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Im Alter bedeutet ein Partner auch finanzielle Sicherheit.

Im Alter bedeutet ein Partner auch finanzielle Sicherheit. - Foto © dpa Picture-Alliance GmbH

Antworten auf brisante Fragen

Wie sicher ist meine Rente?

Es ist kein Geheimnis, dass Menschen, die jetzt in Rente gehen, finanziell schlechter dastehen als jene, die vor zehn Jahren aufhörten zu arbeiten: Männer, die 1999 in den Ruhestand gingen, bezogen nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung im Schnitt 909 Euro. Zehn Jahre später, also 2009, waren es nur noch 860 Euro – rund 50 Euro weniger. Mag sein, dass solche Differenzen kaum ins Gewicht fallen, wenn ein Partner ebenfalls Ansprüche erworben hat. Oder man mietfrei in den eigenen vier Wänden wohnt. Oder zusätzlich eine Betriebsrente anfällt. Trotzdem machen sich viele Sorgen: Sind die Altersbezüge sicher? Wie hoch werden sie ausfallen? Können sie gekürzt werden? Mithilfe renommierter Eperten beantwortet HÖRZU hier die wichtigsten Fragen:

1. Wirkt sich die zurückliegende Krise auch auf die Rente aus?
"Ja, denn dadurch fällt der künftige Rentenanstieg niedriger aus", sagt Prof. Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg. Nach seinen Berechnungen beträgt die krisenbedingte Einbuße 2,7 Prozent. Insgesamt fehlen der Rentenkasse bis 2050 dadurch Beitragseinnahmen von 200 Milliarden Euro. "Verglichen mit den 7000 Milliarden, die bis dahin ausgezahlt werden, relativiert sich die Zahl jedoch stark", so Raffelhüschen. Die Rentenkasse ist verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen.

2. Wie verwahrt die Rentenkasse eigentlich meine Beiträge?
Anders als viele denken, wird das Geld nicht auf die hohe Kante gelegt, wo es sich dann langsam, aber sicher vermehrt. Was reinkommt, wird sofort als Rente wieder ausgezahlt. Dieses Umlagesystem steht zwar oft in der Kritik, weil es quasi dem Motto "von der Hand in den Mund" folgt. Es hat jedoch den großen Vorteil, in Krisenzeiten robust zu sein. Selbst wenn eine Währungreform käme, könnten die Renten weitergezahlt werden, schließlich würden Beiträge auch sofort in der neuen Währung eingezahlt werden. Kapitalgedeckte Systeme wie Lebensversicherungen überleben solche Umbrüche dagegen nur schwer.

3. Wie viel Rente bekomme ich später?
Gezahlt werden aktuell maximal 2201 Euro im Monat. Doch dieser Wert ist reine Theorie! Als Gegenleistung hätte von 1965 bis 2009, also 45 Jahre lang, Monat für Monat der höchstmögliche Beitrag eingezahlt werden müssen – von Arbeitnehmer wie Arbeitgeber. "Normalverdiener, die 45 Jahre voll am Stück gearbeitet haben, kommen aber über 1250 Euro kaum noch hinaus", sagt Raffelhüschen. "Davon gehen dann noch Beiträge an Kranken- und Pflegekasse ab, sodass im Endeffekt rund 1125 Euro zum Leben bleiben."

4. Wird die Rente nächstes Jahr steigen?
"Das ist derzeit noch nicht abzusehen", sagt Christian Westhoff vom Bundesarbeitsministerium in Berlin. Ob sie dann steigt und um wie viel, orientiert sich an der Lohnentwicklung des jeweiligen Vorjahrs. Maßgeblich für 2011 ist also die Lohnentwicklung 2010. Fest steht die erst im nächsten März. Westhoff macht aber Mut: "Klar ist: Die Rentnerinnen und Rentner werden profitieren, wenn in diesem Jahr die Löhne anziehen." Und dank der jüngsten Konjunkturerholung spricht einiges dafür.

5. Kann die Rente nach geltendem Recht gekürzt werden?
Nein, das verhindert die Rentengarantie, die die große Koalition noch kurz vor der Wahl beschlossen hat. Ohne Garantie wäre es 2010 sogar zu einer Rentenkürzung gekommen, denn 2009 sind die Löhne erstmals gesunken. "Die unterbliebene Kürzung wird ab 2011 aber schrittweise nachgeholt, damit jüngere Generationen, also Beitragszahler, nicht einseitig belastet werden", so Westhoff. Der Plan: Lohnerhöhungen werden nur zur Hälfte weitergegeben. Steigen Löhne etwa um zwei, steigen die Renten nur um ein Prozent.

6. Warum haben Rentner 2011 trotz Rentengarantie höchstwahrscheinlich weniger Geld in der Tasche?
Das liegt an steigenden Krankenkassenbeiträgen, die Rentner genauso betreffen wie Arbeitnehmer. Konkret soll der Satz von 7,9 auf 8,2 Prozent steigen, also um 0,3 Prozent. Von 1000 Euro Rente oder Lohn würden im neuen Jahr dann drei Euro fehlen. Endgültig beschlossen ist die Erhöhnung zwar noch nicht, aber die Koalitionäre sind sich einig. Auch Zusatzbeiträge, die einige Krankenkassen seit März erheben, müssen Rentner berappen. Damit die keinen überfordern, soll hierfür ab Januar ein neuer Sozialausgleich eingeführt werden: Höchstens zwei Prozent von Rente oder Verdienst sollen Kassen dann verlangen dürfen. Ob das jeweils der Fall ist, prüfen nach jetzigem Planungsstand Rentenversicherung bzw. Arbeitgeber automatisch.

7. In dieser Legislaturperiode soll ein einheitliches Rentenrecht eingeführt werden. Warum birgt das sozialen Sprengstoff?
Bei der Rentenberechnung werden Ost-Löhne derzeit noch künstlich aufgewertet. So wurden Ruheständler der neuen Länder zu den eigentlichen Gewinnern der Einheit und beziehen noch heute höhere Renten als im Westen. Doch seit Jahrgänge in Rente gehen, die nach der Wende lange arbeitslos waren, ändert sich das Bild. Würden Ost-Löhne künftig nicht mehr aufgewertet, wären viele Rentner auf Fürsorge angewiesen. "Wir werden mit Sorgfalt und Sensibilität eine Lösung suchen", sagt Westhoff. "Ost darf dabei nicht gegen West, Jung nicht gegen Alt ausgespielt werden." Eine Herkulesaufgabe.

8. Die Rentenversicherung prognostiziert mir eine Rente von 1150 Euro. Welche Kaufkraft haben die in zehn Jahren?
Wegen der allgegenwärtigen Inflation (Annahme: 2 Prozent pro Jahr) wäre sie dann nur noch 943 Euro wert. Nicht zuletzt die Geldentwertung macht eine zusätzliche private Vorsorge unentbehrlich.

Autor: Stefan Vogt