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Johanniskraut-Globuli sollen bei Depressionen helfen.

Johanniskraut-Globuli - Typische Anwendungsgebiete: Bei Depressionen, bei Schock und Angst, als Folge einer Verletzung, eines Unfalles, dazu Nervosität und Müdigkeit. - Foto © picture alliance / Arco Images GmbH

Chancen & Grenzen

Homöopathie: Was taugt sie wirklich?

Über Globuli-Medizin wird gern gestritten: Die einen glauben an die Heillehre, die anderen halten sie für wirkungslos. Was sagen Experten dazu?

Wenn bei Marianne G. die rechte Schläfe zu pochen beginnt und das Tageslicht in ihren Augen brennt, nimmt sie fünf Kügelchen Apis. Mit Wirkstoffen der Honigbiene hält die Lehrerin ihre Migräne in Schach. Gerald V. lindert seine Kreuzschmerzen mit Bryona, der rotbeerigen Zaunrübe, und ist froh, ein sanftes Mittel gegen seine Beschwerden gefunden zu haben. Aber können Globuli, diese einen Millimeter winzigen Zuckerkugeln, tatsächlich Kopfschmerzen vertreiben, Rückenprobleme bekämpfen, sogar bei Krankheiten wie Erkältungen, Rheuma oder Allergien helfen? Stecken potente Wirkstoffe in ihnen, oder ist es der Glaube an ihre Heilkraft, der Berge versetzt?

Während ihre Anhänger die Homöopathie als Medizin ohne Nebenwirkung preisen, sprechen Kritiker von Hokuspokus und Placeboeffekt. Die Datenlage ist dünn. Zwar gibt es viele Hinweise darauf, dass die Therapie funktioniert. Prof. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, gibt aber zu bedenken: "Auch nach etwa 200 ausgewerteten Studien existieren keine überzeugenden Beweise für die Wirksamkeit der Homöopathie, die über den Effekt eines Scheinmedikaments hinausgehen."

Homöopathie: Kassen tragen die Kosten

Trotzdem ist die Historie der Homöopathie eine Erfolgsgeschichte. 1796 wurde sie vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann etabliert, heute sprechen ihre Zahlen für sich: 25 Prozent aller Deutschen sind überzeugte Anhänger der Lehre, fast zwei Drittel haben zumindest schon einmal versucht, mit Globuli Beschwerden zu kurieren. Jährlich werden laut Bundesverband der Arzneimittelhersteller weltweit zwei Milliarden Euro mit homöopathischen Arzneien umgesetzt – die Hälfte in Europa, allein in Deutschland 388 Millionen Euro.

Inzwischen haben knapp 7000 deutsche Ärzte eine homöopathische Zusatzausbildung. Bereits 100 Kassen übernehmen einen Teil der Kosten: zwar oft nicht jene für die Mittel, aber immerhin jene für die Behandlung. Grundgedanke der Homöopathie ist es, "Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen", erklärt Christoph Trapp vom Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ).

Ein Wespenstich etwa wird mit minimalen Gaben von Bienengift behandelt. Fiebrige Erkältungen mit der Fieber auslösenden Tollkirsche, Magen-Darm-Störungen unter anderem mit der Brechnuss, die bei Gesunden zu Übelkeit führt. Durch die leichte Verstärkung der Beschwerden will man Selbstheilungskräfte des Körpers angeregen. Dazu werden die Substanzen stark verdünnt und verschüttelt. Bei der Potenz D1 ist ein Tropfen eines Wirkstoffs in neun Tropfen Wasser gelöst. Das Mischungsverhältnis der Potenz D9 entspricht der Menge eines Tropfens in einem Tanklaster, bei D23 schwimmt nur noch ein Tropfen im Mittelmeer.

57 % der Deutschen haben schon einmal Globuli ausprobiert

Wie, so fragen Skeptiker, soll ein derart verdünnter Wirkstoff noch Heilkräfte entfalten? "Die Homöopathie erscheint unplausibel, die Entschlüsselung des Wirkprinzips gestaltet sich schwierig. Aber die Heilerfolge sprechen für sich", sagt Christoph Trapp. Und die hätten nichts mit Einbildung zu tun. Der Mediziner weiter: "Königsdisziplin der Homöopathie sind chronische Erkrankungen wie etwa Allergien, Reizmagen, Asthma, Neurodermitis oder Kopfschmerzen. Da stößt die Schulmedizin oft an ihre Grenzen." Aber auch akute Beschwerden wie Erkältungen, Prellungen, Schürfwunden, Insektenstiche oder Reisekrankheit könnten gut homöopathisch behandelt werden – bei eindeutigen Symptomen sogar per Selbstmedikation.

Und wo ist die Behandlung per Globuli nicht angezeigt? "Wenn der Körper so geschwächt ist, dass er äußere Reize nicht mehr aufnehmen kann, wenn Stoffe hinzugefügt werden müssen, etwa Insulin bei Diabetes, oder in lebensbedrohlichen Situationen", sagt Christoph Trapp. Auch Knochenbrüche solle man besser Chirurgen überlassen. Die Homöopathie hat also Grenzen. Ob sie tatsächlich etwas taugt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Vermutlich liegt die Wahrheit in der Mitte. Aber gilt nicht das Motto: Wer heilt, hat recht?


Homöopathie: Die häufigsten Anwendungsgebiete

Sind die Symptome eindeutig, können leichte Beschwerden gut in Eigenregie mit homöopathischen Mitteln behandelt werden. Manchmal ergänzen sie auch schulmedizinische Therapien. Hilfe bei der Wahl der Medikamente findet man zum Beispiel im Internet unter www.welt-der-homoeopathie.de

Beschwerden:
Prellungen, Schürfwunden, Muskelkater, Sportverletzungen.
Mittel:
Arnica (Bergwohlverleih)
Dosierung:
Potenz: D6. Im Akutfall: alle halbe Stunde je 5 Globuli. Danach: dreimal täglich je 5 Globuli.


Beschwerden:
Magen-Darm-Leiden, Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Kater.
Mittel:
Nux vomica (Brechnuss)
Dosierung:
Potenz: D12. In Abhängigkeit von den Beschwerden ein- bis zweimal täglich je 5 Globuli.


Beschwerden:
Erkältung mit Fieber und alle Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich.
Mittel:
Belladonna (Tollkirsche)
Dosierung:
Potenz: D6. Dreimal täglich je 5 Globuli.


Beschwerden:
Wespenstiche, Entzündungen, Hautausschläge, allergische Reaktionen.
Mittel:
Apis (Honigbiene)
Dosierung:
Potenz: D6. Im Akutfall: dreimal je 5 Globuli im Abstand von 30 Minuten. Danach: dreimal täglich je 5 Globuli.


Beschwerden:
Kopfschmerzen, Migräne, Stress, Schwäche.
Mittel:
Gelsemium (Gelber Jasmin)
Dosierung:
Potenz: D4. Ein- bis zweimal täglich 1 bis 2 Globulibuli.


Beschwerden:
Verdauungsstörungen wie Durchfall, Vergiftungen durch Lebensmittel.
Mittel:
Okoubaka (Okoubaka-Baum)
Dosierung:
Potenz: D2. Im Akutfall: stündlich je 3 Globuli. Danach: alle zwei bis drei Stunden je 3 Globuli.


Beschwerden:
Infektanfälligkeit, Verletzungen, Entzündungen jeglicher Art.
Mittel:
Echinacea (Sonnenhut)
Dosierung:
Potenz: D2. Anfangs stündlich, später dreimal täglich je drei Globuli (nicht geeignet für Allergiker).

Autor: Susan Junghans-Knoll