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Bandscheibenvorfall / Foto: © iStock, svisio

Alles über den Bandscheibenvorfall / Foto: © iStock, svisio

Rückenschmerzen

Bandscheibenvorfall: Mehr Symptome als nur Schmerzen

Schmerzen, die ausstrahlen, Taubheitsgefühle in Arm oder Bein, Blasenschwäche. Alles über die Anzeichen und Behandlungen bei einem Bandscheibenvorfall.

Rückenschmerzen sind der häufigste Grund für einen Besuch beim Arzt. Mehr als 37 Millionen Deutsche konsultierten deshalb 2015 den Hausarzt, Orthopäden oder Neurologen, meldet der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie. Rund 180.000 dieser Patienten leiden unter einem Bandscheibenvorfall.

Bandscheibenvorfall – was ist das?

Bandscheiben sind die Stoßdämpfer der Wirbelsäule. Die 23 Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern, verhindern, dass diese gegeneinander reiben. Sie ermöglichen darüber hinaus, dass wir uns beugen und drehen können. Bandscheiben sind elastisch, bestehen aus einem äußeren Bindegewebe-Faserring (Anulus fibrosus) und einem Gallertkern (Nucleus pulposus) im Inneren.

Bandscheiben sind sehr belastbar, vor allem in der Jugend. Nach jeder Beanspruchung, nach jedem Zusammendrücken etwa durch das Tragen schwerer Lasten nehmen sie wieder ihre ursprüngliche Form an. Doch mit Abnutzung und fortschreitendem Alter werden sie trockener, verlieren ihre Elastizität und ihre Möglichkeiten zur Regeneration.

Nerven unter Druck

Der Faserring bekommt mit der Zeit winzige Risse. Durch diese Risse kann der Gallertkern langsam austreten – oder plötzlich zerplatzen und auslaufen, etwa bei einer ungeschickten Bewegung oder zu starker Belastung wie schwerem Tragen. Damit bedrängt die Bandscheibe Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmark heraustreten, sowie das Rückenmark selbst. Dieser Druck kann zu Entzündungen und Schmerzen führen und Nerven schädigen.

Je nachdem, in welcher Form sich der Bandscheibenvorfall, auch Bandscheiben- oder Diskusprolaps genannt, ereignet, unterscheidet der Arzt zwischen

medialem Bandscheibenvorfall (der Gallertkern tritt in der Mitte der Bandscheibe nach hinten, zum Rückenmarkskanal, aus und bedrängt das Rückenmark)
lateralem Bandscheibenvorfall (der Nucleus pulposus rutscht seitlich heraus und drückt auf den Nerv)
mediolateralem Bandscheibenvorfall (eine Mischung der beiden Formen und die häufigste Art des Bandscheibenvorfalls)

Bandscheibenprolaps oder Bandscheibenprotrusion?

Allerdings handelt es sich nicht immer gleich um einen Bandscheibenvorfall, wenn mal der Rücken weh tut. Oft sind Verspannungen schuld an den Rückenschmerzen oder eine sogenannte Bandscheibenprotrusion, der Vorstufe des Bandscheibenvorfalls.
Dabei wöbt sich die Bandscheibe etwas vor, ist aber ansonsten noch intakt. Erst wenn die Bandscheibe länger in dieser Position verbleibt, können Risse entstehen und der Gallertkern austreten – es kommt zum echten Diskusprolaps.

Bandscheibenvorfall in Lendenwirbelsäule und Halswirbelsäule

Im Prinzip kann sich in jedem Bereich der Wirbelsäule ein Bandscheibenvorfall ereignen. In 90 Prozent der Fälle betrifft er Bandscheiben der Lendenwirbelsäule (LWS), in rund zehn Prozent die der Halswirbelsäule (HWS). Extrem selten ist ein Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule.

Am häufigsten kommt es zu einem Bandscheibenvorfall zwischen den Lendenwirbeln L4/L5 und L5/S1 (Steißbein), an der Halswirbelsäule (Cervikalwirbel) zwischen dem 5. bis 8. Halswirbelkörper (C5 bis C8).

Je nachdem, in welchem Bereich der Bandscheibenschaden eingetreten ist und Druck auf bestimmte Nerven ausübt, entstehen ganz unterschiedliche Symptome.

