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Die Ansteckung mit Chlamydien erfolgt vor allem bei ungeschütztem Sex.

Die Ansteckung mit Chlamydien erfolgt vor allem bei ungeschütztem Sex. Foto © iStock/shironosov

Unterschätzte Geschlechtskrankheit

Chlamydien – auch ohne Symptome ansteckend

Die Symptome werden oft übersehen, doch Chlamydien sind die häufigste Geschlechtskrankheit und können unfruchtbar machen.

Chlamydien sind tückisch. Denn die ansteckende Krankheit, die vor allem beim Sex übertragen wird, verläuft oft unauffällig oder gänzlich ohne Symptome. Dann können die Infizierten ohne ihr Wissen andere mit Chlamydien anstecken. Die Anzeichen einer Chlamydieninfektion sind bei Mann und Frau etwas unterschiedlich, können leicht oder ausgeprägt auftreten.

Chlamydien – Symptome bei der Frau

Nur etwa jede fünfte Frau bemerkt überhaupt, dass sie sich mit Chlamydien angesteckt hat. Folgende Symptome sind möglich:

• Juckreiz der äußeren Genitalien und der Scheide
• gelblicher Ausfluss, der klebrig ist
• Unterbauchschmerzen
• Brennen beim Wasserlassen
• Zwischenblutungen
• Kontaktblutungen (Blutungen beim Geschlechtsverkehr)

Chlamydien – Symptome beim Mann

Von den Männern verzeichnet rund die Hälfte Symptome bei einer Chlamydieninfektion. Dazu gehören

• Haut der Penisspitze ist gerötet und gereizt
• gelblich-klebriger Ausfluss
• Hodenschmerzen
• Hoden sind leicht geschwollen
• Harnleiterentzündung mit Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen
• Lymphknoten in der Leiste sind etwas geschwollen und druckempfindlich

Je nach Sexualpraktik kann auch der Rachen gereizt sein, etwa nach Oralverkehr mit einem Infizierten.

Die Ansteckungszeit (Inkubationszeit) beträgt ein bis drei Wochen.

Chlamydien – Unfruchtbarkeit, Arthritis und Bindehautentzündung drohen


Foto © iStock

Doch egal, ob eine Chlamydieninfektion symptomlos oder mit Beschwerden verläuft – sie kann bleibende Folgen nach sich ziehen. Chlamydien können bei Frauen die Eileiter entzünden, das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft erhöhen und zu Unfruchtbarkeit führen. Die Bakterien sind bei rund einem Fünftel der Frauen in Deutschland, die unfruchtbar sind, die Ursache für die ungewollte Kinderlosigkeit.

Bei Männern können Chlamydien eine Hodenentzündung auslösen. Dabei besteht ebenfalls das Risiko, unfruchtbar zu werden.

Außerdem können in Folge einer Infektion mit Chlamydien (reaktive) Arthritis und Bindehautentzündung auftreten.

Warum Chlamydien unfruchtbar machen

Ursache für diese Folgeschäden: Die Krankheitserreger dringen in die Schleimhautzellen ein, setzen sich dort wie Parasiten fest und zapfen den Stoffwechsel der menschlichen Zellen an.

Das Immunsystem wehrt sich gegen die Eindringlinge mit einer massiven Entzündung. Im Rahmen dieser Entzündung, die auch gesundes Gewebe miteinbezieht, entstehen Narben. Diese Narben führen zu Schäden in Eileitern und Hoden, die wiederum Unfruchtbarkeit nach sich ziehen.

Chlamydien, die häufigste Geschlechtskrankheit

Rund 300.000 Neuerkrankungen pro Jahr gibt es in Deutschland, so der Berufsverband der Frauenärzte und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Exakte Zahlen existieren jedoch nicht, weil die Chlamyideninfektion nicht meldepflichtig ist.

Dabei sind Chlamydieninfektionen mit 131 Millionen Infizierten die weltweit häufigste sexuell übertragbare Erkrankung (STI) laut einer aktuellen Mitteilung der WHO.

Was sind Chlamydien?

Chlamydien sind Bakterien. Der Oberbegriff bezeichnet eine Bakterienfamilie mit mehreren Untergruppen (Serotypen). Die für die Geschlechtskrankheit verantwortliche Form heißt Chlamydia trachomatis. Bestimmte Serotypen von Chlamydia trachomatis können aber auch Bindehautentzündung auslösen.

Auch andere Chlamydienarten sind Krankheitserreger, wie etwa Chlamydia pneumoniae. Diese Bakterien verursachen eine Lungenentzündung und werden per Tröpfcheninfektion übertragen.

Chlamydia psittaci kann von Vögeln auf den Menschen übertragen werden und ist Auslöser der "Papageienkrankheit", die eine Lungenentzündung zur Folge hat. Die von Tier auf Mensch übertragbare Krankheit (Zoonose) ist jedoch sehr selten.

Chlamydien-Übertragung – so ansteckend sind die Bakterien

Das höchste Ansteckungsrisiko mit Chlamydia trachomatis besteht bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem Infizierten. Was dabei passiert: Übertragen wird das Bakterium durch den direkten Kontakt zwischen Schleimhaut und Schleimhaut oder infektiösen Körperflüssigkeiten und der Schleimhaut.

