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TCM-Arzeneien werden für jeden Patienten individuell zubereitet.

Experten raten daher davon ab, sich asiatische Heilmittel selbst im Internet zu beschaffen. TCM-Arzeneien sollten für jeden Patienten individuell zubereitet werden. - Foto © picture-alliance / dpa/dpaweb

Chancen und Risiken

Traditionelle Chinesische Medizin

Barbara Kirschbaum verschreibt eine bittere Medizin. Seit 30 Jahren verordnet die Hamburger Therapeutin für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ihren Patienten Heilkräuter aus dem Fernen Osten. "Ihr Geschmack ist gewöhnungsbedürftig", gibt Kirschbaum zu.

In ihre Praxis kommen Menschen, bei denen eine schulmedizinische Behandlung nicht geholfen hat, oft bei Beschwerden durch eine Autoimmunerkrankung, bei Haut- oder Darmleiden. "Die chinesische Arzneitherapie ist sehr effektiv", sagt Barbara Kirschbaum. Als Leiterin der TCM-Ambulanz am Krankenhaus Jerusalem Hamburg behandelt sie auch Brustkrebspatientinnen, die an schweren Nebenwirkungen einer Chemotherapie leiden, mit chinesischer Medizin.

Chinesische Medizin: gefährlich oder wirksam?

TCM ist in Deutschland die beliebteste asiatische Heilkunde. Nach ihrer Philosophie entstehen Krankheiten, wenn im Körper die Kräfte Yin und Yang in Disharmonie geraten, etwa durch das Wetter, eine falsche Ernährung oder Untätigkeit. Während bei uns vor allem Akupunktur eingesetzt wird, ist in China die Kräutermedizin die wichtigste Behandlung. Doch gerade asiatische Naturarzneien geraten oft in die Kritik. "Heilpflanzen verursachen Krebs", hieß es kürzlich in der Presse in Anlehnung an eine neue Studie aus Taiwan. Dort haben weit verbreitete Präparate mit Aristolochia (Biberkraut) bis zu ihrem Verbot im Jahr 2003 zu erhöhten Krebsraten beigetragen. "Ist das auch in meiner Arznei?", fragen sich besorgt viele TCM-Patienten. Die Antwortet lautet: Nein! Hierzulande darf Aristolochia schon seit den frühen 80er-Jahren nicht mehr in Umlauf gebracht werden, also lange vor dem Einsetzen des TCM-Booms.

Die hohen Anforderungen des deutschen Arzneimittelgesetzes (siehe weiter unten) haben bis heute auch verhindert, dass chinesische Fertigarzneien zugelassen werden, ebenso wenig wie solche aus Indien, Japan und Tibet. Die Mittel werden auf Rezept in Apotheken hergestellt, ganz individuell auf den Patienten zugeschnitten und aus importierten Rohstoffen, deren Unbedenklichkeit geprüft ist. Sie enthalten bis zu 15 verschiedene Heilpflanzen, und in jeder stecken Hunderte von Substanzen.

Harmlos ist die Medizin aus der Natur nicht unbedingt: "Was wirkt, hat stets auch Nebenwirkungen", betont Expertin Kirschbaum und warnt vor einer Selbstbehandlung. TCM-Mediziner mit fundierter Qualifikation findet man über die Societas Medicinae Sinensis (www.tcm.edu), die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur (www.daegfa.de) oder die Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Chinesische Medizin (www.agtcm.de). Die Deutsche Ärztegesellschaft für Ayurveda-Medizin (www.daegam.de) nennt Experten für indische Volksmedizin.

Wirksamkeit von Akupunktur ist wissenschaftlich belegt

Wie aber steht es um den wissenschaftlichen Nachweis für Wirksamkeit und Unbedenklichkeit asiatischer Medizin? "In Indien heißt es: Wir wissen seit 5000 Jahren, dass Ayurveda funktioniert, warum sollen wir es noch wissenschaftlich beweisen?", sagt Dr. Christian Kessler, Internist und Ayurveda-Experte am Berliner Immanuel-Krankenhaus. Doch wenn TCM und Ayurveda ernst genommen werden wollen, müssen auch sie sich wissenschaftlich überprüfen lassen.

Das fordern selbst viele ihrer Befürworter. Allerdings sind Studien über die sehr differenzierten ayurvedischen Behandlungen weit aufwendiger und erheblich komplexer als die Untersuchung isolierter Wirkstoffe. Schon heute belegt ist die Wirksamkeit von Akupunktur bei bestimmten Schmerzsymptomen wie Migräne. Und die bitteren chinesischen Kräuter? Thomas Efferth, Professor für Pharmazie in Mainz, erforscht ihre Wirkungen seit Jahren. Mit vielversprechenden Ergebnissen. Sein Motiv: endlich neue Wirkstoffe gegen Krebs zu finden.


Vorsicht beim Kauf chinesischer Kräuter

Weil asiatische Fertigarzneien in Deutschland nicht zugelassen sind, werden viele Stoffe als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Damit unterliegen sie weniger strengen Auflagen bezüglich einer Schadstoffbelastung. Riskanter noch sind Medikamente aus unbekannten Quellen im Internet. Immer wieder wurde etwa in ayurvedischen Produkten Blei gefunden, das in der indischen Medizin manchmal als Therapeutikum verwendet wird. Ebenfalls gefährlich: TCM-Medikamente, die in betrügerischer Absicht mit Viagra oder Corticoiden vermengt werden. Experten raten daher davon ab, sich asiatische Heilmittel selbst zu beschaffen. Bei einer professionellen TCM- Behandlung darf eine im Ausland zugelassene Fertigmedizin verschrieben werden. TCM-Ärzte können sie auf Einzelanforderung über eine Apotheke bestellen.

Autor: Maike Petersen