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Tatort Kollaps

Claudia Siebert (Alexandra Finder, r.) findet ihre Tochter Emma leblos auf dem
Spielplatz liegen. Foto: © WDR/Thomas Kost

Brisant und hoch emotional

Dieser "Tatort" ist kein Ponyhof: Ein Kind stirbt im Sandkasten an Drogen

In Dortmund stirbt ein Kind im Sandkasten - an Drogen. Dann gibt es weitere Opfer.

Der Vater des toten Mädchens schreit seine Wut hinaus in die Welt: "Die kommen hierher, machen alles kaputt, töten meine Tochter!" Die, das sind für ihn Drogendealer aus Afrika. Doch so einfach liegt der Fall nicht.

Wieder legt ein "Tatort" (So., 18.10., Das Erste, 20.15 Uhr) den Finger in gesellschaftliche Wunden, stellt die Frage nach der Perspektive von Flüchtlingen in Deutschland. Ein brisantes, hoch emotionales Thema.

Was passiert im "Tatort: Kollaps"?

Die sechsjährige Emma findet im Sandkasten bunte Kügelchen und hält sie für Bonbons. Das gestreckte Kokain führt zu einem tödlichen Kreislaufkollaps. Versteckt haben die Drogen Jamal und Niara, ein Geschwisterpaar aus dem Senegal. Niara wird bald darauf tot aufgefunden - ausgerechnet von Emmas Vater. Am nächsten Tag stirbt wieder ein Dealer. Jemand scheint "aufzuräumen". Der gewagte Plan der Ermittler: Sie wollen Jamal als Lockvogel einsetzen. Und bringen ihn damit in tödliche Gefahr.

Was ist das Besondere an diesem "Tatort"?

Die Ermittler sind immer gleich zu viert und haben viele Macken, die erzählt werden wollen. Hauptkommissar Faber wird durch kauzigen Humor von Mal zu Mal komischer und zu einer Art modernem Schimanski: hart, aggressiv, unberechenbar. Eine Paraderolle für Jörg Hartmann, der irre Stasi-Mann aus "Weissensee". Zitat: "Was tut er da?" - "Er fabert herum, fragt mich nicht!"

Kollegin Bönisch (Anna Schudt) ist in der Krise: Der Exmann entzieht ihr die Söhne, sie sucht Trost in schnellem Sex - der schon ein Grund fürs Zerbrechen der Familie war. Und Polizeioberkommissar Kossik (Stefan Konarske) ist eifersüchtig auf den Freund seiner Ex und Kollegin Dalay (Aylin Tezel).

Wer ist dabei?

Den undurchsichtigen Vater der toten Emma spielt Sönke Möhring, der fünf Jahre jüngere Bruder von Wotan Wilke, der wiederum letzte Woche für den NDR ermittelte. Idealbesetzung für Rollen, die eine Mischung aus Verbitterung und Großspurigkeit erfordern, ist offenbar Werner Wölbern. Letzte Woche als zwielichtiger Dienststellenleiter zu sehen, ist er diesmal ein guter Freund der trauernden Familie, der das Gesetz gern selbst in die Hand nehmen würde. Oder sogar nimmt?

Wertung

Emotionaler als mit dem Tod eines Kindes kann ein Krimi nicht beginnen. Der Zuschauer ist sofort gefangen, weicht den Ermittlern nicht mehr von der Seite, obwohl die Geschichte düster bleibt. Ein "Tatort" ist halt kein Ponyhof. Erstaunlich, wie viel in 90 Minuten passt, wenn man es geschickt erzählt.

Autor: Thomas Röbke