Symptome bei Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule

• Ausstrahlende Schmerzen im unteren Rücken
• Schmerzen, die sich bis in eines oder beide Beine und Füße ziehen
• Knieschmerzen
• Schmerz legt sich etwas, wenn das betroffene Bein angewinkelt wird
• Schmerz wird schlimmer beim Husten und Niesen
• plötzlich einschießender Schmerz („Hexenschuss“ – häufiger durch Verspannung bedingt)
• Stechender Dauerschmerz, der sich bei Bewegung verstärkt und bis in die Füße ausstrahlen kann („Ischiasschmerz“, kann auch durch Verspannungen entstehen)

Symptome bei Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule

• Schmerzen im Nacken
• Steifer Nacken - mit der Versteifung versucht der Körper reflexartig, den bedrängten Nerv zu befreien
• Schmerzen strahlen in die Arme aus
• Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Ohrensausen

Dabei weisen etwa Schmerzen, die in die Schulter ausstrahlen, darauf hin, dass die Höhe des Bandscheibenvorfalls vermutlich bei Halswirbel C5 liegt. Erreichen sie Daumen und Zeigefinger, handelt es sich meist um C6.

Diese Symptome sind Alarmzeichen

Ein Bandscheibenvorfall kann auch zu weiteren Symptomen führen, die darauf hindeuten, dass Nerven und Rückenmark massiv bedrängt werden. Folgende Beschwerden gelten als Alarmzeichen (Red-Flag-Symptome):

• Empfindungsstörungen in Händen, Armen oder Füßen, Beinen
• Missempfindungen im Gesicht
• Ameisenlaufen, Kribbeln
• Taubheitsgefühle an den Extremitäten, manche Hautareale sind betroffen
• Lähmungserscheinungen
• Blasen- und Stuhlinkontinenz
• Taubheitsgefühle an den Genitalien

Bei jedem dieser Symptome sollten Sie möglichst rasch einen Arzt aufsuchen. Manchmal ist zeitnahe Behandlung nötig, um bleibende Nervenschäden oder Gewebeverlust im Rückenmark zu verhindern.

Bandscheibenvorfall diagnostizieren

Zur Diagnose des Diskusprolaps gehören

• Anamnese, wobei der Patient seine Beschwerden genau beschreibt
• Untersuchung der Muskelkraft, der Reflexe und des Gefühls an Armen und Beinen

Ergibt sich daraus der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall, helfen Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) abzuklären, ob es sich nur um eine Protrusion oder einen echten Prolaps handelt und in welchem Bereich er sich ereignet hat.

Bandscheibenvorfall – die Behandlungen

Je nach Schweregrad und wie stark die Schmerzen sind, werden zur Therapie eines Diskusprolaps verschiedene Maßnahmen empfohlen. Bei mäßigen Beschwerden und wenn keine Operation nötig ist, bilden die Basis:

• Aufklärung über das Problem Bandscheibenvorfall
• Rückenschule
• Bewegungstherapie
• Physiotherapie
• Schmerzmittel

Im Einzelnen bedeutet das:

• Etwas Bewegung und keine Bettruhe. Langes Liegen und Bewegungsmangel kann die Symptome nämlich verschlimmern. Bettruhe gilt deshalb inzwischen als überholt.
• Kurzfristige Wärmeanwendungen um Verspannungen zu lösen, die als Reaktion auf die Schmerzen oft entstehen.
• Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen und Naproxen, entzündungshemmende und falls nötig muskelrelaxierende Medikamente. Bei starken Schmerzen kurzfristig Opioide.
• Physiotherapie mit Krankengymnastik.
• Als weitere Option bietet sich Elektrotherapie sowie periradikuläre Therapie (PRT) an: Unter Sichtkontrolle injiziert der Arzt entzündungshemmende Medikamente direkt im Bereich des Bandscheibenvorfalls.

Daneben werden neue Behandlungsoptionen beim Bandscheibenvorfall entwickelt, wie etwa körpereigenes Biomaterial aus Knorpel- oder Stammzellen zu züchten.

Die Bandscheibenoperation

Helfen diese Therapien auf Dauer nicht oder sind Alarmzeichen wie Lähmungen aufgetreten, wird der Arzt zu einer Operation raten.

Ziel der Operation ist es den Teil der Bandscheibe zu entfernen, der auf den Nerv drückt. Dies geschieht minimal-invasiv und ist deshalb sehr schonend. Die derzeit am häufigsten eingesetzte Operationstechnik ist die mikrochirurgische Diskektomie (Entfernung des zerstörten Bandscheibenteils). Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose. Der Chirurg gelangt über einen winzigen Hautschnitt zum Prolaps. Der ausgetretene Gallertkern wird beschnitten und kleine Risse im Faserring lassen sich vernähen.

