. Aber ist das auch bei unserem Körper so? Verdrecken und verrußen wir ebenfalls, wenn wir das Falsche essen oder einen ungesunden Lebensstil pflegen? Es scheint fast so. Denn überall werden Entgiftungsmittel oder -kuren angeboten.

Entschlackung Körper

Ingwertee unterstützt die Entwässerung des Körpers und dadurch auch den Stoffwechsel. - Foto © picture alliance / WILDLIFE

Mal laufen sie klassisch unter Entschlackung oder Reinigung, immer öfter wird aber der englische Begriff "Detox" verwendet. Im Supermarkt versprechen eine Vielzahl von Entschlackungstees innere Reinigung, im Reformhaus stehen ganze Regale voller Pulver, Kapseln, Gels aus Algen, Steinen oder Pflanzenteilen, die den Körper von innen sauber putzen sollen.

Und auch im Urlaub geht nichts mehr ohne: Beim Fastenurlaub locken die Anbieter mit einem ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt. Während der Ayurvedakur wird nach deren Auffassung die körperliche Konstitution ausgeglichen, und in der Traditionellen Chinesischen Medizin soll das Qi, die Lebenskraft, wieder richtig durch die Meridiane fließen. Während Heilpraktiker wie Gunda Fitschen in Hamburg mit genau diesen Begriffen und Techniken arbeiten, sind Schulmediziner wie Dr. Matthias Kraft, Chefarzt am Diakoniekrankenhaus in Rotenburg an der Wümme, eher skeptisch. Lesen Sie, welche Argumente die beiden dafür oder dagegen haben.


Pro Entgiften: Heilpraktikerin Gunda Fitschen exklusiv in HÖRZU

Was halten Sie vom Entgiften?

Je älter man wird, desto wichtiger ist es, den Körper zu unterstützen. Da helfen gesunde Ernährung und Bewegung schon viel. Ich empfehle meinen Patienten regelmäßige Kurtage. An drei Tagen im Monat sollte morgens Apfel-Möhren-Saft mit etwas Leinöl schluckweise getrunken werden. Mittags rate ich zu Obst oder Salaten der Saison und abends zu Reis mit Gemüse. Weitere Entgiftungstherapien wie eine Sauerstofftherapie in der Praxis können nach individueller Beratung hinzukommen. Die Kosten für eine Erstuntersuchung liegen bei mir bei 160 Euro.

Gibt es Schlacken?

Auf jeden Fall! Rauchen, Umweltgifte, Entgleisungen des Stoffwechsels, ein gestörter Säuren-Basen-Haushalt: All das kann zu Schlacken im Körper führen. Ein gesunder, junger Körper entgiftet automatisch. Aber verschiedene biochemische Faktoren und das Alter führen dazu, dass Gifte im Körpergewebe oder in Organen abgelagert werden können. Ein Tumor kann aus einer alten Schlacke entstehen. Das ist ein langfristiger Prozess.

Was hilft, gesund zu bleiben?

Zunächst: Jeder kann eine Menge selbst tun! Regelmäßige Bewegung und eine gemüsereiche Ernährung sind wichtig. Entspannungsmethoden wie Yoga, Qigong und Tai-Chi empfehle ich ebenso wie Stressvermeidung. Abends sollte man einen Lebertee zum Beispiel mit Mariendistel, Süßholz oder Brennnessel trinken. Fußbäder mit Salz – man nimmt drei Esslöffel auf zehn Liter – entgiften den Körper über die Fußreflexzonen.


Kontra Entgiften: Internist Dr. Matthias Kraft exklusiv in HÖRZU

Was halten Sie vom Entgiften?

An erster Stelle sollte bei Beschwerden, die als Anlass für eine Entgiftungskur genommen werden, eine gründliche medizinische Untersuchung stehen. Denn Symptome wie Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme können Anzeichen einer lebensbedrohlichen Erkrankung und von Tumoren sein. So etwas muss vorher abgeklärt werden. Bei vielen zur "Ausleitung" angebotenen Pülverchen und Mitteln muss kritisch geprüft werden, welche Kosten damit verbunden sind. Oft beginnt eine Therapie mit niedrigen Kosten, die dann stark steigen.

Gibt es Schlacken?

Für Mediziner ist dieser Begriff viel zu vage. Man könnte Laktat als Schlacke bezeichnen, aber das, was ich im Labor finde, ist nicht vergleichbar mit dem, was viele Naturheilkundler darunter verstehen. Das Gleiche gilt für den Säure-Basen-Haushalt. Wenn der wirklich messbar verschoben ist, handelt es sich meist um einen Notfallpatienten, der intensivmedizinisch behandelt werden muss. Dennoch können traditionelle komplementäre Methoden zur Unterstützung bei akuten und chronischen Erkrankungen eingesetzt werden. Das gilt für die Traditionelle Chinesische Medizin einschließlich Akupunktur, Ayurveda und die Therapie mit Heilpflanzen.

Was hilft, gesund zu bleiben?

Eine Ernährungsumstellung gepaart mit vermehrter Bewegung und bewusstem Leben kann die gleichen nachhaltigen Ergebnisse erzielen wie sogenannte Ausleitungs- oder Entschlackungskuren.


Auch das bringt Körper und Geist in Schwung

1. Entlastungstage
Wer einen Tag pro Woche Gemüsesuppen isst, entlastet Magen, Darm und Leber. Langfristig macht sich der Verzicht auch auf der Waage bemerkbar.

2. Tee trinken
Tees gehören in Mitteleuropa seit Jahrhunderten zu den traditionellen Heilmethoden. Wirkstoffe wie etwa Brennnesselblätter, Mariendistel, Hafer und Ingwer unterstützen die Entwässerung des Körpers und dadurch auch den Stoffwechsel.

3. Saunagänge
Der Wechsel zwischen hohen Temperaturen um 60 bis 80 Grad Celsius und dem anschließenden Kälteguss trainiert das Immunsystem, die Gefäße und hält zudem die Muskulatur geschmeidig, da das Schwitzen die Durchblutung anregt.

4. Entgiftungspflaster
Oft werden sie auch als Vitalpflaster bezeichnet und enthalten Baumessig sowie andere Wirkstoffe wie etwa Turmalin. Sie werden über Nacht für 8 bis 12 Stunden auf die Fußsohlen geklebt. Zellgifte sollen so extrahiert und gebunden werden. Ein Pflaster kostet je nach Qualität und Anbieter ab circa 2,90 Euro.

5. Bewegung
Sport oder Spaziergänge unterstützen den Stoffwechsel, halten die Gefäße elastisch, stärken die Haltemuskulatur und beugen sogar Depressionen vor.

Autor: Esther Langmaack