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Damit ein Testament gültig ist, muss es handschriftlich verfasst werden.

Damit ein Testament gültig ist, muss es handschriftlich verfasst werden. / Foto: © dpa

Mit Tipps zum Berliner Testament

Das Testament: erben und vererben

Auch Superreiche können irren: Da war er nun extra in die Schweiz gezogen, genauer in den Schweizer Kanton Schwyz, weil der als einziger keine Erbschaftssteuern erhebt. Doch als der Vater dann starb, staunten die Kinder nicht schlecht: Der deutsche Fiskus wurde bei ihnen vorstellig. Was die verhinderten Steuerflüchtlinge nicht bedacht hatten: Solange der Nachwuchs weiter in Deutschland lebt, wird das Erbe auch hierzulande besteuert. Ob der Vater den letzten Atemzug also in der Schweiz oder anderswo tut, den Finanzämtern in Hof oder Aachen ist es einerlei.

Wie den Steuerflüchtlingen geht es auch dem Rest der Bevölkerung: Vom Erben verstehen wir herzlich wenig. Wie auch? Unsere Vorväter hatten weiß Gott andere Sorgen. "Entstanden ist der Wohlstand, der jetzt den Besitzer wechselt, größtenteils erst nach dem Krieg", sagt Dr. Michael Meyer, Vorstand der Postbank.

Laut einer Studie, die die Bank in Auftrag gab, haben 32 Prozent der Deutschen mindestens schon einmal geerbt, 23 Prozent erwarten dies noch. "Die Deutschen sind mehrheitlich ein Volk von Erben", so Meyers Schlussfolgerung aus diesen Zahlen. Und tatsächlich: 32 plus 23 – das ist die Mehrheit! "Längst nicht so ausgeprägt wie die Zahl ist aber unser Wissen in erbrechtlichen Fragen", moniert Meyer. "Wie die Studie zeigt, können etwa 80 Prozent mit dem Begriff gesetzliche Erbfolge nichts anfangen." Das sind die wichtigsten Fragen rund ums Erben und Vererben und Ihr Recht
als Erbe.

1 Benötige ich ein Testament?

Keines zu hinterlassen, so wie in vier von fünf Fällen üblich, kann durchaus sinnvoll sein. Dann tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft, wie sie im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert ist. Sie legt die Reihenfolge fest, nach der Erben zusätzlich zum Ehepartner ermittelt werden. Es gibt Erben erster, zweiter und dritter Ordnung. Die jeweils nächste Ordnung kommt dabei nur zum Zug, wenn von der vorherigen keiner mehr am Leben ist. Innerhalb jeder Ordnung erbt derjenige, der mit dem Verstorbenen am nächsten verwandt ist – alle "Nachgeordneten" gehen leer aus. Steht er dagegen mit anderen auf der derselben horizontalen Stufe, wird der Anspruch gleichberechtigt aufgeteilt.

Was viele überrascht: War der Erblasser verheiratet und lebte – wie in 98 Prozent aller Ehen – im Güterstand der Zugewinngemeinschaft, kann der hinterbliebene Partner ohne Testament nicht mehr als drei Viertel erben. Das gilt auch, wenn das Paar keine Kinder hat, aber etwa einen Neffen. Tipp: Machen Sie sich zunächst klar, wer Sie ohne Testament beerben würde. Behagt Ihnen das nicht, sollten Sie unbedingt ein Testament machen.


Das Berliner Testament

Die beliebteste Testamentsform, mit der sich Eheleute gegenseitig zu Alleinerben machen. Diese Anforderungen sind zu erfüllen, damit das Testament gültig ist:

Es muss mit der Hand geschrieben sein Testamente, die mit der Schreibmaschine oder auf einem Computer verfasst werden, sind also ungültig. Es genügt allerdings, wenn einer der beiden Eheleute den Haupttext verfasst.

Beide Eheleute müssen unterschrieben haben Das müssen sie mit vollem Vor- und Zunamen tun

Ort und Datum neben jeder Unterschrift – das hilft, ist aber keine Pflicht Falls mehrere Testamente existieren, kann so festgestellt werden, welches tatsächlich der Letzte Wille ist


2 Wer hilft beim Abfassen des Testaments?

Notare und Anwälte. Die Gebühren dafür richten sich nach der Höhe der Erbmasse. Beträgt die etwa 100.000 Euro, kosten Aufsetzen und Verwahrung beim Nachlassgericht rund 260 Euro. "Wer sich ein offizielles Testament leisten will, sollte vorher gründlich über den Inhalt nachdenken", rät Esther Wellhöfer von anwalt.de. "Auch der Widerruf kostet nämlich."

