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Nackenschmerzen

Röntgen und Operationen sind bei den meisten Beschwerden überflüssig, stattdessen hilft
sanfte Aktivität. - Foto: © picture alliance / Lucenet Patrice/Oredia

Nach einem langen Arbeitstag im Büro

Das tut dem Rücken gut

Kennen Sie das? Sie stehen schnell aus dem Bett auf - schon schießt ein kurzer Schmerz durch Ihren Rücken. Oder: Ein langer Arbeitstag im Büro - und Sie fühlen sich plötzlich so steif, dass Sie sich kaum noch drehen können. Egal ob Hexenschuss, Bandscheibenvorfall, Ischias oder ein unangenehmes Stechen zwischen Nacken und Steißbein: Fast jeder hat schon einmal Erfahrung mit Rückenschmerzen gemacht.

Ursachen von Rückenschmerzen

Akute Rückenschmerzen haben meist einen körperlichen Auslöser: Am häufigsten sitzt die Ursache in der Muskulatur (hier lesen Sie alles über optimalen Muskelaufbau), auf Platz zwei und drei folgen die Gelenke und die Bandscheiben. "Nur zwei bis fünf Prozent der Patienten leiden unter echten Nervenschmerzen, einem sogenannten Ischias-Schmerz, der entsteht, wenn ein Nerv gereizt oder eingeklemmt ist", sagt Dr. Gerd Müller.

Der Orthopäde ist ärztlicher Leiter des Hamburger Rückenzentrums am Michel und einer der Vorsitzenden der EU-Leitlinienkommission, die sich mit der Prävention von Rückenschmerzen beschäftigt. Er weiß: Die meisten Beschwerden entwickeln sich erst im Alter. Denn auch wenn unser Kreuz ein kleines Wunder an Elastizität, Stabilität und Kraft ist, zeigen sich wie bei einem Auto mit den Jahren Verschleißerscheinungen. Die Bandscheiben flachen ab, die Wirbel reiben aufeinander, die Bänder werden schlaff. All das belastet auch die Muskeln, die den Rücken stützen sollen.

Nicht gleich Röntgen

Teure bildgebende Verfahren, etwa im Kernspintomografen oder Röntgengerät, können zwar die Abnutzungen sichtbar machen. Trotzdem sollten Sie sich nicht sofort durchleuchten lassen. "Bei akuten Rückenschmerzen helfen Röntgenaufnahmen fast nie weiter, denn viele der sichtbaren Verschleißerscheinungen machen überhaupt keine Probleme." Bei Patienten über 60 können die Schwarz-Weiß-Bilder allerdings einen Bruch aufgrund von Osteoporose bestätigen oder ausschließen. Ein Kernspin ist nur nötig, wenn Ihr Arzt eine ernsthafte Erkrankung als Ursache vermutet oder Sie starke Schmerzen und Lähmungen in den Beinen spüren.

In den meisten Fällen sind Rückenschmerzen jedoch harmlos. Was dann hilft, ist Aktivität: "Schonung, Bettruhe, Korsetts und Bandagen haben in der modernen Therapie von Rückenleiden ihre Stellung längst verloren", so Müller. "Heute steht vorsichtige Bewegung an erster Stelle, eventuell unterstützt durch Medikamente." Ein warmes Bad, sanftes Dehnen, der Gang zur Massage oder zum Chirotherapeuten können zusätzlich dabei helfen, die Muskeln zu lockern.

"Kinesio-Taping"

Viele Ärzte und Physiotherapeuten arbeiten mittlerweile mit dem sogenannten "Kinesio-Taping". Vor rund 30 Jahren entwickelte der japanische Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase spezielle, hochelastische Pflasterstreifen. "Die Tapes liften und massieren die Haut bei jeder Bewegung, so werden Verspannungen gelöst und der Lymph- und Blutfluss angeregt", erklärt der Rückenexperte. Zudem können entzündungshemmende Schmerzmittel helfen, beweglich zu bleiben. "Um dem Stechen und Drücken zu entgehen, nehmen viele eine Schonhaltung an. Doch die kann den Behandlungserfolg verzögern, weil man dadurch steifer wird und Muskeln abbaut", sagt Dr. Müller.

Physiotherapie

Spätestens wenn die Schmerzen immer wiederkommen oder länger als vier Wochen anhalten, wird der Orthopäde allen Betroffenen eine Physiotherapie ans Herz legen. Auch bei Ischias-Problemen oder einem Bandscheibenvorfall tut sie gut. Die Patienten lernen dort spezielle Übungen, die insbesondere die Muskulatur aufbauen und stärken und Fehlhaltungen korrigieren. "Von Dauer ist der positive Effekt jedoch nur, wenn Sie alle Übungen auch regelmäßig zu Hause wiederholen", warnt Dr. Gerd Müller.

OPs meistens überflüssig

Eine OP ist in den meisten Fällen überflüssig, vor allem dann, wenn Rücken- und nicht Beinschmerzen im Vordergrund stehen. Es gibt aber Fälle, bei denen ein chirurgischer Eingriff sinnvoll ist. Etwa wenn Ihre Beinmuskeln schwächeln, die Beschwerden trotz Behandlung über einen längeren Zeitraum nicht besser werden oder Blase und Darm nicht mehr richtig funktionieren. Dr. Müller beruhigt aber: "Studien zeigen, dass bei 80 Prozent der Patienten die Schmerzen nach spätestens zwei Monaten verschwunden sind."

Autor: Nicole Simon