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Zecken können mit ihrem Biss nicht nur FSME, sondern auch Borreliose übertragen.

Zecken können mit ihrem Biss nicht nur FSME, sondern auch Borreliose übertragen. Foto © iStock, smileus

Gefährlicher Zeckenstich

Borreliose – Wanderröte ist nicht immer ein Symptom!

Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit. Die Symptome treten häufig erst nach Monaten auf und reichen von Wanderröte bis zu Herzbeschwerden und Lähmungen.

Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit. Die Symptome treten häufig erst mit vielen Monaten Verzögerung auf und reichen von Wanderröte bis zu Herzbeschwerden und Lähmungen.

Unbestritten gibt es heute in Flussauen, Wiesen, Unterholz, aber auch Gärten und Parks mehr Zecken als früher. Milde Winter, feuchte und warme Sommer bieten ideale Lebensbedingungen für die winzigen Spinnentiere. Zecken sind zwar nur einen bis fünf Millimeter klein. Doch der Parasit ist eines der gefährlichsten Tiere Europas, weil er ernste Krankheiten übertragen kann.

Die bekannteste ist FSME, Frühsommer-Meningo-Enzephalitis. Von dieser Form der Hirnhautentzündung werden in Deutschland rund 400 Fälle pro Jahr registriert. Wesentlich häufiger ist jedoch die Borreliose. Etwa 6.000 Erkrankungen werden dem RKI jährlich gemeldet, Tendenz steigend. Die Dunkelziffer dürfte jedoch bei bis zu 100.000 liegen.

Eine Meldepflicht für Borreliose besteht nur in Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Dabei tritt Borreliose im Gegensatz zur FSME, für die es Risikogebiete gibt, deutschlandweit auf, wie eine Studie im Auftrag des Robert-Koch-Instituts
zeigt.

Was ist Borreliose?

Bei Borreliose handelt es sich um eine multisystemische Infektionskrankheit. Sie kann jedes Organ befallen – Herz, Gehirn, Nerven, Gelenke, Haut, Augen und noch mehr. Ursache der Borreliose sind Bakterien der Art Borrelia burgdorferi – daher auch die Bezeichnung Borreliose oder Lyme-Borreliose.
Lyme ist eine Stadt in den USA, in der 1975 zum ersten Mal Gelenkentzündungen nach Zeckenbissen auftraten und die Krankheit auf diese Weise entdeckt wurde, obwohl es sie sicherlich bereits früher gab.

Jede zweite Zecke kann Borreliose übertragen

Borrelien sind spiralförmige Bakterien. Jede zweite Zecke ist mit Borrelien infiziert. Die Krankheitserreger gelangen über den Stich beziehungsweise Biss der Zecke in das Blut des Opfers. Anders als Mücken, die nur kurz Blut saugen, brauchen Zecken eine stundenlange Blutmahlzeit, bis sie satt sind und ein Vielfaches an Körpergewicht zugenommen haben. Gegen Ende dieses Saugakts würgen sie etwas Mageninhalt in die kleine Wunde. Erst damit gelangen die Bakterien in die Wunde.
Das bedeutet: Je länger eine Zecke saugt, desto höher ist das Risiko einer Infektion. Werden Zecken sofort entfernt, ist diese Gefahr geringer.

Symptome zeigen sich oft erst nach Jahren

Die Anzeichen einer Borreliose sind vielschichtig. Und nicht immer muss es zu Symptomen kommen. Bei jedem zweiten Infizierten verläuft die Borreliose stumm, hinterlässt allerdings meist bestimmte Antikörper im Blut.

In allen anderen Fällen muss es ebenfalls zu keinen eindeutigen Symptomen kommen. Je nach Zeitpunkt, an dem die ersten Anzeichen auftreten, wird die Lyme-Borreliose in verschiedene Stadien unterteilt.

Nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen Borreliose-Gesellschaft sind das:

• Frühstadium der Lyme-Borreliose sowie
• chronisches Stadium.