Bei einer Chlamydieninfektion sind die Schleimhäute von Scheide, Harnröhre und Enddarm mit den Erregern besiedelt. Zusätzlich sind Körperflüssigkeiten infektiös, wie

• Sperma
• Lusttropfen
• Vaginalsekret
• Urin

Hautübertragungswege sind demnach:

• Vaginalverkehr ohne Kondom
• Analverkehr ohne Kondom
• Oralverkehr
• gemeinsam benutztes Sexspielzeug (vor dem Wechsel nicht gereinigt oder ohne Kondom)

So gelangen Chlamydien ins Auge

Wenn sich an den Händen infizierte Körperflüssigkeit befindet und dann mit den Fingern an den Augen gerieben wird, können die Chlamydien die Bindehaut der Augen infizieren.

Auch eine Infektion über das Wasser im Schwimmbad ist in seltenen Fällen möglich – etwa wenn unzureichend gechlort wurde. Die Bakterien aus dem Wasser gelangen ans Auge und könnten dort eine Bindehautentzündung (Schwimmbadkonjunktivitis) auslösen. Die Genitalien werden jedoch nicht übers Schwimmwasser infiziert.

Bindehautentzündung durch Chlamydien droht übrigens auch, wenn Sperma von einem Infizierten, etwa während des Oralverkehrs, ins Auge gelangt.

Ein besonderes Ansteckungsrisiko besteht während der Geburt: Hat die Mutter eine Chlamydieninfektion, kann sie die Bakterien auf das Baby übertragen. Deshalb wird Frauen, die ein Kind planen, im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge ein Chlamydientest empfohlen.

Chlamydien – der Test


Foto © iStock

Beim geringsten Verdacht sollte die Frau zum Gynäkologen, der Mann zum Urologen gehen und sich untersuchen lassen. Neben der körperlichen Untersuchung sind vor allem verschiedene Tests zum Nachweis der Chlamydien wichtig. Untersucht werden:

• Erststrahlurin (enthält Epithelzellen mit Chlamydien)
• ein Abstrich aus Gebärmutterhals oder Harnröhre, Enddarm oder Rachen.

Der Abstrich wird labortechnisch untersucht. Zwei Testverfahren gelten als besonders sicher:

• NAAT (nucleic acid amplification test) oder Nukleinsäure-Amplifikationstest, der Erbut von Chlamydien aufspürt.
• ELISA (enzyme linked immunosorbent assay), ein Test, der Antikörper gegen Chlamydien aufspürt.

Zusätzlich gibt es Selbsttests, die in der Apotheke und im Internet angeboten werden. Allerdings gelten sie als nicht ganz so sicher wie die hochtechnisierten Laboruntersuchungen, die der Arzt anbietet.

Einmal pro Jahr zahlen die Krankenkassen übrigens für Frauen unter 25 Jahren einen Chlamydientest. Dieses Chlamydienscreening wird jedoch auch anderen Altersgruppen empfohlen, falls sie sexuell sehr aktiv sind und dabei häufig neue Geschlechtspartner haben. Ein Test kostet mindestens 15 Euro.

Chlamydien – Behandlung mit Antibiotika

Ist der Test positiv ausgefallen, sind Antibiotika die Mittel der ersten Wahl. Von den Fachgesellschaften empfohlen werden folgende Wirkstoffe:

• Doxycyclin,
• Makrolide wie Erythromycin, Clarithromycin oder Azithromycin

Die Antibiotika müssen nach Anweisung des Arztes eingenommen werden. In der Regel dauert die Behandlung eine Woche.

Am besten sollte der Partner oder die Partnerin ebenfalls getestet werden und falls nötig ebenfalls medikamentös behandelt werden. Eine Ansteckungsgefahr besteht meist erst eine Woche nach Ende der Antibiotikatherapie nicht mehr. Sicherheitshalber sollte man sich jedoch drei Wochen nach Ende der Einnahme nochmals testen lassen.

Meist heilt eine Chlamydieninfektion unter der Behandlung mit Antibiotika folgenlos aus. Wird die Geschlechtskrankheit jedoch zu spät entdeckt oder nicht behandelt, drohen bleibende Schäden.

Chlamydien vorbeugen

Safer Sex mit Kondom – sowohl für Vaginal-, also auch Oral- und Analverkehr – bietet eine gewisse Sicherheit. Weil Chlamydien jedoch extrem ansteckend sind, ist in manchen Fällen trotzdem eine Infektion möglich. Für alle, die häufig den Partner wechseln, sind deshalb regelmäßige Tests sinnvoll.

Chlamydien – Impfung als Nasenspray?

Bisher gibt es noch keine Chlamydien-Impfung. Einen entscheidenden Schritt weitergekommen sind jetzt jedoch kanadische Forscher. Sie haben ein Impfserum gegen Chlamydien entwickelt. Bestimmte Antigene sollen dabei verhindern, dass sich die Bakterien in den Schleimhäuten einnisten. Der Impfstoff, der übrigens als Nasenspray appliziert wird, trägt bisher die Bezeichnung BD584 und muss noch weiter geprüft werden.

Autor: Monika Preuk