Bei massiven Problemen durch einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule ist ein Ersatz der Bandscheibe notwendig. Dabei stehen zur Auswahl:
eine künstliche Bandscheibe, die die Beweglichkeit erhält
ein Kunststoffimplantat, das zu einer Versteifung zwischen den beiden betroffenen Wirbeln führt.

Komplikationen sind bei Bandscheibenoperationen sehr selten. Sie betreffen meist den Nerv, den die Bandscheibe bedrängt. Er kann bei dem Eingriff verletzt werden. Die Folgen können Taubheitsgefühle und Bewegungsstörungen in den Gebieten sein, die der Nerv versorgt. Dazu gehört auch eine mögliche Funktionsschwäche von Darm und Blase.

Bandscheibenoperationen in der Kritik

Bandscheibenoperationen sind in den letzten Jahren stark diskutiert worden. Im Vergleich zu anderen Ländern wie Großbritannien und Frankreich wird in Deutschland bei einem Diskusprolaps mehr als doppelt so häufig zum Skalpell gegriffen.

Ein wichtiger Punkt der Kritiker: Viele Patienten sind durch die Operation nicht beschwerdefrei. Eine mögliche Erklärung ist, dass der behandelte Bandscheibenvorfall oft gar nicht schuld an den aktuellen Beschwerden ist, sondern ein Prolaps, der ein oder zwei Wirbel weiter eingetreten ist.

Wenn die Operation keinen Erfolg hat

Tatsache ist, dass rund 30 Prozent der unter 30-Jährigen und mehr als 60 Prozent der über 60-Jährigen einen Bandscheibenvorfall haben oder hatten und nichts davon wissen, weil sie kaum Beschwerden haben.

Je nach Ausprägung des Prolapses kann es zu keinen nennenswerten Symptomen kommen. Entsteht dann ein weiterer Bandscheibenvorfall, der Beschwerden verursacht, kann es geschehen, dass der falsche Prolaps operiert wird, der eigentlich keine Beschwerden verursacht. Die Folge: Nach der Bandscheibenoperation bestehen die Probleme weiter.

Bandscheibenvorfall heilt oft ohne Operation

Eine große Rolle spielen hier die Reparaturmechanismen des Körpers. Der etwas verrutschte Gallertkern der Bandscheibe wird mit der Zeit immer trockener. Dadurch schrumpft er und der Druck auf die Nerven nimmt ab. Dieser Heilungsprozess dauert rund acht Wochen.

Selbstverständlich sollte keiner, der Symptome eines massiven Bandscheibenvorfalls wie Lähmungen oder etwa Blasenprobleme hat, auf diesen Heilungsprozess warten und damit bleibende Nervenschäden riskieren.

Bestehen keine akuten Probleme, ist es durchaus sinnvoll, den Bandscheibenvorfall konservativ – also mit Medikamenten und Krankengymnastik – zu behandeln und abzuwarten, ob nicht nach wenigen Tagen bis Wochen die Beschwerden verschwunden sind. Das trifft bei der Mehrzahl der Betroffenen zu.

Bandscheibenvorfall und Sport

Darf ich bei einem Bandscheibenvorfall noch Sport machen? Dazu gibt es mehrere Aspekte:

• Bewegung wie Gehen, Aquagymnastik und Krankengymnastik gehören zur Therapie eines Bandscheibenvorfalls und unterstützen den Heilungsprozess.

• Sportarten, die mit ruckartigen Bewegungen verbunden sind wie Tennis, Squash, Bowling, Skifahren und Gewichtheben sind nicht erlaubt.

• Walken, Wandern, Radfahren, Langlauf, Tanzen und Rückenschwimmen sind besser geeignet.

Wichtig für alle, die Probleme mit den Bandscheiben haben oder sie verhindern möchten: Eine starke Rücken- und Bauchmuskulatur ist ein Garant dafür, dass die Bandscheiben gesund bleiben. Die Muskeln an Bauch und Rücken stützen die Wirbelsäule, schützen damit die Bandscheiben vor Verschleiß und verhindern, dass sie verrutschen. Spezielle Rücken- und Bauchübungen bauen diese Muskelpartien gezielt auf.

Quellen: Leitlinien der dt. Gesellschaft für Neurologie (DGN), Informationen des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie, Informationen der Asklepioskliniken

Autor: Monika Preuk