Symptome der Borreliose im Frühstadium

Wenige Tage bis Monate nach dem Zeckenstich können eines oder mehrere der folgenden Anzeichen auftreten:

• Wanderröte (Erythema migrans): Dabei bildet sich ausgehend vom Zeckenbiss eine rote Hautstelle, die rund, aber auch lang und schmal sein kann, ihre Form verändert und über die Haut wandert. Die Rötung ist das äußere Anzeichen dafür, dass sich die Bakterien vom Stich aus lokal ausbreiten. Allerdings bildet sich die Wanderröte nur bei 50 Prozent derjenigen, die an einer Borreliose erkranken.
• Abgeschlagenheit wie bei einer Erkältung
• Fieber
• Kopfschmerzen
• Muskelschmerzen
• Bindehautentzündung
• Gelenkbeschwerden
• Nervenschmerzen, Lähmungen, Sensibilitätsstörungen: Diese Nervensymptome werden als akute Neuroborreliose bezeichnet
• Meningitis
• Herzrhythmusstörungen
• typische Hautveränderungen wie das Borrelien-Lymphozytom (Verdickungen an den Brustwarzen oder Ohrläppchen)

Symptome der chronischen Lyme-Borreliose

Die chronische Form kennzeichnen Symptome, die mindestens sechs Monate nach dem Zeckenstich auftreten. Sie können auch Jahre danach erstmals erscheinen:

• Erschöpfung
• Hirnleistungsstörungen
• Magen-Darm-Beschwerden
• Augensymptome
• Muskel- und Gelenkbeschwerden, bei Manifestation in den Gelenken spricht man von Lyme-Arthritis
• Nervenschmerzen, Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Polyneuropathie: Diese Krankheitszeichen werden als chronische Neuroborreliose bezeichnet
• chronische Hautentzündung mit ausgedehnter Rötung (Akrodermatitis chronica atrophicans (ACA) oder Herxheimer-Krankheit genannt)

Die frühere Einteilung in drei Stadien wird kaum noch vorgenommen, weil sich die Symptome der Borreliose im zeitlichen Verlauf überschneiden. Einzige Ausnahmen und sichere Hinweise auf Borreliose: Wanderröte kurz nach dem Zeckenstich und Akrodermatitis chronica atrophicans lange Zeit danach.

Diagnose: Welcher Test auf Borreliose ist aussagekräftig?

Selbstverständlich sollte ein Arzt alle hier aufgeführten Symptome abklären. Wichtig ist dabei auch, den Zeitpunkt festzuhalten, an dem der Zeckenstich stattgefunden hat. Wer sich unklar ist, ob er sich durch einen Zeckenstich eine Infektion eingefangen hat, sollte ebenfalls zum Arzt gehen. Je früher eine Borreliose behandelt wird, umso größer sind die Heilungschancen.

Abgesehen von den beiden Leitsymptomen Wanderröte und ACA, die jedoch nicht bei allen Betroffenen entstehen, ist es schwierig, die Diagnose Borreliose mit Sicherheit zu stellen.

Denn die verschiedenen Tests, etwa ELISA und Immunoblot, können zwar in Blut und Liquor (Rückenmarksflüssigkeit) Antikörper der Borrelien nachweisen. Der jeweilige Test kann aber auch dann positiv ausfallen, wenn es früher einmal zu einer symptomfreien Borreliose gekommen ist. Die aktuellen Beschwerden stammen in diesem Szenario nicht von einer Borrelieninfektion.

Oft werden die Tests auch zu früh durchgeführt. Bis das Immunsystem Antikörper gegen die Bakterien gebildet hat, verstreichen bis zu acht Wochen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass der Test keine Antikörper nachweisen kann, obwohl eine Borrelieninfektion besteht (falsch-negatives Ergebnis). Denn Borrelien verfügen über ein ausgeklügeltes Tarnsystem.

Die Tests zur Diagnose geben also keine absolute Sicherheit. Deshalb kommt es vor allem auf die Symptome und die Erfahrung des Arztes an, um eine Borreliose zu diagnostizieren und möglichst bald nach dem Zeckenstich eine Behandlung einzuleiten.

