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Wissenschaftlich erwiesen: Das grüne Wunder Wald wirkt auf unsere Gesundheit.

Machen Sie mal wieder einen ausgiebigen Waldspaziergang: Das grüne Wunder wirkt auf unsere Gesundheit. - Foto © picture-alliance / beyond/BreBa

Naturmedizin

Die Heilkraft des Waldes

Die Heilkraft des Waldes: Schon ein Spaziergang im Forst tut uns gut. Seine Früchte aber bieten noch viel mehr wertvolle Substanzen. Wie und wann sie helfen.

Wie wunderbar das duftet! Nach Kräutern und Erde, Tannennadeln und Frische. Und dann diese Farben! Wie viele Grün- und Brauntöne gibt es? Unendlich viele, das sieht man hier. Kein Mensch kann sie zählen. Der Boden fühlt sich weich und freundlich an, heißt jeden Schritt willkommen. Baumstämme knarren, Zweige rascheln, ein Specht hackt dazu fleißig den Takt. Ja, der Wald spricht alle Sinne an. Auch den Geschmackssinn.

Jahrtausendealtes Wissen

Im Frühling, wenn die frischen Kräuter sprießen. Im Sommer, wenn wir Waldbeeren ernten. Im Herbst beim Pilzesammeln. Doch die Früchte des Forstes sorgen nicht nur für Gaumenfreuden, aus ihnen kann man Essenzen und Tees gewinnen, die unsere Gesundheit fördern und diverse Leiden lindern. Schon vor Tausenden von Jahren erkannten Ärzte und Heiler die Wirkung mancher Rinden und Früchte.

Naturmedizin Wald

Licht, Duft, Farben, Klänge, Aromen: Der Wald spricht alle Sinne an. - Foto © picture alliance

Im Mittelalter trieb die Benediktinerin Hildegard von Bingen die Heilkunde voran durch den Einsatz vielfältiger Kräuter und Beeren aus Wald und Wiese. Im 19. Jahrhundert nutzte der Priester Sebastian Kneipp, Erfinder der gleichnamigen Kuren, Eichenrindenextrakt und Hagebutten als Arznei. Davon berichtet das jetzt erschienene Buch "Die Heilkraft des Waldes". Autor Axel Gutjahr verfasste bereits viele Ratgeber zu Naturthemen, etwa "Die Heilkraft der Klosterkräuter". Im aktuellen Handbuch beschreibt er ausführlich die Wirkung der Waldarznei und deren Zubereitung.

Arzneien – selbst gemacht

Das Schönste an der Waldapotheke ist, dass sie völlig ohne künstliche Zusätze auskommt. Und die Zutaten kann man auf Spaziergängen selbst ernten – ganz entspannt und kostenlos. So wird schon der erste Schritt zur Herstellung ein sinnlich-heilendes Erlebnis. Die Beeren, Rinden, Zweige und Blätter, die man gesammelt hat, werden zu Hause gereinigt und mit den eigenen Händen verarbeitet – wobei man noch einmal ganz intensiv ihren Duft genießen kann. Und jedes Mal, wenn man ein wohltuendes oder heilendes Waldmittel anwendet, ein Bad nimmt oder eine Tinktur auf der Haut verreibt, erinnert man sich auch an das wunderbare Erlebnis der Zubereitung.

Detailliert, jedoch leicht verständlich erklärt Axel Gutjahr die Eigenschaften der Bäume und Sträucher im Wald, ihre Beschaffenheit und auch ihre kulturelle Bedeutung. Die Germanen, so der Autor, glaubten beispielsweise, "dass Linden die Wohnstätten guter Geister seien". Bis in die Gegenwart dienen sie in Deutschland als heilige Symbole. Gutjahr schreibt: "Vor manchen Klöstern und Kirchen findet man noch heute sogenannte Apostellinden. Dabei handelt es sich um ehemals gekappte Bäume, die man fortan so schnitt, dass sie zwölf Stark-Äste ausbildeten, welche nach den Aposteln benannt wurden."

Halswickel: Pflanzentinkturen lindern Halsweh und Husten

Dann folgen im Buch Tipps zum Sammeln der Waldfrüchte, Beschreibungen ihrer Wirkung und Rezepte für Tees und Tinkturen, Umschläge, Gesichtsmasken, Bäder und Salben. Ja, selbst Salben kann man selbst herstellen. Das ist weder besonders kompliziert, noch erfordert es spezielle Geräte. Im Ratgeber findet sich etwa das Rezept für eine selbst gemachte Rosskastanien-Lanolin-Creme.

Viele Waldwirkstoffe sind auch für kosmetische Zwecke geeignet. Oder einfach für Entspannungsbäder. Dass Bewegung im Wald der Seele guttut, weiß jeder, der einmal unter einem Laubdach spazieren ging. Geborgenheit, Freiheit und innerer Frieden – solche wohltuenden Gefühle stellen sich ein. Strahlt die Sonne zwischen dichtem Blattwerk hindurch, ist ein faszinierendes Lichterspiel zu beobachten. Wer aus dem beruhigenden Dunkel dichter Tannen plötzlich auf eine Lichtung tritt, spürt Hoffnung oder Dankbarkeit.

Auch entstehen immer mehr Waldfriedhöfe, auf denen alte und junge Bäume als Denkmäler für die Verstorbenen in den Himmel wachsen. Für Hinterbliebene sind es lebendige Orte des Gedenkens, der Liebe und Erhabenheit. Die Körper und Seele stärkende Kraft des Waldes ist auch wissenschaftlich belegt. Forscher der Nippon Medical School in der japanischen Hauptstadt Tokio führten ein scheinbar einfaches Experiment durch: Sie ließen die Teilnehmerinnen, alle Frauen im Alter von 25 bis 43 Jahren, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Wald spazieren gehen. Anschließend stellten sie eine deutdeutlich erhöhte Konzentration und Aktivität sogenannter "natürlicher Killer" im Blut der Probandinnen fest. Alle hatten während der Waldspaziergänge eine verbesserte Krebsabwehr entwickelt, die mehr als sieben Tage nach dem Ausflug anhielt.

Erstaunliche Erkenntnisse

Der Wechselwirkung zwischen Bewegung in der Natur und seelischer Gesundheit widmeten sich britische Wissenschaftler bei einer Meta-Studie – einem Projekt, das die Ergebnisse von zehn Studien mit insgesamt 1252 Teilnehmern nutzte. Die Forscher gelangten zu dem eindeutigen Schluss, dass Aktivitäten in der Natur sowohl das Selbstwertgefühl als auch die Stimmung verbessern. Allerdings entdeckten sie auch, dass Aufenthalte am Wasser noch positiver wirken können.

Wie gut, dass es in Deutschland so viele in Wälder eingebettete Seen gibt. Im vergangenen Jahr veröffentlichten Forscher aus Seoul in Südkorea die Ergebnisse einer Studie, derzufolge Herz-Kreislauf-System und Lunge von Waldausflügen mehr profitieren als von Stadtspaziergängen. Fazit: Wer für seine Hausapotheke im Forst Früchte sammelt, tut seiner Seele etwas Gutes und beugt zugleich Herzinfarkt und Krebsleiden vor. Wer hätte gedacht, dass sich der Wald so als eines unserer vielfältigsten "Heilmittel" erweist.

Autor: Nele-Marie Brüdgam