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Tatort-Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann)

Peter Faber (Jörg Hartmann) schluckt permanent Pillen, provoziert ständig seine
Umwelt und verbreitet Angst. - Foto: © WDR/Willi Weber

Kommissare auf der Couch

Die "Tatort"-Cops im Psycho-Check

Haben die eine Macke? Ein Psychologe checkt exklusiv für HÖRZU die "Tatort"-Cops durch. Die Resultate erschrecken.

Verfolgungswahn, krankhafte Eifersucht, Drogenabhängigkeit – viele der brutalen Mörder, die die "Tatort"-Kommissare Woche für Woche hinter Gitter bringen, sind psychisch krank. Aber: Ticken die Ermittler selbst noch richtig? Sind ihre kleinen oder größeren Macken, die wir teils seit Jahren erleben, nicht auch ein Hinweis auf psychische Defekte?

Persönlichkeitsanalyse von Prof. Dr. Manuel Tusch

HÖRZU wollte es genau wissen und bat den renommierten Psychologen Prof. Dr. Manuel Tusch um eine Persönlichkeitsanalyse bei einigen besonders komplizierten Helden der beliebten ARD-Krimireihe: etwa bei Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler), Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) oder dem neuen Berliner "Tatort"-Ermittler Robert Karow (Mark Waschke), der am 22. März im "Tatort: Das Muli" seinen ersten Einsatz hat (20.15 Uhr, Das Erste, s. auch TV-Tipps rechts) wieder einen ganz besonders brisanten Fall lösen muss. Tuschs Ergebnisse überraschen (siehe auch unten).

Oder hätten Sie gedacht, dass Charlotte Lindholm, Maria Furtwänglers Figur, ein massives Problem hat mit Nähe und Distanz? Tusch jedenfalls kommt zu der Diagnose: "Zwar schließe ich nymphomanische Neigungen aus, doch Lindholms Balance zwischen Nähe und professioneller Distanz ist extrem stark gestört." Oder nehmen wir den so populären Münsteraner Pathologen Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers): Bei ihm diagnostiziert Prof. Tusch "eine emotional instabile Persönlichkeit mit Neigung zu emotionalen Ausbrüchen, oberflächlicher Affektivität, theatralisch übertriebenem Ausdruck von Gefühlen und einem dauernden Verlangen nach Anerkennung." Klingt nicht gesund und geht auf Dauer sicher auch nicht gut, entsprechend haben einige der psychisch angeschlagenen "Tatort"-Kollegen inzwischen auch den Dienst quittiert, wie etwa Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki). Nachdem die rothaarige Frankfurterin gegen einen Serienmörder ermitteln musste, der ihre Eltern im heimischen Wohnzimmer brutal ermordet hatte, war sie so schwer traumatisiert, dass sie nie mehr richtig auf die Beine kam. Ein dramatischer Fall unter den Ermittlern war auch Hauptkommissar Frank Steier (Joachim Król), Sängers Nachfolger in Frankfurt: Der verfiel im Laufe der Jahre mehr und mehr dem Alkohol, war zuletzt dienstunfähig und innerlich zerbrochen.

Das Burn-out-Syndrom

Psychologe Manuel Tusch erklärt: "Das Burn-out-Syndrom wird generell zu einer immer stärkeren Belastung für Polizistinnen und Polizisten, aber auch für Kriminalkommissare – und Bundespolizisten, deren permanente Überforderung Wotan Wilke Möhring als 'Tatort'-Ermittler Torsten Falke glaubhaft vor der Kamera darstellt." Der Grund sei, so Tusch, dass besonders bei Polizisten das Rollenbild des Helden zu stark ausgeprägt sei: "Viele Ermittler verdrängen ihre traumatischen Erlebnisse im Laufe der Zeit und leiden anschließend unter einem nachhaltigen Burn-out, Depressionen, Angststörungen, psychosomatischen Beschwerden oder, wie Peter Faber im "Tatort" aus Dortmund, unter schweren Suchterkrankungen." Eine Burn-out-Studie, im Auftrag des Bundesinnenministeriums an 11.000 haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten durchgeführt, bestätigt Tuschs Einschätzung: Sie kommt zu dem Ergebnis, ein Viertel der Bundespolizisten sei "hoch ausgebrannt", Tendenz steigend.

Natürlich muss man die psychologischen Analysen der "Tatort"-Kommissare durch unseren Experten mit einem Augenzwinkern sehen – schließlich geht es um fiktive Personen, die er nur auf dem Bildschirm erlebt hat. Die Diagnose "verhaltensauffällig" würde in der Realität aber allemal gestellt. Das heißt: Nicht wenige dieser Ermittler, denen die Drehbuchautoren immer mehr Ticks und Leiden andichten, würden auf der Couch eines Psychologen landen und ausgiebig therapiert – sonst hieße die Diagnose früher oder später: "dienstuntauglich"!

