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Tatort Muenster Team

Nadeshada Krusenstern (Friederike Kempter) und Frank Thiel (Axel Prahl) zusammen
mit Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, r) im "Tatort: Erklär Chimäre".
Foto: © WDR/Martin Valentin Menke

Das Geheimnis ihres Erfolgs

Jan Josef Liefers und Axel Prahl über den "Tatort: Münster"

Jan Josef Liefers und Axel Prahl plaudern aus dem Nähkästchen: alles über das Team, ihre Verträge und ihre Pläne beim "Tatort: Münster".

Herrlich viel Humor – und eine herzliche Hassliebe: Das Konzept des "Tatort: Münster" mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl kommt beim Publikum bestens an. Im vergangenen Jahr begeisterte es bis zu 13,13 Millionen Zuschauer – ein absoluter Rekord! Auch die neueste "Tatort"-Episode "Erkläre Chimäre" (So., 31.5., 20.15 Uhr, Das Erste, s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm) wird wieder ein Volltreffer.

Skurrile Ideen der Drehbuchautoren

Neben den beiden Stars ist das auch den skurrilen Ideen der Drehbuchautoren Stefan Cantz und Jan Hinter zu verdanken, die einige politisch unkorrekte Witze eingewoben haben, etwa über Prof. Boernes kleinwüchsige Assistentin Silke "Alberich" Haller (Christine Urspruch) und Frank Thiels kiffenden, Taxi fahrenden Vater Herbert (Claus Dieter Clausnitzer).

Doch was macht den großen Erfolg des "Tatort: Münster" noch aus? Warum sticht er in puncto Einschaltquoten sogar die Fälle der höchst beliebten Ermittler Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Nick Tschiller (Til Schweiger) aus?

HÖRZU nahm die Fahndung auf: In einer langen Drehpause zur Produktion der nächsten Episode "Schwanensee", die im Herbst 2015 laufen wird, baten wir Liefers und Prahl zu einer ausführlichen Vernehmung.

Das Erfolgsgeheimnis des "Tatort: Münster"

Laut Jan Josef Liefers basiert die 13-jährige Erfolgsgeschichte der Episoden aus Westfalen auf zwei Säulen. Da ist zum einen die Crew oder, wie Liefers es nennt, "das illustre Team", zum anderen ein raffinierter Genremix: "Wir zeigen eine Krimikomödie mit allen Zutaten: mit Humor, Melancholie, politischer Unkorrektheit und teils recht schrulligen Charakteren à la Miss Marple."

Der Star muss allerdings einschränken: "Inzwischen sind wir damit nicht mehr allein. Auch der 'Tatort: Weimar' geht diesen Weg erfolgreich. Über meine Figur des Rechtsmediziners kommt das leicht Morbide in die Handlung, auch etwas schwärzerer Humor, sogar noch angesichts einer befürchteten Krebserkrankung. Zu guter Letzt ist Boerne auch noch ein Hobbydetektiv, der sich ständig in Dinge einmischt, die seine Kompetenzen überschreiten."

Liefers zufolge sind die beiden Ermittler, Kommissar Frank Thiel und der Pathologe Prof. Karl-Friedrich Boerne, ebenso untrennbar wie unvereinbar. Nicht nur beruflich, sondern auch privat: "Boerne ist Hausbesitzer – Thiel sein Mieter. Allein daraus ergeben sich tausend Konfliktmöglichkeiten. Zwischen den beiden besteht nicht nur ein Aufeinander-angewiesen-Sein, sondern auch eine schrullig-verquere Zuneigung."

Axel Prahl ergänzt: "Zudem decken unsere Hauptpersonen verschiedene soziale Aspekte ab. Der Zahnarzt und Akademiker findet im 'Tatort: Münster' ebenso eine Identifikationsfigur wie der Bauarbeiter." Auch für Prahl spielt die Crew eine große Rolle: "Ein wesentlicher Baustein des Erfolgs ist, dass hier alle mit Liebe dabei sind – als Team."

Das "Tatort: Münster"-Team

Was in vielen Interviews eine geläufige Floskel ist, scheint hier tatsächlich zu stimmen: der tolle Teamgeist. Fast alle Schauspieler, aber auch die Produzenten schwärmen von den netten Kollegen, die im Lauf der Jahre zu einer Art Familie zusammengewachsen seien. Es kursieren sogar Gerüchte, das Ende des "Tatort: Münster" sei besiegelt, würde auch nur einer der Mitwirkenden ausscheiden.

