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85 Prozent aller Deutschen hatten schon einmal Probleme mit dem Rücken.

85 Prozent aller Deutschen hatten schon einmal Probleme mit dem Rücken. Beschwerden an der Wirbelsäule belegen den ersten Platz unter den Zivilisationskrankheiten. - Foto © picture alliance / dpa Themendienst

Plus: Rückenübungen

Die besten Tipps der Rückenheiler

Die besten Tipps der Rückenheiler: Vier Experten verschiedener Fachrichtungen erklären Ihnen hier, wie Sie Kreuzschmerzen aus Ihrem Alltag verbannen. Plus: Fünf Übungen, die einem gestressten Rücken guttun.

Glücklich, wer sie nicht kennt. Doch das sind wenige: 85 Prozent aller Deutschen hatten schon einmal Probleme mit dem Rücken. Bei manchen sind sie schnell vergessen, bei vielen werden sie zur Tortur: Sie leiden unter blockierten Wirbeln, vorgewölbten Bandscheiben, gereizten Nerven. Beschwerden an der Wirbelsäule belegen den ersten Platz unter den Zivilisationskrankheiten. Hierzulande sind sie der häufigste Grund für einen Arztbesuch und für Behandlungen im Krankenhaus.

25 Millionen Deutsche suchen derzeit nach einer optimalen Therapie. Die Bandbreite reicht von der schlichten Salbe bis zur aufwendigen, oft risikoreichen OP. Doch was hält den Rücken auf Dauer fit und gesund? Welche Anwendung, welcher Arzt hilft wirklich?

"Ein Doktor ist nicht genug!", behauptet die Autorin Marion Grillparzer. "Für die Behandlung von Rückenschmerzen brauchen wir viele verschiedene Therapien." In ihrem neuen Ratgeber "'Ich hab Rücken'" kommen ein Orthopäde, ein Osteopath und eine TCM-Medizinerin zu Wort, die hier für HÖRZU ihre besten Tipps zusammengestellt haben. Zusätzlich verrät Prof. Dietrich Grönemeyer, wie man Rückenbeschwerden vorbeugen kann – etwa durch gesunde Ernährung.


1. Experte Dr. Martin Marianowicz (Orthopäde)

"Injektionen sind oft besser als eine OP."

Der Münchner Orthopäde ist einer der bekanntesten Kritiker von Wirbelsäulen-OPs. Er empfiehlt zunächst ausdrücklich, was selbstverständlich sein sollte: eine sorgsame Anamnese, also Rekonstruktion der Krankengeschichte. "Informieren Sie Ihren Arzt genau über Schmerz, Arbeitsumfeld, Stress, Freizeit, Sport und eventuelle Unfälle." Wenn dann sanfte Methoden wie Phytotherapie und Physiotherapie sowie konventionelle Schmerzmittel nicht helfen, setzt Dr. Marianowicz bei einer Vielzahl von Rückenproblemen auf Injektionen.

Unter Einsatz einer Computer- oder Kernspintomografie wird dabei ein hochwirksamer Cocktail gespritzt, meist direkt an die gereizte Nervenwurzel. Er besteht aus einem örtlichen Betäubungsmittel, Kochsalzlösung, Enzymen sowie schmerzlindernden und entzündungshemmenden Wirkstoffen. Dr. Marianowicz: "80 Prozent unserer Patienten kann so geholfen werden. Injektionen sind oft besser als die schnelle OP." Die Kosten werden von der Kasse erstattet.

Ist es bereits zu irreversiblen Veränderungen an der Wirbelsäule gekommen, setzt Dr. Marianowicz auf spezielle Wirkstoffe. Reibt beispielsweise bei einer Arthrose Knochen auf Knochen, kann eine Spritze mit Hyaluronsäure die Schmerzen nehmen. Sie wird direkt in das schmerzende Gelenk gespritzt, ersetzt dort das körpereigene Gleitmittel – und ist übrigens eine Kassenleistung. Sind die kleinen Facettengelenke durch Arthrose verändert, kommt eine Injektion in Kombination mit Kortison oder Hyaluronsäure zum Einsatz. In der Regel sind drei bis fünf Behandlungen nötig (ebenfalls Kassenleistung).

Die Orthokin-Therapie setzt auf entzündungshemmende Substanzen aus dem Eigenblut. "Diese Hightech-Methode aus der Molekularbiologie ist äußerst vielversprechend", so Marianowicz. Aus dem Blut des Patienten werden Substanzen isoliert, angereichert und dann mehrere Male in das betroffene Gelenk gespritzt. "Unser Blut enthält nämlich einen wahren Wunderwirkstoff, das Anti-Interleukin-1", so der Orthopäde. Diese Substanz ist Gegenspieler von Stoffen, die Knorpel abbauen, und hemmt gleichzeitig die Entzündung. Diese Leistung (ungefähr 1000 Euro) zahlt die Kasse in der Regel nicht.


