HÖRZU Android Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU iOS Logo
HÖRZU
TV-Programm
kostenlose App
Get it on Google Play
HÖRZU Logo
Unterhaltung Filter
Kategorie einstellen
Richtig Geld anlegen / Foto © Nicolas Eveleigh, Getty Images

Guter Rat zum Thema Geldanlage / Foto © Nicolas Eveleigh, Getty Images

Tipps vom Finanzexperten

So legen Sie Ihr Geld richtig an

Millionen Sparer möchten ihr Vermögen retten. Aber wie? In HÖRZU gibt Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen exklusiv Tipps zur aktuellen Lage auf dem Finanzmarkt.

Es ist zum Haare raufen! Seit Ausbruch der Finanzkrise hat jeder Bundesbürger durchschnittlich 2450 Euro verloren. Und zwar durch entgangene Sparzinsen infolge der Niedrigzins-Rettungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

2450 Euro! Ein hübsches Sümmchen also, mit dem man sich ein paar tolle Wünsche hätte erfüllen können. Doch damit nicht genug: Im vergangenen März folgte der nächste geldpolitische Trauerakt: Die EZB senkte ihren Leitzins auf null Prozent – Banken können sich Geld nun quasi zum Nulltarif leihen. Sparer bekamen postwendend die Rechnung dafür präsentiert. Heißt: noch mickrigere Zinsen auf ihre Guthaben – beim Tagesgeld etwa oft unter 0,1 Prozent!

Was vielen Menschen beim Anblick ihrer Kontoauszüge die Zornesröte ins Gesicht treibt: Banken, die sich durch versteckte Gebühren oder Wucherzinsen beim Dispo ungeniert bedienen. Und so suchen Millionen Sparer händeringend nach rentablen und sicheren Geldanlagen – mit dem unsicheren Gefühl der eigenen Machtlosigkeit. Schließlich drohen langfristig Löcher in der Altersvorsorge, die Rücklagen der Sozialversicherungssysteme schmelzen. Wo soll das enden? Und lohnt sich Sparen überhaupt noch? Hermann-Josef Tenhagen, Finanzexperte Mehr Infos: beim Online-Verbrauchermagazin Finanztip.de, gibt wichtige Ratschläge.

Düstere Sparaussichten?

Gerade wenn die Zinsen niedrig sind, lohnt es sich, beim Sparen genau hinzusehen. Das geht schon beim Girokonto los: Die Sparkasse Herford etwa verlangt für das „MeinGiroPremium“ 13,90 Euro Grundgebühr pro Monat – Extras können noch hinzukommen! Wer ein solches Kontomodell nicht braucht, sollte wechseln. Ein sparsames Girokonto kostet fast nichts. Wer stattdessen ein kostenloses Onlinekonto nutzt, spart pro Jahr bis zu 150 Euro.

Und das Tagesgeldkonto? Der Liebling vieler Sparer wirft seit geraumer Zeit kaum noch etwas ab. Dennoch lohnt es sich, das Tagesgeldkonto zu optimieren. Wer hier zwei bis drei Monatseinkommen parkt, muss nie in den teuren Dispo. Das bedeutet: nie mehr 10 Prozent Zinsen für einen Kredit bezahlen! Die eingesparten Dispozinsen sind dann schon Rendite, womöglich mehr als 10 Prozent – sicher steuerfrei! Bei den Habenzinsen garantiert die ING DiBa Neukunden vier Monate lang 1 Prozent Zinsen, bei der Direktbank MoneYou erhalten Tagesgeldkunden 0,85 Prozent. 1 Prozent für das Tagesgeld bringen immerhin 100 Euro Zinsen für 10.000 Euro! Der Standardzins von 0,01 Prozent bei vielen Hausbanken wirft dagegen nur einen Euro Zins ab. Die richtige Wahl bedeutet hier: 100-mal mehr Zinsen!

