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Kommissarin Liz Ritschards (Delia Mayer) und ihre Kollegen Kommissar Reto Flückiger
(Stefan Gubser) und der Drogenfahnder Franz Hofstetter (Andreas B. Krämer, Mitte).
Foto: © ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

Neuer "Tatort" aus Luzern

"Tatort: Schutzlos"

Es geht um Geld, Drogen und Gewalt. Um Abhängigkeiten und den Traum von einem besseren Leben. So schonungslos wie selten wird in dem Schweizer "Tatort: Schutzlos" (So., 5.7., Das Erste, 20.15 Uhr, s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm) Kriminalität in der Szene der Migranten beleuchtet. Zugleich lässt dieser Fall keinen Zweifel an der Empathie der Macher für die Nöte der Flüchtlinge.

Was passiert?

Der junge Nigerianer Ebi West wird erstochen unter einer Brücke gefunden. Vor zwei Jahren war er als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Luzern gekommen und stand nun kurz vor der Abschiebung in sein Heimatland. Die Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) vermuten aufgrund der Indizien eine Abrechnung im Drogenmilieu. Der junge Mann war öfter beim Dealen erwischt worden und der Polizei bestens bekannt. Hat sein Tod mit dem Überfall auf eine Drogenküche zu tun, der kurz zuvor stattfand?

Ritschard konzentriert sich bei ihren Ermittlungen auf die rätselhafte Jola, eine ebenfalls minderjährige Asylsuchende aus Nigeria, die zugleich ihren Beschützerinstinkt weckt. Kollege Reto leidet derweil unter schweren Migräneanfällen, weshalb er seinen Beobachtungen misstraut.

Was ist das Besondere?

Regisseur und Drehbuchautor Manuel Flurin Hendry zeigt eine Vorliebe für Nahaufnahmen. So schutzlos (wie der Titel dieses "Tatorts" andeutet) die minderjährigen Migranten in die Drogenszene abrutschen, so ungeschützt geraten ihre jungen Gesichter in den Fokus der Filmkamera. All die Ängste und Gefühle, die sie nicht artikulieren können, die verzweifelte Sturheit, mit der sie an ihrem Weg festhalten, liest man mühelos in ihrer Mimik. Das Flüchtlingsdrama überlagert über weite Strecken die Krimihandlung, die jedoch gegen Ende wieder an Fahrt aufnimmt.

Wer ist dabei?

Lächeln verboten: Das Schweizer Ermittlerduo Reto Flückiger und Liz Ritschard trägt wie stets schwer an persönlichen Malaisen. Seltsam. Denn Stefan Gubser, der privat ebenso leidenschaftlich gern segelt wie sein "Tatort"-Kommissar Reto, hat Mitspracherecht und kommt ansonsten weit weniger düster daher.

Wertung

Sehr überzeugend werden alle Facetten des Flüchtlingselends aufgeschlüsselt: von der Ausbeutung Afrikas durch Großkonzerne bis zur brutalen Gewalt in der Szene der Migranten. Da die Marke "Tatort" aber auch für Unterhaltung steht, wäre etwas mehr Spannung wünschenswert gewesen.

Autor: Sabine Ulrich