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Blasenentzündung – wann Hausmittel oder Antibiotika sinnvoll sind

Jede zweite Frau bekommt mindestens einmal in ihrem Leben eine Blasenentzündung. Foto © iStock/overcrew

Harnwegsinfektionen

Blasenentzündung – wann Hausmittel oder Antibiotika sinnvoll sind

Blasenentzündungen treffen vor allem Frauen und äußern sich durch massive Schmerzen beim Wasserlassen. Viele greifen dann zum Antibiotikum, um den Harnwegsinfekt rasch loszuwerden. Doch auch Hausmittel und Heilkräuter helfen.

Harnwegsinfekte sind in der Regel unkompliziert. Doch die Symptome einer Blasenentzündung (medizinisch Zystitis) sind alles andere als harmlos, sondern sehr unangenehm:

• starke Schmerzen beim Wasserlassen
• häufiger Harndrang
• allgemeines Krankheitsgefühl

Außerdem ist der Urin trüb, kann unangenehm riechen und sogar Spuren von Blut aufweisen.

All das sind Anzeichen dafür, dass Bakterien über die Harnröhre in die Blase aufgestiegen sind, die Blasenschleimhaut entzündet haben und so zu einem unteren Harnwegsinfekt führen.

Breitet sich die Entzündung in die Harnleiter aus, können die Bakterien bis in die Nieren gelangen. Der Arzt bezeichnet das als obere Harnwegsinfektion (Nierenbeckenentzündung oder Pyelonephritis), weil auch Harnleiter und Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Anzeichen einer oberen Harnwegsinfektion entsprechen denen der Blasenentzündung, zusätzlich treten jedoch auf:

• Flankenschmerz (Schmerzen in der Taille zu beiden Seiten der Wirbelsäule – darunter befinden sich die Nieren)
• Fieber

Allerdings ist die obere Harnwegsinfektion selten. Die meisten Harnwegsinfektionen betreffen Harnröhre (Urethritis) und Blase und werden auch als Blasenentzündung bezeichnet.

Blasenentzündung bei Frauen viel häufiger als bei Männern

Vor allem Frauen haben mit Blasenentzündungen zu kämpfen haben: 95 Prozent der Infektionen der unteren Harnwege betreffen Frauen. Die Ursache dafür ist die unterschiedliche Anatomie von Mann und Frau: Die Harnröhre von Frauen ist zwei bis vier Zentimeter lang, die von Männern dagegen meist mehr als 15 Zentimeter.

Über eine kurze Harnröhre können Bakterien wesentlich leichter in die Blase eindringen. Die lokalen Abwehrkräfte in der Harnröhre bekämpfen zwar Krankheitskeime. Ist die Harnröhre jedoch kurz, stehen die Bakterien entsprechend weniger unter Beschuss.

Wenn Männer an einer Harnwegsinfektion erkranken, ist das allerdings nicht so harmlos wie bei Frauen. Es besteht das Risiko, dass sich Keime in Prostata und Nebenhoden ausbreiten.

Blasenentzündung – Ansteckung und Risikofaktoren

Doch woher kommen die Keime, die eine Blasenentzündung auslösen? Meist handelt es sich um Bakterien der Art Escherichia coli (auch E. coli genannt), die auf ganz natürliche Weise im Darm vorkommen. Probleme verursachen sie allerdings, wenn sie von dort in die Harnröhre gelangen.

Risikofaktoren für die Übertragung sind:

