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Das Heilwissen der Indianer: Jivaro-Indianer in Ecuador.

Die Ureinwohner Amerikas lebten in tiefem Einklang mit der Natur. Unsere Medizin kann viel von ihnen lernen. Hier Jivaro-Indianer in Ecuador bei einem Ritual. - Foto © picture-alliance / dpa

Indianermedizin

Das Heilwissen der Indianer

Ob Aspirin gegen Kopfschmerzen oder Digitalispräparate für das Herz – fast die Hälfte unserer Arzneimittel beruhen auf pflanzlichen oder anderen natürlichen Wirkstoffen. Viele dieser Substanzen wurzeln in der traditionellen Medizin von Naturvölkern, finden dort seit vielen Jahrhunderten Anwendung. Auch den Ureinwohnern Nordamerikas verdanken wir eine Vielzahl von pflanzlichen Helfern (siehe weiter unten), deren Wirksamkeit heute nachgewiesen ist. Das Heilwissen der Indianer ist eingebettet in eine ganzheitliche Weltsicht, die Natur als von Manitou gesandte Kraft und jedes Lebewesen als Einheit von Geist, Seele und Körper begreift.

Ist diese Einheit durch äußere oder innere Einflüsse gestört, versucht die Indianermedizin, die natürliche Balance wiederherzustellen. "Ihre Heilverfahren beruhen darauf, sich mit den Kräften der Natur in Verbindung zu setzen und so das innere Gleichgewicht wiederzufinden", sagt der Ethnomediziner Dr. Ingfried Hobert.

Dies kann unter anderem über die Behandlung mit bestimmten Pflanzen geschehen. So werden Verrenkungen oder äußere Verletzungenbei den amerikanischen Ureinwohnern seit alters her mit einem angewärmten Brei aus Pflanzenteilen des Beinwells behandelt. Herstellerstudien mit dem Beinwellwirkstoff (z. B. "Traumaplant", Apotheke) zeigen, dass er Muskel- und Rückenschmerzen lindert und entzündungshemmend sowie abschwellend wirkt. "Für die Indianer sind bestimmte Pflanzen durchdrungen von Heilkraft, in der wiederum die Schöpferkraft mitschwingt", so Hobert. Diese Kraft wird als ein Geschenk angesehen, das man nicht etwa gedankenlos annimmt, sondern dem man Respekt und Dankbarkeit zollt. "Bevor ein Medizinmann eine Pflanze erntet, verbeugt er sich vor ihr und bedankt sich", erklärt der Experte. Denn in der indianischen Kultur gibt es keine einseitigen Beziehungen zwischen den Dingen der Schöpfung, es herrscht vielmehr die Vorstellung eines gegenseitigen Ausgleichs.

Über 600 indianische Heilkräuter sind von der Schulmedizin inzwischen anerkannt und werden dort auch erfolgreich eingesetzt. Darunter so vertraute Gewächse wie die Kamille oder der Löwenzahn, die bereits in der europäischen Kräuterheilkunde bekannt waren, aber auch so exotische Pflanzen wie die Zaubernuss, auch Hamamelis genannt. In der indianischen Medizin wird sie als blutstillendes Mittel eingesetzt. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass ihr Wirkstoff Juckreiz stoppen, Entzündungen hemmen und kleinere Blutungen stillen kann. In pflanzlichen Salben (z. B. "Hametum", Apotheke) lindert er Beschwerden bei wunder, empfindlicher Haut.

Wo die Schulmedizin rein stofflich orientiert ist und allein auf chemische Reaktionen setzt, berücksichtigt die indianische Medizin auch die spirituellen Zusammenhänge. Denn in ihrer Weltsicht ist alles untrennbar miteinander verwoben, stehen Gemeinschaft und Welt in einem Beziehungssystem, das von sichtbaren und unsichtbaren Handlungen geprägt ist. "Für die Verbindung mit den Urkräften der Natur muss die Heilpflanze daher nicht notwendigerweise geerntet werden", erläutert der Ethnomedizin-Experte Hobert. "Die Indianer können sich im Schlaf mit ihr verbinden oder nehmen ihre Heilkraft über eine Pflanzenmeditation auf."

