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Zähneputzen direkt nach dem Essen kann den Zahnschmelz angreifen.

Zähneputzen direkt nach dem Essen kann den Zahnschmelz angreifen. Darum sollte man eine halbe Stunde warten. / Foto: © picture alliance/chromorange

Aufgedeckt: häufige Irrtümer

Die Wahrheit über Gesundheitsmythen

Schummerlicht verdirbt die Augen, Spinat enthält viel Eisen, Kaffee entwässert den Körper – nirgends kursieren so viele Mythen wie im Gesundheitsbereich. Mal stammt der Irrglaube noch aus Omas Zeiten, mal beruht er auf einem Rechenfehler, mal auf einer falsch interpretierten Studie. Das Fatale: Viele dieser Irrtümer halten sich hartnäckig – trotz neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse.

"Wenn es um ernste Erkrankungen geht, können solche Mythen sogar gefährlich werden", warnt Prof. Christoph M. Bamberger, Direktor des Medizinischen Präventions-Centrums Hamburg (MPCH). Der Mediziner beklagt etwa das weit verbreitete Vorurteil gegen eine böse, chemische Schulmedizin, der die sanfte, schonende Naturheilkunde gegenübersteht: "Dieser Irrglaube kann bei Krebserkrankungen schlimme Folgen haben!"

Überhaupt sei jede Art von Pauschalisierung in der Medizin fehl am Platz. Schließlich müsse jeder Patient so individuell wie möglich behandelt werden. "Dabei stellt man das Gleiche fest wie bei vielen Medizinmythen: Was für den einen gilt, muss für den anderen noch lange nicht richtig sein." Wir stellen 15 der geläufigsten Gesundheitsirrtümer vor und erklären, warum sie nicht stimmen.

1. Die meiste Körperwärme geht über den Kopf verloren.
Ein Mythos, der sich hartnäckig hält und vermutlich auf eine US-Studie zu Kälteschutzkleidung zurückgeht. Tatsächlich verloren die Probanden am meisten Wärme über den Kopf – aber nur, weil dieser als einziger Körperteil ungeschützt war. Als Faustregel gilt: Über den Kopf verlieren wir maximal zehn Prozent der Körperwärme. Wären es mehr, müssten Menschen ohne Kopfbedeckung genauso frieren, als würden sie überhaupt keine Hose oder keinen Pullover tragen.

2. Gegen Cellulite kann man vorbeugen.
Schön wär’s! Doch verhüten lässt sich der Schönheitsmakel leider nicht. Ursache für die unschönen Dellen ist die dehnbare Struktur des weiblichen Bindegewebes, bei dem einzelne Fettzellen noppenartig hervorquellen können. Wie stark sich die Orangenhaut entwickelt, hängt hauptsächlich von den Genen und nicht vom Gewicht ab. 80 Prozent aller Frauen entwickeln Cellulite – auch schlanke. Bei dickeren Menschen sind die Dellen allerdings deutlicher sichtbar.

3. Gerade zu sitzen ist das Beste für den Rücken.
"Alles, was die Rückenmuskulatur stärkt, ist grundsätzlich gut", sagt Experte Bamberger. "Wirksamer als aufrechtes Sitzen sind aber gezielte gymnastische Übungen." Außerdem sollten alle Muskelgruppen des Rückens belastet werden. Wer immer stocksteif dasitzt, riskiert Verspannungen. Experten empfehlen daher ein dynamisches Sitzen, bei dem man seine Sitzposition möglichst oft verändert. Damit bleibt nämlich auch die Wirbelsäule permanent in Bewegung – die beste Voraussetzung für gesunde Bandscheiben.

4. Zucker macht Kinder hyperaktiv.
Entwarnung für besorgte Eltern: Mehrere Doppelblindstudien lieferten keinerlei Hinweise darauf, dass Kinder, die viele Süßigkeiten essen, zappeliger sind als andere. Ein Nebenresultat der Untersuchungen könnte erklären, wie der Mythos überhaupt entstand: Glaubten Eltern, dass ihr Kind Zucker gegessen habe, bewerteten viele das Verhalten der Sprösslinge automatisch als unruhiger.

5. Vitamin C schützt vor Erkältungen.
Eine Annahme, die Wissenschaftler seit Jahrzehnten mit immer neuen Studien mal bestätigen, mal widerlegen. "Vitamin C beugt Erkältungen nicht vor, verkürzt aber deren Dauer", fasst Mediziner Bamberger die aktuellen Erkenntnisse zusammen. Er empfiehlt, bei den ersten Anzeichen eines grippalen Infekts 200 mg Vitamin C pro Tag zuzuführen – sei es per Tablette oder durch Obst- und Gemüsekonsum. Ist die Erkältung überstanden, genügt der normale Tagesbedarf von circa 100 mg.

6. Fingerknacken führt zu Arthritis.
Keine Gefahr! Wer seine Finger durch Ziehen oder Drücken ständig überdehnt, nervt zwar seine Mitmenschen durch das Knacken, handelt sich aber keine Arthritis ein. US-Mediziner Donald L. Unger probierte es am eigenen Leib aus: 50 Jahre lang knackte er zweimal täglich nur mit den Fingern der linken Hand. Arthritis bekam er weder links noch rechts – dafür aber 2009 den Ig-Nobelpreis für besonders unnütze oder skurrile wissenschaftliche Arbeiten.

Autor: Judith Heisig