2. Experte Dr. Siegbert Tempelhof (Osteopath und Orthopäde)

"Nicht das Symptom, sondern den ganzen Menschen behandeln."

Kern der vielschichtigen Therapieansätze von Dr. Siegbert Tempelhof aus München ist die Osteopathie, die dem Körper drei Ebenen zuschreibt, die zu behandeln sind: den Bewegungsapparat (Parietale Osteopathie), die inneren Organe (Viszerale Osteopathie) und den Schädel mitsamt Rückenmark und Nervensystem (Craniale Osteopathie). Osteopathen sprechen beim hauchfeinen Netz aus Bindegewebe von Faszien, die wie Zahnräder eines Uhrwerks ineinandergreifen. Fällt ein Rädchen aus, kann das auch an weit entfernter Stelle zu Beschwerden führen. Ständige Nackenschmerzen können etwa durch eine Senkung der Gebärmutter verursacht werden, Schmerzen im Lendenwirbelbereich möglicherweise durch eine längst vergessene Fußverletzung.

Das wichtigste Werkzeug des Osteopathen sind seine Hände. Mit ihnen tastet er sich wie ein Detektiv über den ganzen Körper, spürt Verhärtungen der Muskelketten auf, testet die Spannung des Zwerchfells, die Mobilität der Wirbelsäule. Mit sanften Zug- und Drucktechniken löst er Blockaden, versucht, so die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. "Im Vordergrund der Therapie steht der ganze Mensch, nicht nur ein Symptom", sagt Dr. Tempelhof. "Die meisten Menschen kommen mit einem perfekten Bewegungssystem auf die Welt – es muss allerdings auch aktiviert werden."

Bei allen, die sich falsch, einseitig oder zu wenig bewegen, funktioniert das von Natur aus fein justierte Zusammenspiel von Muskeln, Wirbelgelenken, Sehnen und Bändern nicht mehr. Die größte Problemzone liegt laut Dr. Tempelhof in der Tiefenmuskulatur. Der Experte erklärt: "Es gibt neue Erkenntnisse über die Muskelfunktionen, die uns besser verstehen lassen, wie Schmerz entsteht." Danach werden die einzelnen Wirbelkörper nicht nur passiv über Bänder und Knochenführungen stabilisiert, sondern vor allem über kleine Muskeln, die in der Tiefe nur über wenige Wirbelsegmente laufen. Haben diese Muskeln ihre stabilisierende Wirkung verloren, muss diese wieder antrainiert werden. Die simple Lösung lautet nach Dr. Tempelhof: Krafttraining. Am besten unter fachkundiger Anleitung.


3. Expertin Dr. Yueping Yang (TCM-Medizinerin)

"Blockaden lösen mit heilenden Nadeln."

TCM-Medizin Akupunktur

Akupunktur: Mit feinen Nadeln den Schmerz ausbremsen. - Foto © picture-alliance

Die Ärztin, die in Basel Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) praktiziert, setzt bei Rückenschmerzen auf Akupunktur. "Indem wir die Energiepunkte mit Nadeln reizen, können wir über elektrische Impulse Blockaden lösen und Selbstheilungskräfte des Körpers anregen", so Dr. Yang. Das hat Einfluss auf die Abwehr, das Hormonsystem, Nervenbotenstoffe, Muskelspannung und Durchblutung. "Je nach Grad der Beschwerden schlägt die Therapie bei 60 bis 85 Prozent aller Patienten an", so die Expertin. Die allerdings brauchen Geduld: "TCM wirkt langsamer, hat dafür aber kaum Nebenwirkungen."

Studien der Krankenkassen zeigen, dass Akupunktur bei Rückenschmerzen fast doppelt so wirksam ist wie westliche Standardtherapien. Besonders erfolgreich kommt sie bei Hexenschuss, Ischiasproblemen und Phantomschmerzen zum Einsatz. "Grenzen hat sie bei Verletzungen. Oder dann, wenn es schnell gehen muss", weiß Dr. Yang. "Manchmal ist sie auch nur eine sinnvolle Ergänzung." Je nach Aufwand kostet eine Behandlung zwischen 25 und 80 Euro. Als einzige Alternativtherapie zählt Akupunktur zur Regelversorgung der Kassen, allerdings meist nur bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder Arthrose des Kniegelenks.

