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Dank Riester-Rente darf man sich im Alter über einen Geldsegen freuen.

Dank Riester-Rente darf man sich im Alter über einen Geldsegen freuen. - Foto © picture alliance / dpa

Im TV-Programm: WISO, 23.04., 19:25 Uhr, ZDF

Riester-Rente

Keine Absicherung ist so rentabel wie die Riester-Rente. Einer Familie mit zwei Kindern spendiert der Staat Jahr für Jahr an die 1000 Euro Zulage.

Riester-Rente: die beste Altersvorsorge

Glück im Unglück habe sie gehabt, sagt Christa Heinze und klopft auf Holz. Als die 58-jährige Kölnerin, die über 35 Jahre voll gearbeitet hat, im August ihren Job verlor, brach für sie eine Welt zusammen. "Ich bin nicht mehr vermittelbar", sagt die Literaturwissenschaftlerin tapfer, obwohl sie mit ihrem neuen Leben ganz offensichtlich fremdelt. Noch bis Sommer 2013 steht ihr jetzt Arbeitslosengeld I zu, das auch gezahlt wird, wenn persönliches Vermögen vorhanden ist. "Geschieht kein Wunder, kommt danach aber Hartz IV“, sagt sie leise. Und dann müsste Frau Heinze eigentlich ihre private Altersvorsorge auflösen, denn "Stütze" gewährt der Staat nur, wenn – abgesehen von kleinen Freibeträgen – kein Vermögen mehr vorhanden ist.

Dass er in ihrem Fall darauf verzichtet, liegt an einer weisen Entscheidung, die Frau Heinze vor gut neun Jahren traf: Damals wurde sie Riester-Sparerin. Und tatsächlich: "Nur wer diese Form der Altersvorsorge wählt, darf sie behalten", bestätigt Roland Aulitzky, Altersvorsorge-Spezialist von Stiftung Warentest. Das heißt: Hätte Frau Heinze mit Tagesgeld, Aktien oder anderen Geldanlagen vorgesorgt – kaum etwas wäre ihr geblieben.

Riester-Rente ist besser als ihr Ruf

Trotz dieses großen Vorteils hat die Riester-Rente, die inzwischen seit gut zehn Jahren existiert, keinen guten Ruf. Mal werden hohe Kosten angeprangert oder zu strenge Voraussetzungen, um in den Genuss der staatlichen Zulagen zu gelangen. Einige Medien haben sie sogar für gescheitert erklärt – ein fahrlässiges Urteil! Zwar sind manche Einwände in der Sache gerechtfertigt, doch die meisten taugen nur, den Verbraucher zu verwirren. Der grübelt, statt zu handeln, und schiebt den Schritt über die Riester-Schwelle so unnötig lange auf. Dabei lautet die eigentliche Frage doch: Was ist die Alternative? Sollen Arbeitnehmer Geld, das sie im Alter benötigen, etwa in Zertifikate stecken? Wohl kaum!

Roland Aulitzky (Stiftung Warentest): "Im Blindflug stellt sich der Erfolg zwar auch bei Riester nicht ein. Sehr wohl ist es damit aber möglich, sicher und rentabel vorzusorgen." Am liebsten nutzen die Deutschen dafür bislang die private Rentenversicherung. Das ist zweifellos eine gute Wahl, denn sie bessert die gesetzliche Rente zuverlässig bis zum Lebensende auf, ganz egal wie alt man wird. "Rentabler ist allerdings die Riester-Rente, die ebenfalls lebenslang zahlt", sagt Aulitzky.

Weil der Staat diese fördert, indem er Geld dazugibt, ergibt sich so eine höhere Rente – ohne dass deshalb auch die Risiken steigen. Es gibt nämlich Riester-Rentenverträge, die als klassische Rentenversicherung konzipiert sind. "Beide Produkte sind identisch, nur dass eines staatlich gefördert wird und eines nicht", sagt Aulitzky. Dass das geförderte besser abschneidet, weil am Ende eine höhere Rente ausgezahlt wird, liegt auf der Hand. Jeder Riester-Sparer erhält vom Staat zunächst eine "Grundzulage" von 154 Euro im Jahr. Weitere 185 Euro werden für jedes Kind gezahlt, für Nachwuchs, der seit 2008 geboren wurde oder wird, sind es sogar 300 Euro.