»» VERLUSTRISIKO

Viele unseriöse Anlagevermittler bereichern sich an Kundengeldern. Vorsicht ist vor allem geboten, wenn die Anlage bei unbekannten Unternehmen erfolgen soll. Sie bewegen sich oft auf dem grauen Kapitalmarkt und unterliegen keiner Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden.

»» NACHSCHUSSRISIKO

Bei riskanten Anlageprodukten laufen Anleger Gefahr, dass sie nicht nur ihr eingesetztes Geld verlieren, sondern noch zu Nachzahlungen verpflichtet werden. Dieses Risiko besteht etwa bei geschlossenen Fonds am grauen Kapitalmarkt.

»» KURSRISIKO

Gefahren ergeben sich nicht nur durch unzuverlässige Anbieter. Auch bei ungünstiger Entwicklung des Kurses von Wertpapieren oder Währungen drohen Verluste. Sinkt der Kurs, vermindert sich auch der Wert einer Aktie.

»» WÄHRUNGSRISIKO

Vorsicht bei Geldanlagen in einer Fremdwährung! Fällt der Kurs gegenüber dem Euro, bekommen Betroffene den Anlagebetrag zwar meist zurück – beim Umtausch in Euro drohen aber Einbußen!

Löcher in der Altersvorsorge

Schwieriger ist die Situation bei der Altersvorsorge. Früher waren die Zinsen beim langfristigen Sparen immer höher als die Inflation – das ist heute nicht mehr gewährleistet. Auch hier gilt deshalb: Angebote vergleichen! Wer das tut, stellt schnell fest, dass alte Lebensversicherungsverträge mit 3,25 oder gar vier Prozent Garantiezinsen heute ein Schnäppchen sind. Das Gleiche gilt für manch alten Bausparvertrag. Nicht ohne Grund versuchen viele Bausparkassen gerade, ihre Kunden aus diesen Verträgen hinauszudrängen. Die hohen Überschüsse, mitunter bis zu 7 Prozent Verzinsung, die die Vertriebsmitarbeiter der Versicherungen ihren Kunden vor Jahren versprochen haben, bleiben allerdings ein Traum.

Riester als Alternative

Neue langfristige Sparverträge abschließen? Sie lohnen sich vor allem für Personen, die durch eine Förderung profitieren. Sprich: im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge oder im Rahmen eines Riester-Vertrags. Ende 2015 gab es laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales rund 16 Millionen Riester-Verträge. Doch Riestern steht massiv in der Kritik – das verunsichert. Ist Riestern noch empfehlenswert?

Eines der einfachsten Produkte, der Riester-Banksparplan, wird von Verbrauchern kaum noch beachtet. Er eignet sich besonders für diejenigen, die nur noch 15 Jahre bis zur Rente haben. Im Test von zehn bundesweit erhältlichen Banksparplänen schneidet das Angebot der Volksbank Gronau-Ahaus am besten ab. Es bringt 0,25 Prozent Rendite – und bei langfristigem Sparen mehr als zwei Prozent Förderung pro Jahr. Groß wird der Druck auch für Privatversicherte. Sie sparen in jungen Jahren Geld an, damit die Beiträge zur privaten Krankenversicherung im Alter nicht aus dem Ruder laufen. Bringen diese Ersparnisse, aktuell etwa 200 Milliarden Euro, keine Zinsen, steigen die Krankenversicherungsbeiträge deutlich.


Foto © Getty Images

Einen ersten Beitragsschock gab es für Hunderttausende von Privatversicherten im Frühjahr: Bei der DKV, Deutschlands zweitgrößtem privatem Krankenversicherer, stiegen die Beiträge teilweise um bis zu 130 Euro pro Monat! Doch was tun? Tipp: Unabhängige Dienstleister wie Minerva oder Verssulting helfen gegen Gebühr bei der Suche nach günstigen Tarifen. Sind die Versicherten jünger als 55 Jahre, können sie zurück in die gesetzliche Krankenkasse wechseln. Und Ältere? Sie sollten einen anderen Tarif bei ihrer Krankenversicherung wählen. Kein Anbieter darf einem Versicherten, der älter als 55 Jahre ist, den Basistarif verwehren!