Borreliose-Behandlung mit bestimmten Antibiotika

Zur Therapie der Borreliose gehören Antibiotika, denn die Infektion wird durch Bakterien ausgelöst. Im Frühstadium wirken diese Arzneimittel sehr effektiv, die Heilungschancen liegen bei rund 95 Prozent. Im Spätstadium sind die Erfolgsaussichten nicht ganz so gut. Außerdem müssen, je länger die Borreliose besteht, die Medikamente auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Die empfohlenen Wirkstoffgruppen gegen Borreliose sind:

• Betalactame
• Makrolide
• Nitroimidazole
• Tetrazykline

Impfung gegen Borreliose

Im Gegensatz zur anderen häufig durch Zecken übertragenen Krankheit FSME ist gegen Borreliose keine Impfung möglich. Zwar wurde von Wissenschaftlern der Universität Wien ein Impfstoff entwickelt, die Studien dazu wurden jedoch vorerst gestoppt. Immunität gegen Borreliose gibt es also nicht – auch dann nicht, wenn Sie schon eine Borrelieninfektion überstanden haben. Denn es gibt verschiedene auslösende Bakterienspezies und es wäre ein großer Zufall, mit der gleichen Art wie beim ersten Mal infiziert zu werden.

Borreliose verhindern: So schützen Sie sich vor Zeckenstichen

Am sichersten ist es deshalb, Zeckenstiche und damit die Infektion mit Borrelien zu vermeiden. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Sie sich im Freien aufhalten, im Garten, am Fluss oder Wald – also überall dort, wo Zecken leben. Allerdings können Sie auch über Haustiere, die öfter im Freien sind, Kontakt mit einer Zecke riskieren.

Die besten Schutzmaßnahmen vor Zecken sind:

• Tragen Sie im Freien, bei Gartenarbeit oder Wanderungen lange Hosen und Strümpfe oder Stiefel, stecken Sie die Hosenbeine in die Socken. Bieten Sie den Zecken kein Stückchen nackte Haut. Zecken lassen sich gerne „mitnehmen“, etwa wenn Sie mit nackten Füßen auf Wald- und Wiesenwegen gehen oder Radfahren.
• Benutzen Sie Repellentien, beachten Sie dabei jedoch, dass die meisten Mittel gegen Zecken nur wenige Stunden wirken.
• Wechseln Sie die Kleidung, wenn Sie draußen gewesen sind. Oft befindet sich eine Zecke im Hosenbein, dem Schuh oder Hemd. Dort überlebt sie viele Tage und kann beim nächsten Mal stechen.
• Kontrollieren Sie nach jedem Aufenthalt im Freien Ihren Körper. Zecken krabbeln oft stundenlang auf der Haut herum, etwa von den Füßen bis zur Leiste oder den Achselhöhlen, die mit ihrer Wärme, Feuchte und zarter, gut durchbluteter Haut Anziehungspunkte für sie sind.

Zecken sicher entfernen

Was ist zu tun, wenn sich tatsächlich einmal eine Zecke festgebissen hat? Man sollte sie so schnell wie möglich entfernen, denn mit jeder Stunde, die der Parasit länger saugt, steigt das Risiko einer Infektion.

Auf die Anwendung von Klebstoff, Öl, Benzin oder Nagellackentferner sollten Sie dabei besser verzichten. Diese Chemikalien führen nur dazu, dass sich die Zecke erbricht und eventuell vorhandene Bakterien noch schneller in die Wunde gelangen.

Besser sind verschiedene Instrumente, die hautnah angesetzt werden und die Zecke mitsamt dem Kopf herausziehen können, also:

• Zeckenkarte
• Zeckenzange
• Zeckenpinzette

Wer sich dabei nicht sicher ist, sollte besser zum Arzt gehen, der die Zecke fachmännisch entfernt.

Autor: MONIKA PREUK