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Neue Therapien setzen Laser und Kunstlinsen gegen Sehschwäche und Augenleiden ei

Neue Therapien setzen Laser und Kunstlinsen gegen Sehschwäche und Augenleiden ein. / Foto: © www.piqs.de / Fotograf: Guiri R. Reyes, CC (Some rights are reserved.)

Mit Augenarzt Dr. Rainer Wiltfang

Besser sehen durch Laser-OP und Kunstlinsen

Ist die Brille bald passé? Neue Therapien setzen Laser und Kunstlinsen gegen Sehschwäche und Augenleiden ein. Die Chancen und Risiken im Überblick.

Hannah Jordan hasst Brillen. Ihre erste bekam sie mit sieben, anfreunden konnte sich mit ihr nie: Das Gestell drückte auf der Nase, die Gläser nervten beim Spielen. Mit 16 probierte sie Kontaktlinsen aus, doch auch die waren nichts für sie: Ihre Augen brannten und duldeten den Fremdkörper nicht. Vor wenigen Wochen erst entschied sich die heute 34-jährige Lehrerin, ihre Kurzsichtigkeit – mittlerweile minus 4 Dioptrien – lasern zu lassen. Warum nicht früher? "Ich befürchtete, danach schlechter zu sehen als vorher", sagt sie.

Damit ist sie nicht allein. "Viele Kurz- und Weitsichtige haben Angst vor dem Lasern, obwohl die Komplikationsrate bei unter 0,1 Prozent liegt", sagt Dr. Rainer Wiltfang, leitender Arzt der Augenklinik Airport in München. Immerhin lassen sich nach Schätzung von Experten etwa 100.000 Deutsche jährlich die Augen per Lichtstrahl operieren.

Ein neuer Laser könnte den Boom noch ankurbeln: "Das ReLEx-VerfahrenProf. Walter Sekundo, Direktor der Universitätsaugenklinik Gießen-Marburg. Auch Jordan ließ sich so behandeln: "Zwei Stunden nach dem Eingriff konnte ich kristallklar sehen und mit dem Auto nach Hause fahren." Auch innovative Kunstlinsen können die Brille dauerhaft ersetzen.

Der große Überblick über die neuen Methoden:

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LASER

Lasik

Das Verfahren: LASIK (Laser in situ Keratomileusis) ist das am weitesten verbreitete Laserverfahren am Auge. Es gibt zwei etwas voneinander abweichende Ansätze:

1. Traditionelle Lasik: Bei ihr trennt der Chirurg zunächst mit einem Mikrokeratom (einem computergesteuerten, skalpellartigen Hobel) eine dünne Scheibe von der Hornhaut ab. Diesen Deckel, Flap genannt, klappt er nach oben, schleift mit einem sogenannten Excimer-Laser das freigelegte innere Hornhautgewebe ab und korrigiert so die Fehlsichtigkeit. Danach klappt er den Flap zurück und drückt ihn an. Annähen muss er ihn nicht: Der Flap saugt sich von selbst wieder fest.

2. Femto-Lasik: Bei dieser Technik wird zum Abtrennen des Flaps statt des Mikrokeratoms ein Femtosekunden-Laser verwendet. Das eigentliche Lasern erfolgt dann wieder mit Excimer-Laser, auch die weiteren Schritte entsprechen der traditionellen Lasik.

Geeignet: Für Kurzsichtige mit bis zu minus 8 Dioptrien sowie für Weitsichtige mit bis zu plus 3 oder plus 4 Dioptrien.

Risiken: Bei der traditionellen Lasik kann sich die Sicht verschlechtern, wenn der Arzt nicht einwandfrei arbeitet. Das lässt sich durch Nachlasern aber korrigieren. Selten treten Entzündungen auf. Möglicherweise hat man in den Folgemonaten ein trockenes Auge. Für die Femto-Lasik gilt dasselbe, entscheidender Vorteil aber: Die Komplikationen treten viel seltener auf.

Kosten:* Je nach Verfahren 2000 bis 2500 Euro pro Auge. Die Preise sind regional unterschiedlich: In wohlhabenden Gegenden wie München oder Stuttgart ist die Behandlung teurer als in Berlin oder im Ruhrgebiet.