Aktien & Co.

Zeiten niedriger Zinsen sind gute Zeiten, um Aktien für sich zu entdecken. Entscheidend ist hierbei der lange Atem. Investments in Aktien lohnen sich sicher über 15 Jahre. Die erste Grundregel für Anleger ist allerdings: zunächst Schulden tilgen! Ob Baufinanzierung, Ratenkredit für das Auto oder Dispo – Tilgen bringt mehr Rendite als sicheres Anlegen. Spekulieren sollte nur, wer ein sicheres Fundament hat. Ein erster Schritt der Tilgung kann auch das Umschulden eines Ratenkredits sein. Bei der Geldanlage gilt es schließlich, eine gute Mischung zu finden und zugleich jederzeit flüssig zu sein.

Wer das Risiko bei Aktien im Zaum halten will, sollte sich internationale Aktienindexfonds mit besonders niedrigen Gebühren zulegen. Sie werden meist als sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs) angeboten. Nach 15 Jahren sind Verluste hier noch nie vorgekommen, eine Rendite von 6 Prozent oder mehr ist aber gut möglich. Voraussetzung ist nur die Sicherheit, das Geld 10 bis 15 Jahre lang nicht zu brauchen. Wo kauft man ETFs am besten? Bankberater bieten diese Fonds kaum an, da sie an den Produkten nur wenig verdienen. Der preiswerteste Weg führt über Onlinebanken.

Und Festgeld? Je nach Vermögen kann man dort ein paar Tausend oder auch Zehntausend Euro anlegen, und zwar zu einem Zinssatz von knapp unter 1,5 Prozent. CACF etwa, Tochter der französischen Großbank BNP Paribas, sowie die Leaseplan-Bank zahlen für drei Jahre die besten Zinsen. Wer als Geldanlage eine Immobilie bevorzugt, sollte auf die Lage achten: Supermarkt, Arzt, Bus oder S-Bahn sollten in der Nähe sein.

Anlagemöglichkeiten

ZINSPRODUKTE

Das Tagesgeldkonto ist die sicherste Anlageform. Das Geld ist täglich verfügbar und durch Einlagensicherung
innerhalb der EU gesetzlich abgesichert. Auch beim Festgeld sind die Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Konto geschützt.
Geeignet für: Private Sparer
Risiko: Sicher

AKTIENFONDS

Im Gegensatz zu einzelnen Aktien bündeln Fonds viele Einzeltitel. Während bei einer Aktie
schon Verluste drohen, wenn das Unternehmen in Schieflage gerät, müssten bei einem Fonds die gesamten Wirtschaftsaussichten schlecht sein. Hohe Renditen sind möglich.
Geeignet für: Risikobewusste Sparer
Risiko: Mittel

UNTERNEHMENSANLEIHEN

Bei dieser Anlageform handelt es sich um Schuldverschreibungen von Unternehmen, etwa Banken, Finanzkonzernen oder großen Industrieunternehmen. Vorsicht: Rendite und Risiko können hier sehr weit auseinanderklaffen!
Geeignet für: Fortgeschrittene
Risiko: Mittel

GOLD

Anders als viele Anleihen oder Aktien wirft Gold keine regelmäßigen Erträge ab. Barren, Medaillen oder Münzen werden in US-Dollar gehandelt. Wer Gold kauft, kann nur durch Kursgewinne Wertsteigerungen erzielen.
Geeignet für: Spekulanten
Risiko: Mittel

AKTIEN

Wer langfristig Vermögen aufbauen will, kommt um Aktien nicht herum. Hier gilt: Legen Sie Ihr Geld in einer Vielzahl von Unternehmen an – das senkt das Verlustrisiko!
Geeignet für: Langfristige Sparer
Risiko: Unsicher

Mehr Infos: Das Online-Magazin Finanztip.de bietet zahlreiche Infos zum Thema Geldanlage!


Hermann-Josef Tenhagen / Foto © Finanztip

Autor: Hermann-Josef Tenhagen