Natürlich kann ein Testament auch selbst verfasst werden. Auch selbst geschriebene Testamente können beim Nachlassgericht abgegeben werden, was sehr ratsam ist. So erübrigt sich im Nachhinein die Frage, ob ein zu Hause gefundenes Testament wirklich echt ist.

3 Was ist ein Berliner Testament?

Keine andere Form wird so häufig gewählt wie das Berliner oder Ehegatten-Testament. Damit setzen sich Partner gegenseitig als Alleinerben ein und legen auch fest, an wen das Erbe nach dem Tod des Letztversterbenden fallen soll. Ein Berliner Testament schließt die gesetzliche Erbfolge aus. Das gilt auch für eigene Kinder.

4 Wer erbt Wertpapiere, Fonds oder eine Lebensversicherung?

"Während Wertpapiere und Fonds zur normalen Erbmasse gehören, erbt die Lebensversicherung derjenige, den der Verstorbene seiner Gesellschaft als bezugsberechtigt gemeldet hat", sagt Gabriele Neitzke, die bei der Direktbank ING-DiBa die Kundenbetreuung leitet. Das Gleiche gilt für eine private Rentenversicherung. Zahlt die aufgrund vereinbarter Garantiezeiten noch über den Tod hinaus, steht die Privatrente also ebenfalls nur dem Bezugsberechtigten zu.

5 Was bedeutet Pflichtteil?

Gemeint ist damit ein Mindesterbe, das nahen Angehörigen selbst dann zusteht, wenn sie durch ein Testament von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen, also enterbt werden. Dem Letzten Willen sind also durchaus Grenzen gesetzt. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Anspruchs. Pflichtteilsberechtigt sind Kinder, Enkel, Urenkel, der Ehegatte, Eltern des Erblassers sowie der überlebende Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, nicht aber Geschwister, Neffen, Cousinen. Um eine "Vervielfältigung der Pflichtteilslast" zu vermeiden, steht Eltern, Enkeln und Urenkeln nur dann ein Pflichtteil zu, wenn laut gesetzlicher Erbfolge (siehe Frage 1) keine näheren Verwandten zum Zug kommen.


Bis zu diesen Höhen bleiben Erbschaften steuerfrei

Je enger verwandt Erbe und Erblasser sind, desto eher verzichtet der Fiskus auf Erbschaftssteuer. Die genannten Freibeträge gelten auch für Schenkungen zu Lebzeiten.

Ehepartner, eingetragener Lebenspartner: 500.000 €

Kinder, Stiefkinder, Adoptivkinder: 400.000 €

Enkel, Stiefenkel: 200.000 €

Urenkel, Eltern, Groß- und Urgroßeltern: 100.000 €

Geschwister, Nichten und Neffen, Schwiegerkinder, Schwiegereltern, geschiedene Ehegatten, Onkel, Tanten, Lebensgefährten, Nachbarn, Freunde und alle anderen: 20.000 €


6 Kann man jemanden auchkomplett enterben?

Ja. Wer Angehörigen den Pflichtteil entziehen will, muss in seinem Testament die Gründe dafür nennen. Anerkannt sind jedoch nur sehr wenige: etwa begangene Verbrechen, eine verbüßte Freiheitsstrafe von über einem Jahr ohne Bewährung oder böswillig verweigerter Unterhalt. Der bislang häufigste Entziehungsgrund, der "ehrlose und unsittliche Lebenswandel", wurde mit der Erbrechtsreform aus dem Jahr 2010 abgeschafft.

7 Mein Mann hat mich zur Alleinerbin gemacht. Können die Kinder trotzdem den Pflichtteil fordern?

Die Antwort wird viele überraschen: Ja, den Pflichtteil können Kinder auch in diesem Fall verlangen. "Vielleicht beruhigt Sie aber der Hinweis, dass Pflichtteilsansprüche ‚nur‘ in Geldform bestehen, also nicht etwa in einem Stück von Haus oder Wohnung", sagt Wellhöfer. Sind die Kinder ohnehin als Erben des länger Lebenden vorgesehen, sind die Aussichten gut, dass sie den Pflichtteil ausschlagen.

