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Akupunktur ist fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Akupunktur ist fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin. / Foto: © picture alliance

33 Weisheiten der TMC

Kraftquelle China-Medizin

Ganz oben, nur eine gute Handbreit unter der Decke hängt sie. Alle sollen sie sehen. Blutrot und mit gelbem Stern grüßt sie den Eintretenden, die Nationalflagge der Volksrepublik China. Darunter stehen zwei einfache Holztische, an denen zwei Chinesen ihre wunderschönen Schriftzeichen auf Notizbücher und Zettel malen. Eine Szene aus Asien? Nein, eine aus der deutschen Provinz. Genauer: aus dem tiefsten Bayern, dem kleinen Kurort Bad Kötzting in der Oberpfalz, am Arber gelegen, unweit der tschechischen Grenze. Hier residiert in einem ehemaligen umgebauten Krankenhaus die einzige deutsche Klinik für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), in der – neben dem deutschen Chefarzt Dr. Stefan Hager und seinem Team – vor allem chinesische Mediziner und Professoren federführend in Diagnostik und Therapie arbeiten.

Während man in China zunehmend auf westliche Schulmedizin setzt, weil die mit ihren Pillen angeblich schneller Krankheiten kuriert, vertrauen hierzulande immer mehr Menschen dieser uralten, sanften Methode. 76 Betten bietet die Klinik in Bad Kötzting, die Patienten bleiben im Schnitt drei bis vier Wochen.

Schließlich zahlen Kassen die Behandlung, sofern eine Indikation vorliegt, bei der die TCM helfen kann. Das ist bei rheumatischen Erkrankungen der Fall, bei Migräne, bei Stoffwechselstörungen, bei schwerem Heuschnupfen oder anderen Allergien genauso wie bei Magen- und Darmerkrankungen, Schuppenflechte oder anderen Hautbeschwerden sowie bei Fibromyalgie (chronischen Schmerzen an Muskeln und Gelenken) und dem Burn-out-Syndrom. Die Liste der Erkrankungen ist lang. Im Mutterland der TCM ist sie um ein Vielfaches länger, denn dort behandelt man damit selbst schwerste Leiden, bei denen herkömmliche Schulmedizin oft versagt.

Worin liegt aber die besondere Stärke der TCM? Insbesondere in den Arzneien und der Akupunktur. Erfahrungswissen, das auf
Hightech-Apparaturen verzichtet, ist kostengünstig, effizient und schonend. Mit vielen Parallelen zu anderen Naturheilverfahren wie dem Schröpfen, das auch Pfarrer Kneipp schon kannte, oder der Kräutermedizin, deren Vorreiterin hierzulande Hildegard von Bingen war. Ein so komplexes Heilsystem wie jenes der TCM ist jedoch neben dem indischen Ayurveda weltweit einmalig.

Was das im Detail bedeutet, zeigen die 33 Weisheiten, die HÖRZU für Sie zusammengestellt hat. Befinden sich die beiden Kräfte Yin und Yang im Gleichgewicht und fließt die Lebensenergie Qi gleichmäßig, sind wir gesund. Ist das nicht der Fall, bietet die TCM etwa mit dem Qigong eine Therapiemöglichkeit. In Bad Kötzting gibt es gleich zwei Varianten davon: das aktive und passive Qigong.

Dr. Shengqing Wei von der TCM-Universität Peking ist Spezialist für beide Formen. Jeden Nachmittag macht er mit seinen Patienten Übungen im idyllischen Garten der Klinik. Die langsamen, fließenden Bewegungen bringen das Qi (sprich: "tschi") in den Energiebahnen (Meridianen) zum Fließen. Ganz anders dagegen das passive Qigong. Hier überträgt der Arzt mit seinen Händen Energie auf den Patienten, um Blockaden zu lösen. Dieses Verfahren erinnert an die Methode des "Healing Touch" (heilende Berührung), die in englischen Krankenhäusern praktiziert wird. Oder an das Handauflegen aus dem japanischen Reiki. Die Patienten sind jedenfalls begeistert und berichten über Wärmegefühle, neue Energie, weniger Schmerz und viel größere Beweglichkeit in den Gelenken.

Daneben umfasst die TCM noch Tuina, eine spezielle Meridian- und Reflexpunktmassage, eine besondere Ernährungslehre sowie die bereits erwähnten Akupunktur und Arzneien auf Basis sogenannter Dekokte (Gebräue) aus mehr als 2000 verschiedenen Wurzeln, Blättern, Samen, Tierextrakten und Mineralien. Diese Arzneien sind der wichtigste Therapiebereich der TCM. Jeder Patient erhält davon eine höchst individuelle Mixtur.

Viel schneller soll dagegen die Akupunktur wirken. Letztere Methode ist in Deutschland wissenschaftlich aber noch nicht anerkannt. Doch Forschungsergebnisse zeigen, dass Akupunktur zu einer Ausschüttung von Neurobotenstoffen wie Beta-Endorphinen und opioiden Peptiden (beide schmerzlindernd) sowie Serotonin (stimmungsaufhellend) führt. An 361 Körperpunkten kann der Arzt den Qi-Strom korrigieren. "Ohne Erfahrung und Fingerspitzengefühl", sagt Chefarzt Dr. Stefan Hager "geht bei der Akupunktur nichts." Diese Kunst beherrschen in Deutschland aber nur wenige. Deshalb vertraut er in Bad Kötzting auf das routinierte Können seiner chinesischen Kollegen. Gelernt ist eben gelernt.

Autor: Georg Francken