Riester-Rente: Eine Familie mit zwei Kindern erhält so im Jahr bis zu 908 Euro geschenkt

"Während Familien hauptsächlich von den Zulagen profitieren, sind für Paare und Singles vor allem die mit der Riester-Rente verbundenen Steuervorteile interessant“, sagt Aulitzky. Absetzbar sind jährlich bis zu 2100 Euro. Geknüpft sind sämtliche Vorteile an die Zahlung eigener Beiträge. Nur wenn diese mindestens vier Prozent vom Bruttoverdienst des Vorjahres erreichen, fließen jene in voller Höhe. Zulagen, die man für sich und andere erhält, werden mit eingerechnet. So nimmt der Eigenbeitrag mit steigender Kinderzahl kontinuierlich ab.

Dass man auch mit Fonds "riestern" kann, ist weithin unbekannt, sie erreichen bisher nur einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Zu Unrecht, meint Aulitzky: "Weil Riester-Fonds auch in Aktien investieren, bieten sie die höchsten Renditechancen.“ Das Risiko bleibt trotzdem überschaubar. Zwar existiert keine garantierte Mindestverzinsung wie bei der erwähnten Riester-Rentenversicherung. Gesetzlich ist jedoch vorgeschrieben, dass alle eingezahlten Gelder, einschließlich der Zulagen, mit Beginn der Auszahlphase zur Verfügung stehen müssen. Selbst wenn es an der Börse mies läuft, geht nichts verloren.

Auch Fonds zahlen "Rente"

Außerdem zahlen auch Riester-Fonds bis zum Lebensende. So ist das Geld, anders als bei herkömmlichen Fonds, nicht irgendwann aufgebraucht. Wie das geht? "Mit Beginn der Auszahlphase überweist der Fonds einen Teil des Sparkapitals an eine Versicherung. Die übernimmt das sogenannte Langlebigkeitsrisiko und zahlt ab dem 85. Geburtstag eine Leibrente", erklärt Frank Breiting von der Fondsgesellschaft DWS. Achtung: Bis die erste Rentenauszahlung erfolgt, können und dürfen Anteile an Riester-Fonds weniger wert sein als die geleisteten Einzahlungen! Die "Nominalwertgarantie" greift nämlich erst ab Auszahlungsbeginn, nicht davor. Kündigt man den Fonds also noch während der Ansparphase, werden keine Verluste ersetzt.

Dasselbe gilt für Sparer, die ihrem Riester-Fonds Kapital entnehmen, um eine Immobilie zu kaufen. Einmal entnommen, erlischt die Garantie. Für Häuslebauer in spe gilt deshalb der Tipp: Von vornherein auf spezielle "Wohn-Riester"-Verträge setzen! Anspruch auf Riester-Förderung haben fast alle im erwerbsfähigen Alter: Arbeitnehmer, Auszubildende, Beamte, Landwirte, Soldaten, Mütter und Väter in Elternzeit, Hausfrauen und -männer, die mit einem Riester-Sparer verheiratet sind, Menschen, die Angehörige mindestens 14 Stunden pro Woche pflegen, Minijobber, die Rentenbeiträge zahlen, und Studenten, die wenigstens einen Tag im Jahr rentenversicherungspflichtig sind. Ebenso Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger.

Als größere Gruppe ausgenommen sind nur die Selbstständigen, für die es aber eine andere gute Lösung gibt (siehe unten). Tipp: Wer wenig oder nichts verdient, sollte versuchen, jeden Monat mindestens fünf Euro einzuzahlen. Das reicht dann nämlich aus, damit staatliche Zulagen in voller Höhe gewährt werden. Auch Frau Heinze wird ab 2013 von dieser Regelung profitieren, sollte sie nicht doch noch Arbeit finden.


Rürup-Rente: Die beste Altersvorsorge für Selbstständige

Beruflich Selbstständige können zwar keine Riester-Rente abschließen. Bei der Bildung einer privaten Altersvorsorge unterstützt sie der Staat aber über die sogenannte Rürup-Rente. Benannt ist diese nach ihrem Erfinder, dem Ökonomen Bert Rürup. Wer einen solchen Vertrag abschließt, dem gewährt der Staat Steuervorteile, die weitaus höher sind als für Riester-Sparer. Dürfen letztere Beiträge von maximal 2100 Euro im Jahr absetzen (siehe auch Text oben), sind bei Rürup für Verheiratete bis zu 40.000 Euro pro Jahr erlaubt und für Alleinstehende bis zu 20.000 Euro. Bei Rürup-Verträgen, die seit Januar 2012 neu unterzeichnet werden, sind Rentenauszahlungen frühestens ab 62 möglich (vorher: ab dem 60. Lebensjahr). Angeboten werden solche Verträge als klassische Rentenversicherung, fondsgebundene Versicherung und als Fondssparplan. Letztgenannten haben derzeit nur Deka und DWS im Programm.

Autor: Stefan Vogt