Eine überaus wichtige Rolle spielen Rituale und Zeremonien. Die Heilverfahren sind ein Zusammenspiel zweier Behandlungsformen. Die äußere Behandlung übernehmen meist die Medizinmänner, weil sie die Pflanzenkundigen sind. Die Wiederherstellung der inneren Mitte dagegen ist Aufgabe der Schamanen. "Die Schamanen sind sozusagen Ärzte, Psychologen und Götterboten in einem", erklärt Ingfried Hobert. Zu den wichtigsten indianischen Heilungsritualen gehört die Reinigungszeremonie. Dabei werden Heilkräuter verbrannt, damit das Räucherfeuer negative Kräfte oder böse Geister vertreibt.

Ein Ritual, das Hobert in abgewandelter Form auch in unserer Kultur sinnvoll findet. "Ich empfehle zum Beispiel, sich nach einem schlechten Tag oder einem unangenehmen Erlebnis von diesen Belastungen bewusst zu befreien", sagt Hobert. Dazu brauche es selbstverständlich kein Räucherritual wie bei den Indianern. "Auch eine Dusche, am besten mit einer besonderen Seife, erzielt den gleichen Effekt." Wichtig sei vor allem die konkrete bildliche Vorstellung, sich von allen negativen Energien zu reinigen.

Auch die indianische Vorstellung eines Kraftplatzes sei für viele Menschen hilfreich. "Indianer haben einen persönlichen Ort, an dem sie sich mit den Kräften der Natur verbinden, der sie stärkt“, so Hobert. Vielen Patienten empfiehlt der Naturmediziner, sich ebenfalls auf die Suche nach einem solchen Kraftplatz zu machen. "Das ist schlicht ein Ort, an dem man sich besser und wohler fühlt als woanders." Im Idealfall sollte dieser Platz draußen in der Natur liegen, vielleicht unter einem Baum, doch er kann sich auch in der Wohnung befinden. "Wer diesen persönlichen Kraftplatz regelmäßig aufsucht, belebt sein Energiesystem und aktiviert Selbstheilungskräfte", sagt Hobert. Dass genau sie entscheidend für jeden Genesungsprozess sind, ist mittlerweile auch in der westlichen Medizin unbestritten.


Heilwissen der Indianer: zehn Rezepte der Medizinmänner

1. Beinwell
Die Heiler verwenden Tees, Salben und Pulver gegen Anämie, Bronchitis, Verstauchung, Arthritis.

2. Hamamelis
Ein Sud aus Rinde oder Blättern der Zaubernuss wird zur besseren Wundheilung aufgetragen.

3. Lapacho
Gilt als "Baum des Lebens". Tee aus seiner Rinde wirkt antibakteriell und ist zudem gut gegen Bluthochdruck.

4. Cayenne
Fördert die Durchblutung und unterstützt die Verdauung. Eine Prise in den Schuhen wärmt die Füße.

5. Weidenrinde
Ein Brei aus Weidenrinde lindert Kopfschmerzen. Der Wirkstoff Salicylsäure steckt in Aspirin.

6. Kürbis
Die Kerne werden bei Nierenproblemen gekaut. Wir nutzen sie bei Blasen- und Prostatabeschwerden.

7. Aloe vera
Aus den Wurzeln und Blättern stellen die Heiler eine Salbe gegen Brandwunden her.

8. Mais
Gilt bei den Indianern als Allheilmittel gegen Durchfall, Fieber und Herz-Kreislauf-Probleme.

9. Lebensbaum
Ein Brei seiner Blätter lindert Schwellungen. In der Homöopathie: zur Abwehrstärkung.

10. Sonnenhut
Die Blätter dienen als Wundpflaster, der Tee wird getrunken, um Entzündungen vorzubeugen.

Autor: Georg Francken