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Mordkommission Berlin 1

Kriminalkommissar Paul Lang (Friedrich Mücke, r.), sein Assistent Conrad
Ruppert (Frederick Lau, M.) und Sekretärin Masha Kampe (Emilia Schüle, l.).
Foto: © Sat. 1

TV-Krimi "Mordkommission Berlin 1"

Eine Stadt sucht einen Mörder

Krimi nach realem Vorbild: Wie ein Polizist im Berlin der 20er-Jahre moderne Kriminaltechnik entwickelte, um einen brutalen Täter zu fassen.

Eine neblige Nacht in Berlin: Im Tiergarten treibt mitten im blutigen Wasser des Krokodilbeckens die Leiche des mächtigen Staatsanwalts, übel zugerichtet, umringt von hungrigen Reptilien. Kurz vor seinem Ableben hatte sich der Jurist stark alkoholisiert im Varieté "Irrgarten" vergnügt, einem Etablissement von durchaus zweifelhaftem Ruf. Nun rätseln die Polizisten, ob es sich um einen Unfall handelt – oder um heimtückischen Mord.

Dabei sind die Indizien eindeutig. Jeder "Tatort"-Kommissar würde auf der Stelle die Spurensicherung rufen. Nicht so die Ordnungshüter in dem Fernsehkrimi "Mordkommission Berlin 1" (1.12., 20.15 Uhr, Sat.1). Denn der Ermittler Paul Lang (Friedrich Mücke) und sein Team leben und arbeiten in den 1920er-Jahren. Kriminalistik und Forensik stecken zu jener Zeit noch in den Kinderschuhen.

Die 122 Minuten des Films sind einerseits Krimikost der harten Sorte, andererseits aber auch eine faszinierende Zeitreise in die Vergangenheit, die an den Kinothriller "From Hell" mit Johnny Depp erinnert. Der Fall: Kommissar Lang, verwitwet und opiumsüchtig, muss herausfinden, was Varietébesitzerin Irma (Antje Traue) und der zerschlagene Ringverein "Die Krokodile" mit dem Mord an dem Staatsanwalt zu tun haben.

Ein Strippenzieher im Knast

Ringvereine waren Ende des 19. Jahrhunderts als Solidargemeinschaften ehemaliger Strafgefangener entstanden, wandelten sich aber bald zu Vereinigungen des organisierten Verbrechens. Zwar sitzt der Boss der "Krokodile", Immanuel Tauss (Tobias Moretti), gerade ein, doch er leitet die "Geschäfte" vom Gefängnis aus. Als es Lang mit einem weiteren Todesfall zu tun bekommt, dem Mord an einer Varietétänzerin, ist er auf die Hilfe seiner Mitarbeiter Conrad Ruppert (Frederick Lau) und Masha Kampe (Emilia Schüle) angewiesen. Doch die beiden lassen ihn im Stich.

Angelehnt ist diese Handlung an die wahre Geschichte des ersten deutschen Fallanalytikers Ernst August Ferdinand Gennat (1880 - 1939), aufgrund seiner Leibesfülle auch "Der volle Ernst" oder "Der Dicke" genannt. Gennat begründete zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Berlin die moderne Kriminaltechnik. Er ließ etwa eine Benz-Limousine vom Typ 16/50 PS zum "Mordauto" umbauen: mit allen notwendigen Gerätschaften für die Spurensicherung inklusive Arbeitsplatz für eine Stenotypistin.

Diese Helferin wird im Film dargestellt von Emilia Schüle, die mit dem "Tatort: Wegwerfmädchen" bekannt wurde und bereits den Nachwuchspreis der GOLDENEN KAMERA erhielt. Die 22-Jährige berichtet im Gespräch mit HÖRZU: "Masha Kampe, die ich spiele, ist nicht nur ein normales Berliner Mädchen, sondern auch eine Sekretärin, die neben Kommissar Lang intellektuell wirken möchte." Lesen Sie hier das ganze Interview.

Ein Manteltyp wie Columbo

Friedrich Mücke lehnt diese Figur eng an Ernst Gennat an. Der Schauspieler: "Im Vergleich zu den Ermittlern der Gegenwart existieren starke Unterschiede, denn die DNA-Analysen gab es in den 20er-Jahren nicht. Außerdem arbeitet ein heutiger Kommissar viel enger mit seinen Mitarbeitern zusammen. Im Film erleben wir Paul Lang, wie er selbst an den Tatort geht und Spuren sichert. Zudem trägt er Anzug, Gennat selbst war eher ein Manteltyp à la Columbo. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Gennat auch älter als Lang. Instanzen sind jedoch beide. Lang ist in der Mordkommission Berlin 1 eine absolute Führungsfigur, an Gennat kam zu seiner Zeit ebenfalls keiner vorbei, weil er wegweisende neue Methoden entwickelte, an denen man sich noch heute orientiert. Und privat verstehe ich seine Vorliebe für Stachelbeerkuchen."

Auch die weiteren Filmfiguren sind als vielschichtige Persönlichkeiten angelegt. Tobias Moretti, der Gangsterboss Tauss spielt, verrät: "Tauss hat das Grauen des Ersten Weltkriegs an vorderster Front erlebt und sich im Elend der Schützengr.ben zu einem erbarmungslosen Überlebenskämpfer entwickelt. Zurück in der Heimat sieht er in der normalen Gesellschaft keinen Platz mehr für sich. Er schart andere frustrierte Exsoldaten um sich. Mit Gewalt und Tauss’ Geschick als Bombenleger avancieren die 'Krokodile' zu einer der mächtigsten Verbrecherorganisationen im damaligen Berlin. Es ist Hauptkommissar Paul Lang, dem es mithilfe eines Kronzeugen gelingt, Tauss aus dem Verkehr zu ziehen. Aber Tauss wäre kein Krokodil, wenn er nicht auch aus den Tiefen eines Kerkers die Fäden ziehen und zuschlagen könnte."

Ein starker Gegner also für Kommissar Lang - und eine Kriminalgeschichte, die eigentlich genug Stoff für eine ganze Filmreihe bieten würde. Denn Kriminalisten wie Ernst Gennat hatten im Berlin der 20er-Jahre reichlich zu tun.

Autor: Mike Powelz