Psychologische Analyse der "Tatort"-Kommissare

  • Klaus Borowski (Axel Milberg)
  • Klaus Borowski (Axel Milberg)
    "Tatort"-Kommissar Borowski (Axel Milberg). - Foto: © NDR/Marion von der Mehden

    Kennzeichen: Wortkarg, einsamer Wolf. Kann Liebe schlecht annehmen oder geben. Wird oft konfrontiert mit extrem grausamen Mordfällen und war schon in Psycho-Behandlung.
    Analyse: "Borowski leidet unter leichten Verhaltens- und emotionalen Störungen. Sein Verhalten, Denken und Fühlen weicht deutlich ab von der Mehrheit der Bevölkerung. Der Grund: Er hat viel gelitten und seine soziale Funktionsfähigkeit ist gestört."


  • Nick Tschiller (Til Schweiger)
  • Nick Tschiller (Til Schweiger)
    Hamburger "Tatort"-Kommissar Nick Tschiller (Til Schweiger). - Foto: © NDR

    Kennzeichen: Sein Zeigefinger betätigt den Abzug der Dienstwaffe viel zu schnell, allein in seinem ersten Fall erschoss er drei Verdächtige. Mit der gegen ihn ermittelnden Staatsanwältin landete er anschließend ins Bett.
    Analyse: "Typisches Beispiel für einen Ermittler, der unter mangelnder Impulskontrolle leidet. Das Krankheitsbild F63 beinhaltet wiederholte Handlungen, die nicht kontrolliert werden können und andere schädigen."


  • Peter Faber (Jörg Hartmann)
  • Peter Faber (Jörg Hartmann)
    Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) ist ein Grenzgänger: Er schont niemanden, sich selbst am allerwenigsten. - Foto: © WDR/Willi Weber,

    Kennzeichen: Chaosstifter, Messie, Kollegenschwein. Schluckt permanent Pillen, provoziert ständig seine Umwelt und verbreitet Angst.
    Analyse: "Faber hat eine Persönlichkeitsstörung, die durch Missachtung sozialer Verpflichtungen und Herzlosigkeit gekennzeichnet ist. Sein Krankheitsbild nennt sich 'dissoziale Persönlichkeitsstörung' und grenzt an Soziopathie. Sein Verhalten scheint nicht änderungsfähig zu sein."


  • C. Lindholm (Maria Furtwängler)
  • Lindholm (Maria Furtwängler)
    "Tatort"-Kommissarin C. Lindholm (Maria Furtwängler). - Foto: © NDR/Christine Schroeder

    Kennzeichen: Hat wiederholt Liebesbeziehungen zu Verdächtigen (gespielt z. B. von Heikko Deutschmann, Hannes Jaenicke, Benjamin Sadler). Schwanger nach einem One-Night-Stand mit einem katalanischen Kollegen. Hat einen Sammeltick.
    Analyse: "Lindholm hat ein ausgeprägtes Nähe-Distanz-Problem und oft Beziehungen zu Männern, gegen die ein Verdacht im Raum steht – das kann sich eigentlich kein Ermittler leisten, ohne den Job zu verlieren."


  • K.-F. Boerne (Jan Josef Liefers)
  • Boerne (Jan Josef Liefers)
    Der populäre Münsteraner Pathologen Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers). - Foto: © SRF/WDR/Thomas Kost

    Kennzeichen: Diskriminiert seine kleinwüchsige Assistentin. Kann gut austeilen, aber nicht einstecken. Gebildet und herablassend, sieht sich selbst als fehlerfrei. Langzeitsingle.
    Analyse: "Eine emotional instabile Persönlichkeit mit dem Hang zum Narzissmus (extremer Selbstliebe). Zudem Symptome einer histrionischen Störung (Dramatisierung, Theatralik, Mangel an Rücksichtnahme und erhöhte Kränkbarkeit)."


  • Felix Murot (Ulrich Tukur)
  • Kennzeichen: Litt lange unter einem Gehirntumor, den er "Lilly" taufte. Hatte vorübergehend Halluzinationen. Neben seiner charmanten Seite ist er manchmal düster und unangenehm. Übersinnlich angehaucht.
    Analyse: "Zu den Folgen einer Neoplasie (Tumorbildung) zählen Ichstörungen. Schwankungen zwischen 'gut' und 'düster' deuten auf ein leichtes Borderlinesyndrom ('himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt') hin."


  • Lena Odenthal (Ulrike Folkerts)
  • Lena Odenthal (Ulrike Folkerts)
    "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und "Tatort"-Kommissar Andreas Hoppe (Mario Kopper) ermitteln in Ludwigshafen. - Foto: © SWR/Krause-Burberg

    Kennzeichen: Mutierte vom "weiblichen Schimanski" zur Dünnhäutigen, sehr sensibel – und einsam. Größte Angst: zu Hause sterben – und von der Katze aufgefressen zu werden.
    Analyse: "Odenthal leidet unter einer depressiven Episode – dabei ist die Stimmung gedrückt. Verminderte Fähigkeit zur Freude, vorübergehend wenig ausgeprägte Interessen. Eine auffällig ausgeprägte Müdigkeit tritt nach jeder Anstrengung ein."

    Autor: Mike Powelz