HÖRZU fragte nach, ob das stimme – und bekam prompt eine erstaunliche Antwort: "Unser Team ist am besten vergleichbar mit einer Band", sagt Liefers. "Die nikotinsüchtige Staatsanwältin, der kiffende Taxifahrer, die kleinwüchsige Assistentin, Kommissarin Krusenstern – wir alle haben den Erfolg gemeinsam aufgebaut. Die Nebenfiguren sind genauso sehr Markenzeichen für unseren 'Tatort' wie Axel und ich. Wenn eine der starken Figuren ausstiege, würde ich ebenfalls einpacken." Prahl bestätigt: "Die Ansage ist auf jeden Fall gesetzt: Dann ist Schluss für uns alle! Anschließend wäre nämlich Sand im Getriebe."

Das Münsteraner Team hat sich bereits als sehr krisenfest erwiesen. Etwa als die inhaltlich schwache Episode "Das Wunder von Wolbeck" bei Zuschauern wie Kritikern gleichermaßen durchfiel. Damals, so die Stars, gab es eine kleine Drehbuchdebatte, doch inzwischen sei man wieder auf Erfolgskurs. Liefers: "Es gab ein paar Ausrutscher. Aber die Qualität ist inzwischen besser, vor allem stabiler geworden. Ich denke, dass wir trotz ein paar Dellen und Beulen in der Karosserie immer heil ins Ziel gekommen sind. Auch 'Schwanensee' wird eine schöne Geschichte: Sie ist inspiriert von der deutschlandweit bekannt gewordenen Liebe eines schwarzen Schwans zu einem Tretboot. Das geschah natürlich in Münster, mitten auf dem Aasee!"

Kritik an zu viel Klamauk

Driften die Münster-Krimis zu sehr Richtung Klamauk ab? Liefers hält die Kritik für wenig substanziell: "Ich sehe uns nicht als Clowns oder Comicfiguren. Das Wort Klamauk finde ich unzutreffend. Manche Leute hauen das einfach so raus, weil es sich gut anhört. Ich fand unseren 'Tatort' nie bloß klamaukig, selbst wenn er mal nicht so gut gelungen war." Prahl ergänzt: "Wir versuchen immer, einen naturalistischen Hintergrund für die Satire, den Witz, die Ironie zu finden. Mit Humor ist das so eine Sache: Entweder teilt man ihn – oder nicht."

Nächstes heikles Thema: Kürzlich kursierte in mehreren Medien das Gerücht, die Verträge der "Tatort"-Stars aus Münster würden bald auslaufen. Liefers stellt das in HÖRZU richtig: "Unsere Verträge sind schon einige Male ausgelaufen und wurden immer wieder verlängert – wie bei Fußballtrainern. Wir haben stets geschaut, dass die Vertragszeiträume eher kurz sind, weil uns das motiviert, uns immer wieder Mühe zu geben. Trotzdem hat alles seine Halbwertszeit: Man sollte nie den Punkt verpassen, an dem es noch schön ist, an dem die Fans noch sagen: 'Ach, schade, dass der Münster-'Tatort' vorbei ist. Der hätte noch weitergehen können.' Besser so als umgekehrt!"

"Tatort: Münster" im Kino?

Derzeit arbeiten die Drehbuchautoren schon am nächsten großen Projekt: an der Idee, den "Tatort: Münster" auf die große Leinwand zu bringen. Über den aktuellen Stand verrät Prahl so viel: "Unser Kinofilm ist nach wie vor im Gespräch. Aber es gibt viele Dinge, die noch nicht spruchreif sind. Zuallererst muss es den richtigen Stoff geben. Fürs Kino braucht man ein gutes Drehbuch." Liefers sieht das ähnlich: "Die Absicht und die Lust, diesen Film zu drehen, sind bei allen da. Es ist also kein gänzlich ungelegtes Ei. Doch wie dieser Kino-'Tatort' genau sein muss, damit sich der Ticketkauf lohnt, daran wird noch gearbeitet."

Apropos Arbeit: Nach 45 Minuten "Verhör" werden die Stars zurückgerufen zum Dreh, und HÖRZU verabschiedet sich. Doch halt, vorher noch kurz ein kleiner Stresstest in Sachen Humor: "Wie würden Sie reagieren, wenn eines Tages ganz unverhofft Ihr Koermittler vor Ihnen auf dem Seziertisch läge?", fragen wir die beiden. "Oh, das würde ja herrlich traurig!", setzt Liefers an. "Bei Frank Thiel gibt es mehrere neuralgische Punkte, die ein Mordmotiv nahelegen. Mir fallen sofort 600 hieb- und stichfeste Motive ein." Doch bevor er loslegen kann, prustet Prahl schon dazwischen: "Thiel würde sich überhaupt nicht wundern, wenn der Klugscheißer Prof. Boerne dahingemeuchelt würde. Denn wer austeilt, muss auch einstecken können. Als Axel Prahl würde ich Boernes Tod jedoch höchstgradig bedauern. Denn so ein durchgeknallter Professor macht schon was her."

Autor: Mike Powelz