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Neue Therapien geben unserem Zentralorgan wieder Schwung

Neue Therapien geben unserem Zentralorgan wieder Schwung – und vielen neue Hoffnung. - Foto © NDR/Ute Jurkovics

Neue Therapien

Der beste Schutz fürs Herz

Das Herz ist der Taktgeber des Lebens – unser wohl belastbarstes, aber auch sensibelstes Organ. Eine ungesunde Lebensweise schädigtes, mit den Jahren verschleißt es. Ist seine Funktion beeinträchtigt, droht früher oder später Lebensgefahr. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in den Industrieländern dieTodesursache Nummer eins. Die Medizin hält jedoch dagegen: Modernste Materialien und Technologien ermöglichen bahnbrechende Entwicklungen, die bald vielen Herzkranken das Leben retten könnten.

So haben US-Forscher kürzlich ein experimentelles Verfahren entwickelt, um ein passgenaues Sensornetz für das Herz herzustellen. Nach MRT-Bildern des Patienten wird dabei per 3-D-Druck ein individuelles Herzmodell erstellt. Dieses überzieht man dann mit einer bioverträglichen Silikonhülle, die mit Sensoren bestückt ist. Die Zukunftsvision: In den Körper eingepflanzt, soll das Hightechimplantat wichtige Herzdatenmessen und zugleich als Schrittmacher oder Defibrillator fungieren.

"Die Idee mit den Multielektroden gibt es seit Jahren", sagt Prof. Roland Hetzer, der ärztliche Direktor des Herzzentrums Berlin. "Die Frage ist, wie viel ein solch aufwendiges Implantat dem Patienten nützt."

Nahziel: Kunstherz ohne Kabel

Deutlich zukunftsnäher scheint da ein langerwarteter Meilenstein der Herzmedizin. "Innerhalb der nächsten fünf Jahre wird es ein implantierbares Kunstherz geben, das ohne Bauchkabel auskommt", prognostiziert Hetzer. Denn ob mechanische Pumpe, die das kranke Organ unterstützt, oder komplettes Kunstherz – die Energieversorgung und Steuerung erfolgt bislang über ein Kabel, das aus dem Bauch des Patienten führt und ein hohes Infektionsrisiko birgt.

Mögliche Alternativen sind die Stromversorgung über elektromagnetische Induktionoder über eine Steckerverbindung im Schädel, die weniger infektionsgefährdet ist. Die perfekte Lösung wäre ein Kunstherz, das keinerlei Kabel nach draußen benötigtund seine Pumpleistung an die Körperbelastung des Patienten anpassen kann. Weitere Fortschritte prognostiziert Experte Hetzer zudem bei den OP-Verfahren: "Die Hybridtechnik erlaubt immer schonendere und sicherere Eingriffe." Gemeint ist die Verbindung von kardiologischem Labor mit modernster Röntgendiagnostik und herzchirurgischem OP-Saal.

Künstliche Herzklappen können hier inzwischen mithilfe eines Katheters eingesetzt werden, ohne dafür den Brustkorb öffnen zu müssen. Davon profitieren vor allem Ältere und Hochrisikopatienten. "Derzeit eignet sich das Verfahren nur für Aortenklappen, doch sicher wird es bald auch Mitralklappen aus geeignetem Material geben", so Hetzer. Neue Materialien könnten auch die Stenttherapie revolutionieren. Die per Katheter eingesetzten winzigen Drahtgitter dehnen verengte Gefäße, bergen aber die latente Gefahr von Blutgerinnseln und sind in vielen Fällen nicht dauerhaft nötig. Neuartige Biostents aus Milchsäure dagegen lösen sich innerhalb von zwei Jahren auf. Langzeitstudien stehen allerdings noch aus.

Was in Zukunft möglich wird

Einen gänzlich anderen Ansatz in der Herzmedizin verfolgt die Stammzelltherapie. Forschern ist es inzwischen gelungen, aus menschlichen Stammzellen künstliches Herzgewebe zu züchten, das in der Petrischale selbstständig schlägt. Ein Fernziel dieser Experimente ist das sogenannte Herzpflaster – künstlich und individualisiert geschaffenes Herzgewebe, das wie ein passgenaues Pflaster auf geschädigte Herzpartien aufgebracht wird. Patienten mit Herzinsuffizienz könnten damit behandelt werden – etwa nach einem Infarkt oder bei schädlichem Bluthochdruck. Auch die Gentherapie setzt auf Regenerationdes Herzens, allerdings von innen.

Spezielle Gene, die positiv auf die Funktionder Herzmuskelzellen wirken, werden dabei an harmlose Viren gekoppelt. Per Katheter werden diese als Fähre fungierenden Viren dann in die Koronargefäße injiziert und gelangen von dort aus ins Herzgewebe.Trotz erster klinischer Studien in den USA und bald auch in Deutschland ist eine breite Anwendung derzeit noch nicht absehbar. "Stammzell- und Gentherapie sind zukunftsweisende Ansätze", sagt Prof. Hetzer. "Doch bis zur Klinikreife dürften noch Jahrzehnte vergehen."

Autor: Judith Heisig