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Versteckte Preiserhöhungen: Weniger Inhalt fürs gleiche Geld.

Versteckte Preiserhöhung: Pampers-Hersteller Procter & Gamble. Windeln der Größe 4 gibt es heute im 37er- Pack, vorher waren es 40, früher sogar 44 und davor 47. - Foto © - Foto © picture-alliance/ dpa/dpaweb

Versteckte Preiserhöhungen

Vorsicht, Verpackungsfallen

Hanuta verspricht einen "verbesserten Aromaschutz" der neuen Mehrfachpackung – doch anstatt zwölf luftdicht verschweißter Haselnussschnitten sind nur noch zehn Stück drin. Schwund auch bei den Mars-Schokoriegeln: Statt sechs sind nur noch fünf im Sammelpack. Subtiler treibt’s da der Leerdammer- Hersteller: Im "Vorteilspack" sind nach wie vor 14 Scheiben, nur sind die jetzt dünner geschnitten: Das Pack ist 70 Gramm leichter – den Vorteil hat die Käserei.

Preiserhöhungen sind unangenehm – aber wenigstens ehrlich. Wenn die Rohstoffpreise steigen und die Tafel Schokolade einen Euro kostet statt 90 Cent, ist das zwar ärgerlich, aber zumindest transparent. Doch wenn der Preis gleich bleibt, aber in der Packung plötzlich Schwindsucht herrscht, fühlt sich der aufmerksame Verbraucher betrogen.

Immer wieder neue Tricks

Die Verbraucherzentrale Hamburg sammelt seit sieben Jahren solche versteckten Preiserhöhungen in einer Liste, die im Internet abrufbar ist (www.vzhh.de). Die Hamburger Verbraucherschützer sind bundesweite Anlaufstelle für Beschwerden über versteckte Preiserhöhungen. Tausende Verbraucher melden sie ihnen. VZHH-Sprecher Armin Valet: "Wir prüfen die Hinweise, oft bitten wir auch die Hersteller um eine Stellungnahme." Manche sind einschlägig bekannte Mehrfachtäter wie etwa der Pampers-Hersteller Procter & Gamble. Windeln der Größe 4 gibt es heute im 37er- Pack, vorher waren es 40, früher sogar 44 und davor 47. "Sie begründen es mit Produktverbesserungen. Aber wenn das so weitergeht, werden die Windeln im Jahr 2035 einzeln verkauft", lästert Experte Valet.

Trotz jahrelanger Erfahrung ist Armin Valet immer wieder über die Kreativität der Hersteller erstaunt: "Mitunter sind die einzelnen Teile in einem Mehrfachpack etwas kleiner als das einzeln verkaufte Produkt." So ist ein Twix im Fünferpack 50 Gramm schwer, ein einzeln abgepacktes aber 58 Gramm. Die Begründung des Herstellers: Der Einzelriegel sei für den Spontankonsum gedacht, der Fünferpack dagegen als Vorrat. Mit den unterschiedlichen Riegelgrößen ermögliche man unterschiedliche "Schokomomente".

Marketingstrategen erscheinen solche Begründungen vielleicht logisch, Verbrauchern aber in den meisten Fällen bestimmt nicht. Noch ein originelles Beispiel: In der Flasche mit dem Kraft-Gel-Konzentrat von Pril ist zwar immer noch das Gleiche drin, aber es kommt mehr raus: "Die Öffnung wurde vergrößert, die Dosierempfehlung von zwei auf drei Milliliter pro fünf Liter Wasser erhöht", sagt Valet. Man sei damit nur Kundenwünschen nachgekommen, meint der Hersteller Henkel. Verbraucher hätten sich beschwert, dass Produktreste die Öffnung verklebten und zwei Milliliter einfach zu wenig Spülkraft hätten.

Verdeckte Preiserhöhungen fast ausschließlich bei Markenware

Nur mag Valet nicht glauben, dass so erstaunlich viele Pril-Spüler so erstaunlich exakt das Mittel abmessen. Dabei besitzt eine solche Argumentation einen gewissen Charme und bietet sich auch für andere Produkte an: Vielleicht haben sich die Käufer des Lion-Schokoriegels beschwert, dass er ihnen zu mächtig ist, und drei Gramm weniger gefordert. Vielleicht will Langnese seinen Kunden Kalorien ersparen und hat sein Magnum-Eis deshalb um zehn Gramm leichter gemacht. Sind am Ende nur noch drei statt vier Swiffer-Staubmagnete in der Packung, damit sich die Käufer beim Hausputz nicht völlig verausgaben? "Äußerst unwahrscheinlich", sagt Experte Armin Valet und lacht herzhaft. "Es ist recht eindeutig, dass es nur darum geht, Rohstoffkosten zu sparen."

Auffällig: Die Hinweise auf verdeckte Preiserhöhungen betreffen fast ausschließlich Markenware – also Produkte, zu denen die Käufer eine ganz besondere Vertrauensbeziehung aufgebaut haben: "Dieses Vertrauen wird gnadenlos ausgenutzt", sagt der Verbraucherschützer. Je bekannter die Marke, desto größer ist die Zuversicht des Herstellers, dass der Käufer ihm die kleine Schummelei schon verzeihen wird. Valet: "Ich kann allen Käufern immer wieder nur raten, wann immer möglich auf Alternativen auszuweichen. Nur so können sie die Hersteller zu einem Umdenken bewegen. Auch die Tests der Stiftung Warentest bestätigen immer wieder, dass sich viele namenlose Produkte qualitativ nicht verstecken müssen.“

Nichts gefallen lassen

Ein weiterer Verpackungstrick heißt: mehr drin, aber übermäßig teuer. So hat Colgate Palmolive die Flaschen von Ultra Palmolive von 500 auf 600 Milliliter vergrößert. Für 20 Prozent mehr Inhalt würde man sicherlich auch klaglos 20 Prozent mehr zahlen. Tatsächlich erhöhte sich der von der Verbraucherzentrale ermittelte Preis von 85 Cent auf 1,65 Euro – und das entspricht einer Preiserhöhung von satten 61,7 Prozent. "Wir ermuntern die Kunden immer wieder, auch beim Hersteller nachzufassen", rät Valet.

Dass das durchaus Erfolg haben kann, beweist das Schlemmerfilet von Iglo. Vor ein paar Jahren sank der Fischanteil bei 380 Gramm Füllmenge von 70 auf 52 Prozent – eine Preiserhöhung des Fischanteils von 34,6 Prozent. Nun ist die alte Variante wieder im Handel und wird mit dem Zusatz "Classic" verkauft. Ach ja: Von Hanuta ist gerade ein Aktionspack im Handel – mit zehn Stück und einem elften, das als "gratis" beworben wird. Jetzt fehlt nur noch eines!

Autor: Thomas Röbke