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Tinnitus

Mit neuen Therapien wollen Forscher die lästigen Ohrgeräusche verstummen lassen. Woher der Tonterror kommt, was ihn stoppt. - Foto: Christopher Furlong/Getty Images

Neue Therapien

Das hilft bei Tinnitus

Für die einen klingt es wie das Zirpen von Grillen, für andere wie ein Flugzeug, das direkt neben ihnen startet. Tinnitus hat viele Erscheinungsformen: Es piept im Ohr, pfeift, rauscht, summt brummt oder dröhnt. Ohne Unterlass. Das macht die Ohrgeräusche so quälend.

Fast 20 Millionen Deutsche haben den "Terror im Ohr" schon einmal erlebt – das schätzt die Deutsche Tinnitus-Liga. Zum Glück tritt er meist nur vorübergehend auf. Bei fast drei Millionen Betroffenen aber wird er chronisch und bleibt ein Leben lang bestehen. Etwa die Hälfte von ihnen lernt, mit dem Ohrgeräusch umzugehen – man spricht dann von einem kompensierten Tinnitus (Grad I bis II). Allen anderen raubt das Pfeifkonzert tagsüber den Nerv und nachts den Schlaf. Dieser dekompensierte Tinnitus (Grad III bis IV) beeinträchtigt das Leben der Betroffenen massiv. Bis zu zwei Prozent der Patienten können nicht mehr arbeiten und hegen sogar Suizidgedanken.

Erfindung des Gehirns

Das akustische Störfeuer entsteht in der Schnecke im Innenohr. Forscher vermuten, dass Tinnitus mehr oder weniger eine "Erfindung des Gehirns" ist – infolge kleinster Verletzungen der feinen Sinneshärchen. Haben diese durch Lärm, Mittelohrkrankheiten oder Hörsturz Schaden genommen, werden nicht mehr alle Töne verarbeitet. Unser Gehirn ersetzt sie dann durch "eigene Geräusche".

Tinnitus kann auch durch Störungen anderer Organe ausgelöst werden, etwa des Herz-Kreislauf-Systems oder der Halswirbelsäule. Schuld ist zudem oft zu großer Druck im Alltag: Unter Einfluss des Stresshormons Adrenalin können kleinste Gefäße im Ohr verkrampfen. Die Folge: ein Hörsturz, der Tinnitus auslösen kann. Dauern die Beschwerden bis zu drei Monate an, spricht man von akutem Tinnitus. Tritt er auf, gilt es, keine Zeit zu verlieren: "Ohrgeräusche sind ein medizinischer Eilfall“, warnt Prof. Matthias Tisch, Leiter der Poliklinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Bundeswehrkrankenhaus Ulm: "Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Heilungschancen!"

Eingesetzt werden entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Injektionen, Infusionen und Tabletten. "Ein wichtiger Therapiebaustein ist es dabei, die Fließfähigkeit des Blutes zu verbessern", ergänzt Prof. Tisch. Bewährt hat sich hier der natürliche Wirkstoff aus den Blättern des Ginkgobaumes (z. B. "Tebonin", Apotheke). "Der Pflanzenextrakt Ginkgo biloba EGb 761 macht rote Blutkörperchen elastischer und fördert dadurch die Durchblutung kleinster Gefäße", erklärt der HNO-Experte.

Musik gegen Tonterror

Dauern die Ohrgeräusche länger als drei Monate an, spricht man von chronischem Tinnitus. Dann kann nicht mehr mit einer kompletten Heilung gerechnet werden. Aber auch hier ist die Forschung ein großes Stück vorangekommen, etwa mit der Tinnitus- Retraining-Therapie. Die Basis bilden hier Aufklärung und Beratung, dann folgen psychotherapeutische Ansätze und Entspannungstechniken. Große Erfolge werden auch mit speziellen "Noisern" erzielt, kleinen Geräten, die angenehme Geräusche erzeugen, etwa das leise Plätschern eines Baches. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit des Patienten vom störenden Dröhnen auf positive Wahrnehmungen zu lenken. Im besten Fall lernt das Gehirn so, die negative Geräuschkulisse zu „überhören".

Auch individuelle Musiktherapien werden derzeit erprobt. Eine Studie zeigt, dass gefilterte Musik, die keine der Tinnitus-Frequenzen mehr enthält, die Intensität der Ohrgeräusche um durchschnittlich 25 Prozent reduzieren kann.


Terror im Ohr: So entsteht Tinnitus

Was wir als Geräusch oder Ton wahrnehmen, entsteht durch Schwingungen in der Luft. Druckwellen werden über den Gehörgang und das Trommelfell mit Hammer, Amboss und Steigbügel ins Innenohr geleitet. In der Schnecke beginnt dann die Umwandlung in elektrische Impulse, die an die Fasern des Gehörnervs weitergegeben werden. Sind die Sinneshaarzellen in der Schnecke aber geschädigt, können nicht mehr alle Töne weitergeleitet werden. Das Gehirn registriert den Ausfall und versucht, ihn auch durch „eigene Geräusche“ zu kompensieren: Tinnitus entsteht

Autor: S. Junghans-Knoll