HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Gold to go: Neuerdings kann Gold auch an Automaten gezogen werden.

Gold to go: Neuerdings kann Gold auch an Automaten gezogen werden. - Foto © picture alliance / dpa

HÖRZU-Finanzkalender 2011

So schützen Sie ihr Geld

Ein Juwelierladen mitten in Reutlingen. Hubertus Waurick betritt das Geschäft und geht zielstrebig auf einen Automaten zu, der etwas versteckt im hinteren Ladenteil steht. "Gold to go" steht auf dem mannshohen Kasten: "Gold zum Mitnehmen". Über einen berührungsempfindlichen Bildschirm wählt der 50-jährige Versicherungskaufmann einen Barren mit einem Gewicht von einem Gramm. 44 Euro verlangt die Maschine dafür. Alle zehn Minuten aktualisiert sie ihre Preise über eine Internetverbindung. Hypermodern und trendy. Doch was Waurick dann beim Hinausgehen sagt, klingt eher nach Steinzeit: "Vielleicht", so sinniert er, "brauche ich das Gold ja irgendwann, um es gegen Brennholz einzutauschen – so wie mein Großvater nach dem Krieg."

Da ist sie: Die Urangst ums Geld, die uns Deutschen in die Wiege gelegt zu sein scheint. Im vergangenen Dezember erhielt sie jeden Abend neue Nahrung – in den Talkshows: "Heute sehe ich meinen Einsatz für den Euro als größte Fehleinschätzung meiner beruflichen Laufbahn", schwadronierte bei "Anne Will" etwa Hans-Olaf Henkel, ehemals "Boss der Bosse" beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

Max Otte, Ökonomieprofessor aus Worms, behauptete bei "Hart aber fair": "Der Euro ist und bleibt ökonomischer Unsinn." Und eine ältere Frau, die in die Sendung eingespielt wurde, sagte geradezu flehend: "Ich wünschte, das Rad würde zurückgedreht, alles wäre wie früher mit der D-Mark." Derart negativ "munitioniert", beschleicht immer mehr Deutsche die Angst um ihr Vermögen. Von solchen Gefühlslagen profitiert Thomas Geissler, der Erfinder des schicken Goldautomaten. "Er ist unsere Antwort auf die Euro-Krise", sagt der 50-Jährige von der Betreiberfirma Ex Oriente Lux.

Flucht in Immobilien

Seine Kästen stellt er derzeit überall in Deutschland auf. Und zwar nicht etwa nur bei Juwelieren und Banken, sondern auch in Einkaufszentren wie am Limbecker Platz in Essen oder in den Galeries Lafayette in Berlin. Bis Ende 2011 möchte er auf 50 Standorte kommen. "Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles", zitiert Geissler aus Goethes "Faust". Auch die Immobilienbranche gehört zu den großen Gewinnern der Euro-Angst: Zumindest in Großstädten werden Wohnungen und Häuser in begehrten Lagen knapp. "Ich habe im Internet monatelang Verkaufsangebote aus meinem Stadtteil studiert", sagt die Hamburgerin Petra Rosenberg. "Nachdem sich lange Zeit nichts bewegte, ging in den letzten Wochen dann eine Immobilie nach der anderen weg."

Nachschub aus dem Bestand kommt derzeit kaum hinzu, was nicht überrascht: Wer als Verkäufer fürchten muss, dass seine erlösten Euros hinterher wertlos sind, wartet verständlicherweise erst mal ab. Aber wie realistisch sind solche Ängste eigentlich? Droht dem Euro wirklich der Kollaps? "Hundertprozentig ausschließen kann das natürlich keiner. Die Lage ist kritisch", meint Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank. "Aber unsere Politiker tun alles, um den Zusammenbruch zu verhindern." Die größte Gefahr liegt seiner Meinung nach anderswo: Die Inflation kehrt zurück! Und sie macht unser Erspartes schleichend wertlos.