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Lasek & Epilasik

Das Verfahren: Bei der Lasek-Methode (Laser Epithelial Keratomileusis) wird die oberste Hornhautschicht nicht als Flap aufgeklappt, sondern mit Alkohol gelöst und abgerollt. Sie regeneriert sich von allein. Bei der Epilasik (Epitheliale in situ Keratomileusis) trägt der Arzt die oberste Hornhautschicht mit einem Minimesser ab. In beiden Fällen schleift er dann die darunterliegende Hornhautschicht per Excimer-Laser ab. Im Vergleich zur Lasik schneidet er bei der Epilasik weniger tief in die Hornhaut. Die Lasek-Behandlung setzt sogar noch weiter an der Oberfläche an. Das ist vorteilhaft für Patienten mit sehr dünner Hornhaut, hat aber den Nachteil, dass die Wunde langsamer verheilt als in tieferem, unempfindlichem Gewebe.

Geeignet: Vor allem für Patienten mit dünner Hornhaut, bei Kurzsichtigkeit bis etwa minus 6 Dioptrien und bei Weitsichtigkeit bis plus 3 Dioptrien. Außerdem für Patienten mit Hornhautverkrümmung.

Risiken: Da in der gelaserten Hornhautschicht Nerven liegen, ist die Behandlung schmerzhaft. Zudem kann die Sehschärfe über Wochen schwanken und ein Fremdkörpergefühl im Auge auftreten.

Kosten:* Das Lasek-Verfahren kostet etwa 1500 Euro, die Epilasik 1800 Euro pro Auge.

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Wellenfront-Lasik

Das Verfahren: Es handelt sich um eine Weiterentwicklung der traditionellen Lasik. Hierbei misst der Arzt mithilfe der sogenannten Aberrometrie oder Wellenfront-Technologie an etwa 250 Punkten die Brechkraft des Auges. Als Brechkraft bezeichnet man die Fähigkeit des Auges, das Licht, das durch die Linse einfällt, richtig zu bündeln, um ein korrektes Abbild des gesehenen Objekts zu erhalten. Sie wird in Dioptrien gemessen. Die Wellenfront-Analyse ergibt somit eine Art Landkarte des Auges, auf der alle Abweichungen bgebildet sind. Diese Fehler kann der Chirurg bei der Laserbehandlung zusätzlich ausgleichen, was eine individuell angepasste und präzisere Lasik ermöglicht. Vorteilhaft ist, dass sich das Kontrastsehen und die Nachtsicht verbessern. Die Aberrometermessung ist in der Hornhautdiagnostik Standard, unabhängig davon, ob die Sehschwäche per Laser oder implantierter Linse korrigiert wird.

Geeignet: Für alle Laserpatienten. Besonders vorteilhaft ist die Methode für Menschen mit unregelmäßiger Hornhautoberfläche. Risiken und
Kosten entsprechen einer herkömmlichen Lasik-Behandlung.

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ReLEx

Das Verfahren: ReLEx (Refractive Lenticule Extraction) ist die modernste Entwicklung unter den Lasermethoden. Der wesentliche Unterschied zu anderen Verfahren: Hier benötigt der Arzt nur einen Laser und nicht zwei wie bei der traditionellen Lasik.

"Der neue Femtosekunden-Laser dringt durch die intakte, geschlossene Hornhaut und schneidet eine dünne Hornhautlinse heraus. Erst nach dem Eingriff wird mit demselben Femto-Laser die Hornhaut in einem kleinen Areal geöffnet und die herausgelaserte Hornhautlinse entfernt", erklärt Augenexperte Dr. Wiltfang. Das Grundprinzip aller Laserverfahren bleibt somit bestehen: Die falsch gekrümmte Hornhaut wird korrigiert und damit die Sehkraft des Auges normalisiert.

Das neue Verfahren hat mehrere Vorteile: Während bei der normalen Lasik das Gewebe mithilfe des gröberen Excimer-Lasers verdampft wird, löst der neue Femtosekunden-Laser eine exakte dreidimensionale Linse aus der Hornhaut. Das ermöglicht eine präzisere Korrektur. Die Hornhaut bleibt während des Eingriffs geschlossen, was das Infektionsrisiko verringert. Der Eingriff erfolgt außerdem geruch- und geräuschlos und dauert nur wenige Minuten, sodass beide Augen am selben Tag behandelt werden können.

Geeignet: Für Kurzsichtige bis minus 8,5 Dioptrien, Weitsichtige bis plus 4 Dioptrien.

Risiken: Nach derzeitigen Erkenntnissen fast keine, wenn der Arzt korrekt lasert. Die Komplikationsrate liegt bei unter 0,1 Prozent.

Kosten:* Wie bei der traditionellen Lasik gibt es regionale Unterschiede. In Marburg etwa kostet die Behandlung samt Untersuchung pro Auge 2000 Euro, in München 2500. Wie bei allen Laserverfahren übernehmen gesetzliche und private Kassen die Kosten nicht.

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*Kosten können je nach Region und Klinik variieren.

Autor: Dr. FRANK SCHWEBKE