Dr. Yang behandelt Schmerzen auch mit Akupressur: "Dabei wird wie bei der Akupunktur blockierte Energie wieder zum Fließen gebracht." Zur Selbsttherapie empfiehlt sie folgende Druckpunkte:

• Dazhui: Liegt unterhalb des siebten Halswirbels auf der Verbindungslinie der Schultern. Senkt man den Kopf, steht ein Fortsatz prominent vor. 10-mal kreisend drücken.

• Fengchi: Etwa auf halber Strecke zwischen Ohrläppchen und Halswirbelsäule, der tiefste Punkt unter der Kante, die der Kopf dort bildet. 30-mal beidseitig kreisend drücken.

• Jianjing: Liegt in der Mitte zwischen siebtem Halswirbel und höchstem Punkt der Schulter. Schlagen Sie mit der Kante einer halb offenen Faust locker 30-mal auf diesen Punkt.

• Quchi: Winkeln Sie einen Arm 90 Grad an, nahe der Armbeuge ertasten Sie am Unterarm innen dann eine Vertiefung direkt am Knochen. Drücken Sie den Punkt in Richtung Knochen, 30-mal kreisend, beidseitig.


4. Experte Prof. Dietrich Grönemeyer

"Bewusste Ernährung für einen gesunden Rücken."

Gesunde Ernährung

Vitamine: Essen hat direkten Einfluss auf unsere Rückengesundheit. - Foto © picture-alliance

"Du bist, was du isst." Auf diese einfache Formel bringt Prof. Dietrich Grönemeyer die Rolle der Ernährung für einen fitten Rücken. Aus seiner Sicht ist ganzheitliche Medizin nicht ohne bewusstes Essen möglich. Dabei setzt Grönemeyer auf Geschmack, Genuss und die hohe Qualität von Produkten aus naturbelassener Umwelt. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass wir durch die Nahrung nicht nur den Zustand der Organe, sondern auch der Knochen, Gelenke und des Bindegewebes beeinflussen können.

In seinem Ratgeber "Mein Rückenbuch" (Goldmann, 336 Seiten, 8,95 Euro) bezeichnet Grönemeyer das Bindegewebe als wichtigstes Medium für den Stoffwechsel. Es wird durchströmt von Nährstoffen, die aus der Nahrung gelösten wurden, und verbindet 60 Billionen Körperzellen, die in ein Fasergerüst eingebettet sind, unsere "Matrix". Ihre Stützelemente bestehen aus dem Eiweiß Kollagen. Um sie stabil zu halten, brauchen wir Kupfer, Zink, Vitamin C. Viel Bewegung macht das Bindegewebe durchlässiger, so kann es Mineralien und Vitamine besser zu Knochen, Knorpeln, Gelenken und Sehnen transportieren.

Ebenfalls gut: Fluor, das knochenaufbauende Zellen stimuliert, Kalzium, das vor Osteoporose schützt, und Mangan, das den Stoffwechsel von Knorpeln und Knochen fördert. Diese brauchen auch Vitamin A, B1, C, D und K. Kohlenhydrate, die wir zu uns nehmen, sollten zur Hälfte aus Vollkorn oder aus Obst stammen – dann liefern sie konstant Energie. Fett ist ebenso ein wichtiger Energielieferant, darf aber nur zu geringen Teilen aus tierischer Nahrung sein. Die wichtigen ungesättigten Fettsäuren könnte der Körper beispielsweise aus Gemüse oder Oliven beziehen. Grönemeyers Credo lautet deshalb: Essen ist Freude – und die mediterrane Küche eine besonders gute Basis dafür!


Schnelle Hilfe fürs Kreuz

Dehnen und strecken: fünf Übungen, die einem gestressten Rücken guttun.

1. Den Oberkörper aufrichten
Die Arme lang nach oben strecken. Die Hände sind dabei verschränkt und nach außen gedreht. 15 Sekunden lang halten.

2. Hals und Nacken entlasten
Das Kinn etwas zur Kehle ziehen. Den Kopf langsam zur linken Schulter neigen. Den Druck mit der Hand verstärken. Seitenwechsel.

3. Rückenmuskeln dehnen
Kinn auf die Brust senken. Die Hände verschränken und nach außen drehen. Arme lang machen, schräg nach vorn unten ziehen, Rücken dabei runden. 15 Sekunden lang halten.

4. Brust und Schulter stärken
Oberkörper gerade nach vorn neigen, Arme seitlich auf Schulterhöhe heben. Danach die Arme nach hinten führen, der Oberkörper bleibt in Position. 15 Sekunden halten, lockern.

5. Korrekte Kopfhaltung üben
Bauch anspannen. Hände über Kreuz auf die Schultern legen. Den Kopf gerade nach hinten ziehen – wie bei einer Schublade. 15 Sekunden halten.

Autor: Susan Junghans-Knoll