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Ein guter Arzt hört zu und nimmt sich Zeit für den Patienten.

Ein guter Arzt klärt Sie vollständig und verständlich über die Diagnose und die Behandlung auf. - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Plus: Das sind Ihre Rechte als Patient

So finden Sie den besten Arzt

Melanie Müller ist angespannt. Und sehr unruhig. Sie sitzt mal wieder im Wartezimmer ihres Hausarztes und fragt sich, was jetzt wohl als Nächstes kommt. Der Mediziner hat sie erst zum Kardiologen geschickt, dann zum Lungenfacharzt. Beide fanden nichts. Alles sei in Ordnung, sagten sie. Dabei war die 55-Jährige seit Wochen kurzatmig, bekam kaum Luft, weder beim Sport noch in Ruhe. Niemand konnte ihr sagen, woran das lag.

Wie die Frankfurter Bankkauffrau durchleben viele Patienten eine wahre Ärzte-Odyssee. Dabei treibt alle nur eine Frage an: Wo finde ich den besten Arzt für meine Beschwerden, einen, der schnell die richtige Diagnose stellt und dann die optimale Therapie wählt? Ein Blick ins Telefonbuch nützt ihnen kaum, denn Informationen über die Qualität niedergelassener Ärzte findet man dort nicht. Hilfreicher wäre ein Blick in die Praxis eines Mediziners, denn die kann einiges über seine Qualität verraten: Ein überfüllter Warteraum, lange Wartezeiten und genervtes, überfordertes Personal sprechen nicht für gutes Praxis-Management – und damit nicht für die Kompetenz des Arztes.

Der erste Eindruck kann durchaus bei der Suche helfen: Wie wirken die Räume? Sind sie sauber und liebevoll eingerichtet? Liegen im Wartezimmer Zeitschriften aus – oder nur Werbebroschüren von Pharmafirmen? Wie lang ist die Wartezeit? Wird der Patient frostig empfangen, ist es wahrscheinlich, dass er auch später mit dem Arzt nicht ganz zufrieden sein wird. Denn wer krank ist, fühlt sich oft hilflos und verunsichert, er braucht ein Gegenüber, das seine Sorgen ernst nimmt und Mitgefühl zeigt. "Ein sicheres Zeichen dafür ist, dass der Arzt dem Patienten zuhört und ihn während des Gesprächs ansieht statt in der Krankenakte zu blättern", sagt Dr. Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

"Zudem sollte der Arzt dem Patienten genau und verständlich erklären können, woran dieser leidet, welche Therapien es gibt und wie die Medikamente wirken. Hat der Patient etwas nicht verstanden, sollte er keine Scheu haben nachzufragen. Ein guter Arzt wird sich auch nicht gekränkt fühlen oder verärgert sein, wenn man einen weiteren Fachmann um Rat fragen möchte. Auch die Krankenakte wird er jederzeit zur Einsicht aushändigen.“ Doch sagen solche Kriterien auch etwas über fachliche Kompetenz aus? "Man kann zumindest davon ausgehen", so Stahl, "dass ein Mediziner, der seine Praxis gut organisiert und vertrauensvoll mit seinen Patienten umgeht, auch entsprechend kompetent ist." Händigt er am Ende der Untersuchung dem Patienten nur kommentarlos das Rezept aus, zeigt selbst ein gut ausgebildeter Experte Unvermögen: soziale Inkompetenz.

Viele Menschen geben sich heute nicht mehr mit einer rein schulmedizinischen Behandlung zufrieden. Sie wollen mehr für sich und ihren Körper tun. "Fast 60 Prozent der Bevölkerung nutzen Naturheilverfahren", berichtet Claudia Witt, Professorin für Komplementärmedizin an der Berliner Charité. "15 Prozent von ihnen wählen Homöopathie, mehr als zehn Prozent Akupunktur", ergänzt die Expertin. Daher würden immer mehr Ärzte solche Behandlungen anbieten. Neben ihrer Facharztausbildung können sie dafür Zusatzqualifikationen in Homöopathie, Akupunktur und Naturheilverfahren erwerben. Aber wer kann beurteilen, wann Kräuter, Massagen oder Nadeln am besten helfen? Das ist schwer zu sagen, denn kein Experte beherrscht alle Verfahren. "Wichtig ist", so Witt, "dass Ärzte bei der Wahl der Therapie wissenschaftliche Ergebnisse berücksichtigen und viel Erfahrung mit der Anwendung haben."

Autor: Nicole Simon