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Strom wird immer teurer.

Die Strompreise steigen: Strom sparen können Verbraucher auch durch den Wechsel des Stromanbieters. - Foto © picture alliance / ZB

Finanz-Ratgeber

Preisanstieg - Was kostet die Zukunft?

Eine Krise jagt die nächste – nicht erst seit der Atomkatastrophe von Fukushima. "Eine solche Dichte von Ereignissen, wie wir sie seit 15 Monaten erleben, hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben", analysiert Professor Paul Welfens, Präsident des Europäischen Instituts für internationale Wirtschaftsbeziehungen.

GAU in Japan und Euro-Krise

Erst Euro-Krise, dann Aufstand in Arabien, GAU in Japan, Atom-Stopp in Deutschland, Luftkrieg gegen Gaddafi – nun wieder Euro-Krise. Und immer wieder neue Milliarden, mit denen Deutschland andere EU-Länder vor dem Staatsbankrott retten muss. Letzteres, sagt Angela Merkel, sei "alternativlos" und im ureigensten Interesse. Mag sein. Wer aber meint, es habe keine Auswirkungen auf den eigenen Geldbeutel, irrt. Längst sind Veränderungen spürbar, das herkömmliche Preisgefüge gerät durcheinander. Wo drohen Mehrbelastungen? Und welche Ängste sind übertrieben? HÖRZU hat Experten mit drei aktuellen Schreckensszenarien konfrontiert und ihre Meinung dazu eingeholt.

Wird Wohnen bald unbezahlbar? Wohnen in den eigenen vier Wänden – davon träumen die meisten. Genau genommen mehr als 80 Prozent. Doch viele können es sich finanziell nicht mehr leisten. Zumindest nicht in München, Stuttgart, Freiburg, Heidelberg, Wiesbaden, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Potsdam oder Hamburg. "In vielen Großstädten ist Wohneigentum für die Mittelschicht unerschwinglich geworden", sagt Andy Grote, SPD-Abgeordneter in der Hamburger Bürgerschaft.

In der Hansestadt sind Wohnungen aus dem Bestand (nicht Neubau) um bis zu 40 Prozent teurer geworden – in nur einem Jahr! Erreicht sei das Ende der Fahnenstange trotzdem noch nicht, warnt Siegmund Chychla vom Hamburger Mieterverein. In begehrten Vierteln werde bald wohl "jeder Preis gezahlt". Dafür sorgt nicht nur ein begrenztes Angebot, wie offiziell behauptet, sondern auch Euro-Angst: "Dass eine Flucht in Sachwerte eingesetzt hat, ist unübersehbar", meint Georg Plötz von der Verbraucherzentrale München. "Wer jetzt nicht kauft, kann nur verlieren", denken viele. Nicht zu Unrecht. Sie fürchten, dass staatliche Rettungsprogramme eine Inflationsspirale in Gang setzen und Erspartes entwerten. Oder den Euro gar zusammenbrechen lassen.

Strom doppelt so teuer?

Doch welche Konsequenzen zieht man persönlich? "Der Kauf einer Immobilie darf keine Wette sein", warnt Verbraucherschützer Georg Plötz. "Geht der Euro baden, bestehen aufgenommene Schulden weiter – in der neuen Währung." Generell ist Plötz aber ein großer Fan von Immobilien. "Das gibt Sicherheit und beruhigt. Passt der Erwerb zur beruflichen und familiären Situation, würde ich es tun." Hinzu kommt: Auch in den genannten Städten steigen die Preise nicht flächendeckend. "Die Kunst besteht darin, Viertel zu finden, die demnächst 'entdeckt' werden" – also im Wert steigen. Dass die Euro-Angst auch Mieten verteuert, stimmt nicht. Die steigen vielerorts zwar tatsächlich, aber aus anderen Gründen: Erstens ist Wohnraum in Großstädten häufig knapp. Zweitens werden viele Häuser aufwendig gegen Wärmeverluste isoliert. Diese Kosten dürfen umgelegt werden und verteuern dann spürbar die Miete.

Verdoppeln sich jetzt die Strompreise? Die Entscheidung fiel bereits am Tag drei nach Fukushima: Deutschland nahm sieben Alt-Meiler sofort vom Netz, zumindest für drei Monate. Inzwischen ist klar: Auch nach Ablauf dieser Frist gibt es für die Atomkraft im Mutterland der Anti-AKW-Bewegung keine Zukunft. Ein Großteil der Bürger will sie nicht mehr. Doch was bedeutet das für den Strompreis, der seit 2000 bereits um 79 Prozent gestiegen ist? Drohen jetzt weitere gigantische Steigerungen, wie uns die Stromwirtschaft einzureden versucht? Wohl nicht. Nach Berechnungen von Umweltminister Norbert Röttgen würde ein totaler Ausstieg den Preis pro Kilowattstunde (kWh) nur um 0,1 bis 0,9 Cent verteuern.

Legt man den Jahresverbrauch eines Drei-Personen-Haushalts zugrunde (3500 kWh), würde dies Mehrkosten zwischen 3,50 und 31,50 Euro bedeuten. So viel dürfte der Ausstieg aus der Kernkraft den meisten wert sein. "Dass Atomstrom billig sei, ist zudem eine Illusion", sagt Volkswirtschaftsexperte Prof. Welfens. "Im Falle eines GAUs wie in Fukushima dürften die Kosten hierzulande bei 400 Milliarden Euro liegen." Versichert seien deutsche Atomkraftwerke aber nur mit 2,5 Milliarden pro Meiler. "Unter realen Bedingungen müsste Atomstrom eigentlich ein Vielfaches kosten", so Welfens.

"Sofort sparen können Verbraucher auch durch den Wechsel des Stromanbieters", rät Jürgen Scheurer vom Tarifvergleichsportal verivox.de. Hat man bislang noch nie gewechselt, lohnt es sich am meisten. Im Schnitt spart ein Haushalt mit drei Personen dann jährlich 320 Euro, beim Umstieg auf Ökostrom immerhin noch 230 Euro. Übrigens: Im Mai wird in Deutschland kaum noch Atomstrom produziert. Neben den sieben Meilern, die zwangsabgeschaltet wurden, gehen dann noch fünf weitere wegen Wartungsarbeiten vom Netz. Besonders betroffen: das Wochenende vom 21. auf den 22. Mai. Trotzdem werden dann nirgends die Lichter ausgehen, denn Deutschland importiert derzeit Strom aus Frankreich: Atomstrom! Höchste Zeit also, den Bau von Öko-Anlagen hierzulande voranzutreiben.

Droht der Börse nach der Japan-Krise ein weiterer Rückschlag? Nein – das ist derzeit die wohl größte Überraschung. Der Dax war wegen Fukushima zwar vorübergehend eingebrochen, erreichte aber bereits nach drei Wochen sein altes Niveau. "Das zeigt, dass auch in Krisenzeiten an der Börse sehr wohl Geld zu verdienen ist", sagt Verbraucherschützer Georg Plötz. Außerdem stellen Aktien genau wie Immobilien echte Werte dar, denen Inflation und Währungsumstellungen nichts anhaben können. Die Börse jedenfalls scheint die Katastrophe in Japan und andere Schreckensnachrichten gut "verdaut" zu haben.

Autor: Stefan Vogt