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Nach einem Einbruch sichert ein Mitarbeiter der Kripo Spuren an der Haustür.

Nach einem Einbruch sichert ein Mitarbeiter der Kripo Spuren an der Haustür. Wäre der Täter durch ein offenes Fenster eingestiegen, würde die Versicherung vermutlich freiwillig nicht zahlen. / Foto: © dpa - Fotoreport

Tipps für den Schadensfall

Die Versicherung zahlt nicht - was nun?

Als Uwe P. aus dem Urlaub zurückkam, traute er seinen Augen nicht: Bei ihm war eingebrochen worden. Fernseher, Laptop – alles weg. Als der 46-Jährige den Schaden seinem Hausratversicherer meldete, folgte der zweite Schock: Die Gesellschaft schickte ihm Detektive ins Haus. Der böse Verdacht: Uwe P. wolle betrügen, sei statt Opfer selbst Täter.

"Dass berechtigte Ansprüche abgeblockt oder kleingerechnet werden, ist keine Seltenheit", sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Kunden wie Uwe P. rät er: "Setzen Sie dem Versicherer nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen eine Frist von vier Wochen. Zahlt er bis dahin nicht, Anwalt oder spezialisierte Verbraucherschützer wie den Bund der Versicherten einschalten. Hier verrät Rudnik weitere Tricks von Assekuranzen.

1. Mini-Erstattung bei Totalschaden:

Autoversicherer ermitteln Zahlungen in solchen Fällen nach folgender Formel: Wert des Autos vor dem Unfall minus Schrottwert. Der Trick: Damit der Anspruch des Versicherungsnehmers möglichst niedrig ausfällt, wird ein hoher Schrottwert angesetzt. Den liefern Restwertbörsen im Internet. Vor Ort sind solche Preise aber selten durchsetzbar.
Tipp: Realistische Werte bei Schrotthändlern vor Ort ermitteln und dann dem Versicherer melden.

2. Frisierte Invaliditätsgrade:

Wer nach Unfällen dauerhaft Schäden zurückbehält, bekommt Geld von seiner Unfallversicherung. Wie viel genau, hängt vom Schweregrad der erlittenen Invalidität ab. Ob Ärzte und Gutachter diesen unparteiisch ermitteln, darf manchmal bezweifelt werden. Ihr Trick: Um dem Versicherer
hohe Zahlungen zu ersparen, attestieren sie zu niedrige Schweregrade.
Tipp: Wer mit der Höhe nicht einverstanden ist, kann ein Gegengutachten in Auftrag geben, muss die Kosten dafür dann aber selbst tragen.

3. Dachziegel – vom Winde verweht

Trotzdem verweigert die Wohngebäudeversicherung die Zahlung. Sie behauptet, die erforderliche Windstärke 8 sei nicht erreicht worden. Tipp: ans nächstgelegene Wetteramt wenden (über www.dwd.de, Menüleiste Kontakte) und die tatsächliche Stärke erfragen. Waren auch Nachbarhäuser betroffen, diese unbedingt fotografieren. Hat die Lokalpresse über Schäden berichtet, Zeitungsartikel der Beschwerde beilegen.

4. Zauberwort "unterversichert":

Sie melden Ihrem Hausratversicherer einen Schaden, doch der schmettert Ihre Forderung ab. Sein Argument: Sie seien "unterversichert". Sein Ziel: Er will nur anteilig zahlen. "Aus dem Hut gezaubert wird die Unterversicherung gern, wenn die Versicherungssumme pro Quadratmeter Wohnfläche nicht mindestens 650 oder 700 Euro beträgt", sagt Rudnik.
Tipp: Nachrechnen, ob die niedrigere Summe nicht doch reicht. Relevant für die Kalkulation sind die Preise bei der Neuanschaffung, nicht der heutige Zeitwert!

5. Unseriöse Vermittler:

Vorsicht vor Beratern, die bei Lebens- oder Berufsunfähigkeitspolicen empfehlen, im Formular bestimmte Vorerkrankungen zu verschweigen. Grund: Sie wissen genau, dass der Kunde eigentlich keinen Vertrag bekäme – und sie somit keine Vermittlungsprovision! Wer eine solche Police später in Anspruch nehmen muss, geht leer aus. Gesundheitsfragen deshalb immer ehrlich, vollständig und ohne künstlich aufgebauten Zeitdruck beantworten.

6. Gekipptes Fenster im Erdgeschoss:

Nutzen Einbrecher ein solches zum Einstieg, während man "mal kurz außer Haus war", verweigern Hausratversicherer oft jegliche Zahlung. Ihr Totschlagargument: grobe Fahrlässigkeit. Seit 2008 dürfen Leistungen in solchen Fällen aber nicht mehr gestrichen, sondern nur noch prozentual gekürzt werden. Um wie viel, hängt vom Grad des eigenen Mitverschuldens ab. Festgelegt werden solche Quoten auch in Gerichtsurteilen. Berufen Sie sich darauf – unter Angabe des jeweiligen Aktenzeichens.

7. Arbeitsunfähig? Finden wir nicht!

Bei Berufsunfähigkeitspolicen werden fast 30 Prozent aller Leistungsanträge abgelehnt, weil der Versicherer den Kunden noch für tauglich hält.
Tipp: Bitten Sie einen Facharzt um ein Gutachten über Ihren wahren Gesundheitszustand.

8. Auszahlung zu niedrig:

Wer eine Lebensversicherung vor Ablauf kündigt, muss mindestens 45 Prozent der eingezahlten Beiträge zurückbekommen. Einige Versicherer verweigern dies. Berufen Sie sich dann auf Urteile des Bundesgerichtshofs, Aktenzeichen: IV ZR 162/03, IV ZR 177/03 und IV ZR 245/03.

9. Diebischer Makler:

Viele geben das Original der Lebensversicherung dem Makler zur Verwahrung. Kündigt der die Police mit falscher Unterschrift, wird ihm alles ausgezahlt. Klagen ist sinnlos: Versicherer dürfen bei Vorlage des Originals überweisen. Dieses nie aus der Hand geben!

10. Fahrrad geklaut:

Per Hausratpolice sind Räder nur bei Diebstahl aus geschlossenen Räumen mitversichert. Viele zahlen deshalb einen Extrabeitrag für Schutz im Freien. Aber auch der gilt nur eingeschränkt zwischen 6 und 22 Uhr. Kann man jedoch nachweisen, dass man das Rad nach 22 Uhr noch nutzen wollte, etwa für eine Spätvorstellung im Kino, muss die Versicherung ebenfalls zahlen.

Wie sich Versicherungen kündigen lassen:

Haft- & Hausratpolice sind zum Ende des Versicherungsjahres kündbar (Frist: drei Monate). Trat der Vertrag etwa zum 1.12. in Kraft, kann man jährlich zu diesem Termin aussteigen. Die Autohaftpflicht ist stets zum 30. November kündbar.

Ein Sonderkündigungsrecht besteht, wenn Beiträge steigen, aber nicht gleichzeitig der Leistungsumfang einer Police. In Kraft tritt die Kündigung dann zu dem Zeitpunkt, an dem die höhere Prämie zu zahlen wäre. Hausratversicherungen sind manchmal auch beim Umzug vorzeitig kündbar. Bedingung: Der neue Wohnort liegt in einer höheren Tarifzone.

Lebensversicherungen sind schneller kündbar: bei monatlicher Zahlweise zum Monatsende, bei jährlicher zum Ende des Versicherungsjahres. Leichtfertig kündigen sollte man diese Police aber nie.

Autor: Stefan Vogt