Verlangen sie ihn jedoch, kann dies den überlebenden Ehepartner durchaus in Schwierigkeiten bringen. Woher soll dieser Geld nehmen, wenn etwa alles in einer bewohnten Immobilie gebunden ist? "In diesem Fall rate ich, eine ‚Pflichtteilsstrafklausel‘ ins Testament zu schreiben", sagt Wellhöfer. Diese soll verhindern, dass der Pflichtteil nach dem Tod des Erstversterbenden verlangt wird. Die Klausel kann zum Beispiel vorsehen, dass Kinder nach dem Tod des zweiten Elternteils sonst nicht regulär, sondern erneut nur den Pflichtteil erben. In ein Berliner Testament aufgenommen werden müssen solche Klauseln unbedingt, solange noch beide Elternteile leben. Ist einer schon tot, sind Änderungen fast unmöglich.

8 Mein Vater ist tot. Kann meine Mutter als Alleinerbin jetzt einem ihrer Kinder eine Schenkung machen?

Das hängt davon ab, für welche Form des Berliner Testaments sich Ihre Eltern entschieden haben: fürs Trennungs- oder Einheitsprinzip. Beim Trennungsprinzip besitzt der Überlebende zwei Vermögensmas Vermögensmassen: die eigene und die des Verstorbenen, wobei er über die zweite nur sehr eingeschränkt verfügen darf. Ein Verprassen des Erbes soll so verhindert werden. Haben Ihre Eltern diese Form gewählt, dürfte Ihre Mutter kein geerbtes Vermögen verschenken, sehr wohl aber eigenes. Beim Einheitsprinzip, das immer dann gilt, wenn nichts anderes verfügt wurde, gehört das Erbe dagegen allein Ihrer Mutter. Sie kann es dann ausgeben, wie sie will, was Schenkungen einschließt.

9 Hilfe, ich habe Schulden geerbt. Wie kann ich die ausschlagen?

Sie müssen persönlich zum Nachlassgericht oder eine Erklärung vor einem Notar ablegen. Doch dafür bleibt wenig Zeit: lediglich sechs Wochen. Danach gehören einem die Miesen. Wichtiger Tipp: Dass ein Nachlass überschuldet ist, stellt sich oft erst bei näherer Betrachtung heraus Da Erben verpflichtet sind, den Wert der Hinterlassenschaft selbst zu prüfen, sollten Sie wissen: Sobald Sie von Ihrer Erbschaft erfahren haben, läuft sozusagen die Uhr.

10 Kann ich nur Teile des Erbes annehmen, aber die Schulden ausschlagen?

Nein, die Rosinen rauspicken können Sie nicht. Entweder Sie akzeptieren das gesamte Paket, oder Sie lehnen es geschlossen ab.

11 Muss ich auf mein Erbe immer Steuern zahlen?

Das kommt ganz auf Ihr Verwandtschaftsverhältnis zu dem Verstorbenen an. Engen Angehörigen wie Ehepartnern und Kindern stehen sehr hohe Freibeträge von bis zu einer halben Million Euro zu. Nur wenn das Erbe noch größer ausfällt, muss der darüberliegende Teil versteuert werden. Vererbt man dagegen an Wahlverwandte, also Freunde, setzt die Steuerpflicht bereits ab 20.000 Euro ein.

12 Ich erbe das Haus meiner Eltern. Muss ich dafür Steuern zahlen?

In der Regel nicht. Selbst Einfamilienhäuser sind fast überall in Deutschland weniger als jene 400.000 Euro wert, die Ihnen als Freibetrag zustehen würden, wenn Sie es vom überlebenden Elternteil vermacht bekämen. In Großstädten und einigen Regionen Süddeutschlands, wo die Immobilienpreise in letzter Zeit explodiert sind, reicht dieser Betrag allerdings häufig nicht aus. Hier können vorgezogene Schenkungen eine Lösung sein. Für diese gelten dieselben Freibeträge wie für Erbschaften, zudem können sie alle zehn Jahre wiederholt werden, und zwar von Vater und Mutter. So können Eltern ihren Kindern im Lauf der Zeit auch relativ große Vermögen steuerfrei übergeben.

Autor: Stefan Vogt