Gemüse wird Luxusware

Einen Vorgeschmack darauf bekamen wir am 9. Dezember. An diesem Donnerstag veröffentlichte das Statistische Bundesamt den Anstieg der Verbraucherpreise im November: Mit plus 1,5 Prozent erreichte der Index den höchsten Stand seit zwei Jahren. "Preistreiber waren nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Strom, Benzin und Heizöl", sagt n-tv-Börsenexperte Raimund Brichta. "Auch Lebensmittel und Kleidung gehörten diesmal dazu." So verteuerte sich Gemüse um 12,8 Prozent, Butter um 12,4, Obst um 10,0 sowie Kleidung und Schuhe um 2,7 Prozent. "Eines zeigen die Zahlen überdeutlich", sagt Brichta. "Die Inflation ist längst da."

Ihr unermüdlich den Kampf anzusagen ist die Aufgabe von Antonio Sommese, Finanzcoach aus Mainz. Heute ist Maria Schwer beim ihm. Die geschiedene Mutter zweier Töchter befürchtet, dass die Inflation ihr die Ersparnisse nehmen könnte. "Ich bin auf das Geld angewiesen, benötige es als Zubrot zur gesetzlichen Rente", sagt die gelernte Industriekauffrau. Sommese rät der 54-Jährigen, die halbtags an der Volkshochschule arbeitet, das Depot mit Sachwerten sicherer zu machen. "Bevor ich mein Vermögen in professionelle Hände gab, hatte ich nur Tagesgeld, weil mir andere Finanzprodukte nicht geheuer waren." Nun wird ihr Geld auf Rohstoffe, Immobilien und Aktien verteilt, so das Risiko gestreut. "Insgesamt fahre ich damit sehr gut", sagt Maria Schwer zufrieden.

der Rat eines Visionärs

Zum Umstieg auf Sachwerte rät auch Claus Vogt, früher Chefvolkswirt der Berliner Quirin Bank. "Geldvermögen wird in acht Jahren nur noch die Hälfte wert sein", warnt der 47-Jährige. "Millionen Bürger werden so enteignet, um die Frucht ihrer Arbeit gebracht." Es drohe Altersarmut in großem Stil. Vogts Unkenrufe würden wohl nur wenige beachten, hätte er nicht schon mehrfach richtig gelegen. Ein Beispiel: Als die Börse Alan Greenspan, den langjährigen Notenbankchef der USA, noch als Genie feierte, schrieb Vogt bereits ein Buch darüber, wie dessen "Politik des billigen Geldes" das Währungssystem aus den Angeln hob. Heute gilt Greenspans Strategie tatsächlich als einer der Hauptgründe für die folgende Finanzkrise. Die Erkenntnisse, die Vogt als Chefvolkswirt der Quirin Bank gewinnen konnte, stellt er nun in den Dienst der Anleger: In München hat er mit zwei Kollegen die Beratungsfirma Aequitas Capital Partners gegründet, die Vermögen sehr sicherheitsorientiert verwaltet. Vogt: "Die Leute rennen uns die Bude ein."

Peter Kraus verwaltet seine Ersparnisse lieber in Eigenregie. Der 28-jährige, der im hessischen Riedstadt im Einwohnermeldeamt arbeitet, setzt ausschließlich auf Sachwerte – und zwar auf Aktien. "Dahinter steckt echte Substanz, die ich anfassen und bewerten kann", preist Kraus die Vorteile. Um zu vermeiden, dass ihm einzelne Papiere die Bilanz verhageln, kauft er Investmentfonds. Höchstens zehn Prozent dürfen diese in ein und dieselbe Aktie investieren. Dadurch besitzt jeder Fonds quasi einen Rettungsschirm, kann "Ausrutscher" leichter verkraften.

Peter Kraus scheint die richtigen Anlagen gefunden zu haben: Sogar das Geld seiner Freundin darf er mittlerweile vermehren. Sie vertraue ihm blind, sagt er. Gute Nachricht für jene, die bislang keine Inflationsvorsorge getroffen haben: Es ist nicht zu spät. "Noch kann jeder gegensteuern und sein Geld retten", sagt Finanzcoach Sommese. Doch welche Produkte schützen derzeit am besten vor der Geldentwertung? HÖRZU befragte renommierte Experten. Ihre aufschlussreichen Antworten finden Sie auf der nächsten Seite. Hubertus Waurick hat vorige Woche übrigens noch mal Gold am Automaten gezogen. Diesmal kostete der Barren bereits zwei Euro mehr. Goldige Zeiten, wie es scheint.

Autor: Stefan Vogt