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Schwarzach 23 - Und die Hand des Todes

"Schwarzach 23 - Und die Hand des Todes": Ein Hund bringt Antons abgetrennten
Arm. Foto: © ZDF / Barbara Bauriedl

Auftakt zur Thrillersaison

Mörderischer TV-Herbst

Neben der Bestsellerverfilmung "Das Dorf der Mörder" sorgen die zwei Topkrimis "Schwarzach 23" und "Der Usedom-Krimi II" für Spannung.

"Das Dorf der Mörder" - die Story

Den Schweinen schmeckt's. Doch es sind nicht irgendwelche Schweine, die im frostgrauen Tierpark Berlin ihren Hunger stillen. Es sind brasilianische Pekaris, kompakte Allesfresser mit scharfen Hauern. Und es ist nicht irgendein Frühstück, das sie sich einverleiben.

Das wird klar, als Kinder in dem Gehege einen Herrenschuh samt Fuß entdecken. Der grausige Fund ruft Streifenpolizistin Sanela Beara (Alina Levshin) an den Tatort. Die forsche junge Beamtin hört sich im Zoo um und wird kurz darauf hinterrücks niedergeschlagen.

Die Täterin ist schnell gefunden: Charlie Rubin, die Futtertierzüchterin des Zoos (eindrucksvoll frostig: Anna Loos). Sie gesteht Anschlag und Mord. Zu den Hintergründen schweigt die rätselhafte Frau allerdings.

Beara ist skeptisch und ermittelt auf eigene Faust. Auch der vom Gericht bestellte Psychologe Jeremy Saaler (Benjamin Sadler) gerät in den Strudel der Nachforschungen - und kommt dabei Charlies attraktiver Schwester Cara näher.

Eine Leiche im Schweinetrog, eine Polizistin am Boden - nach diesem Paukenschlag schaltet "Das Dorf der Mörder" (26.10, ZDF, 20.15 Uhr) zwar ein paar Gänge runter, doch der subtile Grusel hält sich bis zum überraschenden Ende.

"Der Usedom-Krimi II"

Der Thriller aus der brandenburgischen Provinz ist nur einer von drei hochinteressanten Heimatkrimis dieser Woche. Im zweiten "Usedom-Krimi" (29.10., Das Erste, 20.15 Uhr) gerät Katrin Sass als Exstaatsanwältin mit ihrer Filmtochter aneinander. Der erste Fall von der Ostseeinsel lief vor einem Jahr - sehr erfolgreich. Jetzt muss Kommissarin Julia Thiel zum zweiten Mal ran: Die Chefin eines Supermarkts aus Ahlbeck wird tot im Kurpark des polnischen Swinemünde gefunden. Was erst wie ein Sexualdelikt wirkt, führt zu dubiosen Immobiliendeals und einigen deutsch-polnischen Liebesaffären.

Krimireihe "Schwarzach 23"

Und mit der neuen Reihe "Schwarzach 23" gönnt sich das ZDF am Samstagabend (24.10., 20.15 Uhr) eine Frischzellenkur. Versprochen wird ein Mordsspaß aus Bayern. Wortwörtlich gemeint. "Bayerischer Familienwestern". So nennt das ZDF den Fall um Kommissar Germinger junior (Maximilian Brückner), der Stress mit seiner Sippe hat: In den Fall des toten Schrotthändlers ist sein kauziger Vater (klasse: Friedrich von Thun) verstrickt. Schwester Anna (Marlene Morreis) macht ihm als Kollegin Konkurrenz. Sehr speziell sind auch die Bösen, etwa Geldverleiher Bohm, der noch bei seiner Mutter lebt und ständig Charles Aznavour hört.

Der große Krimiboom hält also an, auch im "Tatort" schickt man mittlerweile mehr Kommissare denn je ins Feld. Warum ist der Mord unsere liebste TV-Sünde? "Weil wir alle nicht frei von Sünde sind, zumindest nicht in Gedanken", meint Krimiautorin Elisabeth Herrmann. "Krimis sind die Märchen unserer Zeit. Wir brauchen das Böse darin ebenso wie das Gute, das am Ende gewinnt."

Die Schriftstellerin lieferte mit ihrem Roman "Das Dorf der Mörder" die Vorlage zum TV-Film. In nur einem Jahrzehnt hat sich die Wahlberlinerin in die Topliga des Genres geschrieben, erhielt 2012 den Deutschen Krimipreis und feilt gerade an ihrem elften Thriller.

Viel Stoff für Albträume

In "Das Dorf der Mörder" schöpft Elisabeth Herrmann aus ihrer Vergangenheit als Fernsehjournalistin für den Berliner Sender RBB. Sie besuchte tatsächlich eine echte Futtertierzüchterin im Tierpark. "Sie zieht die Ratten mit unglaublich viel Respekt und Liebe auf, auch wenn sie sie am Ende töten muss", so Herrmann.

Auch ihre ungestüme Heldin, die aus Kroatien stammende Sanela Beara, hat reale Bezüge. Vor 15 Jahren besuchte die Erfolgsautorin ein Camp mit Kriegsflüchtlingen vom Balkan. "Die Frauen haben mir ihre Albträume erzählt."

Herrmanns Erstling "Das Kindermädchen", der 2005 erschien, verkaufte sich mehr als 100.000-mal. Der Bestseller greift ein unbearbeitetes Kapitel der Zwangsarbeit in der NS-Zeit auf: Junge Frauen aus Russland, der Ukraine und Polen wurden als Kindermädchen in Nazifamilien geschickt. "Ich wollte eine Doku darüber drehen, aber keiner wollte das Thema", so die Autorin. "Dann schrieb ich das Buch."

Der Roman wurde verfilmt. In der Hauptrolle: Jan Josef Liefers als Berliner Anwalt Joachim Vernau. Derzeit laufen die Dreharbeiten zum dritten Vernau-Krimi. Nach ihrem Erfolgsdebüt wechselte Herrmann mit Mitte 40 das Erzählfach. Aus der TV-Journalistin, die schon als Kind ein Bücherwurm war, wurde die gefeierte Schriftstellerin. Oft arbeitet sie in ihre Romane bewusst historische Begebenheiten ein: "In der jüngeren deutschen Geschichte gibt es unglaublich viele ungehobene Schätze."

Ein Trend: Auch andere Kreative sezieren eindrucksvoll deutsche DNA. Etwa in der furiosen Agentenserie "Deutschland 83". Der Achtteiler um einen jungen Stasispion im Westen lief bereits in den USA - noch vor der Premiere hierzulande Ende November bei RTL.

Der TV-Herbst bleibt spannend. Der Winter kann kommen!

Autor: D. Weychardt