• falsche Stuhlhygiene: abwischen von hinten nach vorne
• Sex: Beim Reiben und Geschlechtsverkehr werden Bakterien in die Harnröhre der Frau sozusagen „einmassiert“.
• schwache Abwehrkräfte: Nach einem Infekt können bereits wenige Bakterien zu einer Blasenentzündung führen, weil das Immunsystem nicht stark genug sind. Das betrifft auch das lokalen Abwehrkräfte in Harnröhre und Blase.
• Unterkühlung: Sitzen auf kaltem Untergrund, nasse Füße oder feuchte Badekleidung schwächen diese lokalen Abwehrkräfte.
• zu wenig trinken: Werden Blase und Harnröhre nicht ausreichend durchspült, können sich Bakterien ansiedeln.
• Hormonveränderungen: In der Schwangerschaft führen die Hormone dazu, dass der gesamte Beckenboden weicher wird und sich Scheide, Damm und Harnröhre weiten. Das erleichtert den Bakterien das Eindringen. In den Wechseljahren bewirkt das Absinken der Östrogene, dass die Schleimhäute in Scheide, Harnröhre und Blase dünner werden und damit ihre Schutzfunktion schwächer wird.

Blasenentzündung – mit Hausmitteln sofort behandeln

Meist sind die Schmerzen bei einer Blasenentzündung so unangenehm, dass rasche Hilfe wichtig ist. Erste Maßnahme bei einer Zystitis ist, viel zu trinken – am besten heiße Getränke. Die Flüssigkeit durchspült Harnwege und Blase. Auf diese Weise werden Bakterien wieder nach draußen befördert.

Weitere Hausmittel gegen Blasenentzündung sind:

• Heilkräuter wie Goldrute, Hauhechel und Orthosiphon als Tee oder rezeptfreie Arzneimittel sind sinnvoll gegen Entzündung und Bakterien.
• Wärmetherapie mit Wärmflasche, Wärmekissen oder einer heißen Auflage (Vorsicht, nicht übertreiben: Verbrühungsgefahr). Die Wärme fördert die Durchblutung im Unterleib. Der Stoffwechsel und damit auch die Selbstheilung in der Blase werden angeregt.
• Kneipp-Therapie mit ansteigendem Fußbad. Dabei setzen Sie sich auf den Badewannenrand und legen sich ein warmes Handtuch unter das Gesäß. Lassen Sie lauwarmes Wasser in die Wanne einlaufen und drehen Sie den Warmwasserhahn dabei vorsichtig und sehr langsam immer mehr auf, bis das Fußbad sehr warm ist (Achtung, auch hier besteht Verbrühungsgefahr!). Danach die Füße kurz abtrocknen, warme Socken anziehen und ab ins Bett. Das ansteigende Fußbad verbessert nicht nur die Durchblutung des Unterleibs, sondern entspannt.

Bei Blasenentzündung zum Arzt

Oft ist eine Blasenentzündung mit den genannten Hausmitteln ausgestanden. Manchmal reichen die Maßnahmen jedoch nicht, die Beschwerden bleiben oder verschlimmern sich sogar noch. Bei diesen Alarmzeichen sollte der Arzt hinzugezogen werden:

• Die Beschwerden halten länger als drei Tage an.
• Fieber über 38 Grad
• Blut im Urin
• Flankenschmerz

Ansprechpartner ist dann der Hausarzt. Für die Diagnose einer Blasenentzündung stehen drei verschiedene Testverfahren zur Verfügung:

• Urinuntersuchung mit einem Teststreifen (Stix): So lässt sich rasch feststellen, ob und wie viele weiße Blutkörperchen (Leukozyten), Nitrit (deutet auf Bakterien hin) und Bakterien vorliegen.
• mikroskopische Untersuchung des Urins: Damit kann der Arzt abschätzen, wie hoch die Bakterienmenge ungefähr ist.
• Urinkultur: Die Urinprobe wird auf Nährboden gegeben und wenige Tage später lässt sich erkennen, welche Bakterien gewachsen sind und in welcher Menge. Auf diese Weise lassen sich die auslösenden Keime identifizieren. Zusätzlich wird dabei ein Antibiogramm angelegt, um zu erkennen, auf welche Antibiotika die Erreger ansprechen oder resistent sind. Diese Diagnostik wird jedoch nur angewendet, wenn bereits öfter Harnwegsinfektionen aufgetreten sind oder die ersten Test keine Hinweise auf die häufigsten Auslöser ergeben haben, wenn also keine Escherichia coli-Bakterien gefunden werden konnten.

