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Gefährlicher Behandlungsfehler: eine vertauschte Bluttransfusion

Gefährlicher Behandlungsfehler: Eine vertauschte Bluttransfusion kann für den Patienten tödlich enden. / Foto: © Dr. Martin Baumgärtner/OKAPIA

Beugen Sie Behandlungsfehlern vor

Ärztefehler: So schützen Sie sich als Patient

Eigentlich hatte er alles überstanden. Die Bypass-Operation war gut verlaufen, es gab keine Komplikationen. Nun sollte nur noch eine Bluttransfusion erfolgen, um seinem Körper neue Energie zu geben. 30 Minuten später war Rudolf Eich tot. Grund: Die Transfusion stimmte nicht mit der Blutgruppe des 75-Jährigen überein, seine Blutkörperchen verklumpten und platzten.

Geschichten wie diese sind kein Einzelfall, sondern traurige Realität an deutschen Kliniken. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat kürzlich sämtliche Studien ausgewertet, die sich Behandlungsfehlern widmen. Das niederschmetternde Ergebnis: "Bei jährlich 17 Millionen Krankenhauspatienten kommt es 500.000 Mal zu Behandlungsfehlern", sagt Professor Matthias Schrappe, Direktor des Instituts für Patientensicherheit an der Universität Bonn.

17.000 Todesfälle ließen sich jedes Jahr vermeiden

Und in den Praxen sieht es nicht viel besser aus: Knapp 40 Prozent der niedergelassenen Ärzte gestanden in einer anonymen Umfrage, mindestens einmal im Jahr riskante Fehler zu machen. Dabei gilt für Ärzte noch immer der Grundsatz: Primum nil nocere – zuerst einmal nicht schaden.

Trotzdem nimmt der Pfusch zu. Die Gründe dafür sind vielfältig: Übermüdete Ärzte, Personalmangel, die hohe Arbeitsbelastung und der Zwang, schnelle Entscheidungen fällen zu müssen, führen immer wieder zu menschlichem Versagen. Die Liste der Verfehlungen ist lang: Da wird Operationsbesteck im Patienten vergessen, da werden Krankenakten vertauscht oder Medikamente falsch dosiert. Dazu kommt der übermenschliche Zeitdruck, der den Medizinern kaum Raum lässt, die Symptome richtig zu deuten. Fehldiagnosen sind dann zwangsläufig.

Zwei US-Forscher haben kürzlich die Fehlerquote von Fachärzten genau analysiert. Im Bereich der Pathologie, Radiologie oder Dermatologie liegen diese nach Berechnungen von Eta Berner von der University of Alabama und Mark Graber von der State University of New York in etwa fünf Prozent der Fälle daneben. Fehlerraten von sogar über zehn Prozent gebe es beim Lesen von Röntgenbildern.

In den meisten Fällen ist jedoch nicht das Versagen eines Einzelnen schuld an den Behandlungsfehlern. "Viel häufiger führen fehlende Absprachen zu unglücklichen Komplikationen. Zum Beispiel, wenn die OP-Schwester nicht verstanden hat, dass sie dafür zuständig ist, dem Patienten nach dem Eingriff ein bestimmtes Medikament zu verabreichen", kritisiert Matthias Schrappe. Ein klarer Fall von ärztlichem Missmanagement.

Dazu zählen für den Experten auch unleserliche Notizen in der Krankenakte oder simple Rechenfehler: "All das kann schwerwiegende Folgen haben, wenn es etwa um die Wirkstoffkonzentration für eine Infusion geht." Daher sei es wichtig, Arbeitsschritte zu planen, Aufgaben im Vorfeld zu verteilen, selbst das Undenkbare zu durchdenken. "Checklisten, wie sie die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, machen zwar keinen Spaß, können aber helfen, solch gravierenden Fehler zu vermeiden", so Schrappe.

Einige deutsche Krankenhäuser haben diese bereits eingeführt – wie auch weitere Schutzmaßnahmen: Gemeinsame Analysen von Zwischenfällen machen etwa auf Fehlerherde aufmerksam. Im Tübinger Patientensicherheits- und Simulationszentrum (TüPASS) lernen Ärzte sogar in Trainingsprogrammen – ähnlich wie Piloten im Flugsimulator – , chaotische Situationen im Operationssaal zu meistern.

Doch auch Patienten können viel zu ihrer eigenen Sicherheit beitragen, etwa indem sie sich einmischen, nachfragen und Therapieentscheidungen nicht klaglos akzeptieren. "Waren die Tabletten gestern noch grün, und heute sind sie gelb, sollte man sich umgehend nach dem Grund erkundigen", empfiehlt Prof. Schrappe.

Autor: Nicole Simon