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Tatort: Ihr werdet gerichtet

Liz Ritschard (Delia Mayer, Mitte), Reto Flückiger ( Stefan Gubser) und Kriminaltechnikerin
Corinna Haas (Fabienne Hadorn, l.) beraten sich.
Foto: © ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

Mordserie in Luzern

"Tatort: Ihr werdet gerichtet"

Selbstjustiz ist das große Thema des "Tatorts" aus der Schweiz, mit dessen Premiere sich die Krimireihe aus der Sommerpause zurückmeldet.

In "Tatort: Ihr werdet gerichtet" (So., 6.9., 20.15 Uhr, Das Erste) schwingt sich ein unauffälliger und auch nicht unsympathischer Bürger zum Richter und Henker auf, weil er sich vom Rechtssystem im Stich gelassen fühlt.

Was passiert im "Tatort" aus Luzern?

Zwei albanische Gebrauchtwagenhändler werden in Luzern auf offener Straße erschossen, bald darauf auch ein Treuhänder. Schnell erkennen die Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer), was die nur scheinbar willkürlich ausgesuchten Opfer gemeinsam haben: Sie sind Täter, die für ihre Taten nicht zur Rechenschaft gezogen wurden – die Schweizer Justiz war schlicht überlastet.

Die Autohändler schlugen einen jungen Mann rollstuhlreif, der Treuhänder ist ein notorischer Raser, der eine Mutter und ihre kleine Tochter auf dem Gewissen hat. Die Kommissare müssen den selbst ernannten Rächer stoppen, bevor er seine Mordserie fortsetzt. Die Liste der potenziellen Opfer ist lang, sie zu schützen unmöglich.

Tragischer Mord

In bester "Columbo"-Tradition kennt der Zuschauer den Täter von Anfang an, verfolgt seine Pläne und Begegnungen mit den Kommissaren. Die brauchen lange, bis sie ihm gegenüber endlich misstrauischer werden und Verdachtsmomente sammeln. So kann Simon Amstad weitermorden – eine tragische Verwechslung inklusive.

Antoine Monot jr. ist der Star dieses "Tatorts"

Der Star dieses Krimis ist zweifellos Antoine Monot jr., der seit 2014 den Rechtsanwalt in der ZDF-Serie "Ein Fall für zwei" spielt, vor allem aber als Werbegesicht einer Elektronikmarktkette bekannt wurde. Man fühlt sofort mit dem von ihm gespielten Simon Amstad mit, der sich liebevoll um seine Frau Karin kümmert und sie doch nicht erreichen kann. Man möchte ihm applaudieren, wie er freundlich, aber bestimmt den Vordrängler in der Bäckerei zurechtstutzt.

Man ertappt sich also dabei, wie man drauf und dran ist, diesen Wolf im Teddypelz trotz seiner inakzeptablen Grenzüberschreitungen auch irgendwie zu mögen. Und man erschrickt.

Wertung

Die Botschaft ist klar und wird beklemmend vermittelt: Krankt die Justiz, entsteht ein explosiver Mix aus Verbitterung und Hilflosigkeit. Die dramaturgische Notwendigkeit, die Treffer des Scharfschützen so detailliert zu zeigen, darf man anzweifeln.

Autor: Thomas Röbke