Zusätzlich kann der Arzt mit Ultraschall (Sonografie) Blase, Harnwege und Nieren untersuchen. Eine Blasenspiegelung zeigt außerdem den Zustand der Blase, ob die Schleimhaut und die Zugänge der Harnleiter intakt sind.
Antibiogramm, Ultraschall und Blasenspiegelung sind Diagnosemöglichkeiten, die der Urologe durchführt. Meist überweist der Hausarzt an diesen Facharzt, wenn die Blasenentzündung sehr stark ist oder auf Medikamente nicht anspricht.

Blasenentzündung: Behandlung mit Antibiotika und Schmerzmitteln

Je nach Ergebnis der Untersuchungen wird der Arzt in den meisten Fällen nämlich ein Antibiotikum verschreiben. Gängige Wirkstoffe gegen Zystitis sind:

• Ciprofloxacin
• Fosfomycintrometamol
• Nitrofurantoin

Häufig wirken die Antibiotika bereits nach einem Tag so gut, dass die Beschwerden abklingen. Trotzdem ist es wichtig, das Antibiotikum nach Anweisung des Arztes einzunehmen. Sonst besteht das Risiko, dass Bakterien in der Blase verbleiben und eine Resistenz gegen das Medikament entwickeln. Das Antibiotikum würde dann in Zukunft nicht mehr wirken.

Neuere Studien geben übrigens Hinweise darauf, dass bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt nicht immer gleich Antibiotika Mittel der Wahl sein müssen. Schmerzmittel, die gleichzeitig Entzündungen hemmen, können demnach bei ansonsten gesunden Frauen gut wirken. Allerdings sollten Patientinnen die Entscheidung mit dem Arzt treffen.

Komplikationen bei Blasenentzündung

Wenn eine Blasenentzündung nicht sorgfältig ausheilt, kann sie sich in die Nieren ausbreiten und dort bleibenden Schaden anrichten.

Außerdem kann die Blasenentzündung chronisch wiederkehren (rezidivierende Zystitis). Das bedeutet, die Blasenentzündung tritt dreimal oder öfter pro Jahr auf. Die Blasenschleimhaut wird in Mitleidenschaft gezogen, Keime können bis zur Blasenwand vordringen. Die Behandlung der rezidivierenden Zystitis schwierig, weil gängige Antibiotika manchmal nicht mehr wirken oder Nerven in der Blase bereits auf kleinste Reize mit starken Schmerzen reagieren. Hier empfiehlt der Arzt oft eine Langzeittherapie mit einem Antibiotikum für mehrere Monate.

Blasenentzündung vorbeugen

Risikofaktoren der Blasenentzündung sollten am besten ganz vermieden werden. Folgende Maßnahmen haben sich bewährt:
• viel trinken, um Harnwege und Blase gut durchzuspülen. Dabei sind Wasser und Kräutertee am sinnvollsten. In größeren Mengen ungeeignet sind Kaffee, Zitrussäfte und natürlich Alkohol. Ihre Inhaltsstoffe können die Blase reizen.
• Unterkühlung meiden: nicht auf kalten Unterlagen sitzen, keine bauchfreie Kleidung tragen
• Stuhlhygiene beachten und nach dem Stuhlgang immer von vorne nach hinten säubern und nicht umgekehrt
• Intimhygiene ist wichtig. Dazu gehört vor allem, nach dem Geschlechtsverkehr zeitnah die Blase zu entleeren. Auf diese Weise werden Bakterien, die durch die Reibung in die Harnröhre gelangt sind, wieder nach außen befördert. Bei der täglichen Pflege duscht man den Intimbereich mit warmen Wasser ab. Zusätzlich kann man eine Ph-neutrale Waschlotion benutzen.

Wer häufig an Harnwegsinfekten leidet, hat die Möglichkeit, mit einem Antibiotikum vorzubeugen. Die Tablette wird dann etwa nach Geschlechtsverkehr eingenommen. Dazu verordnet der Arzt Wirkstoffe wie Nitrofurantoin in niedriger Dosierung.

Autor: MONIKA PREUK