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Tolles Duo: Der muffige Mørck (Nikolaij Lie Kaas, l.) und der lässige Assad.

Tolles Duo: Der muffige Mørck (Nikolaij Lie Kaas, l.) und der lässige Assad (Fares Fares). - Foto: © NFP

Zum Kinostart von ''Erbarmen'' (23.1.)

Interview mit Hauptdarsteller Nikolaj Lie Kaas

Eine Frau wird an einem gottverlassenen Ort von einem perfiden Psychopathen gefangen gehalten. Ein zynischer, wortkarger Kommissar ist besessen davon, sie zu finden. Eine Story, so finster, wie sie nur ein Skandinavier schreiben kann. Nikolaj Lie Kaas, Hauptdarsteller in der Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung "Erbarmen" (ab 23.1. im Kino), hat mit dem verbitterten Kommissar aber nichts gemein. Beim Treffen im Hamburger Hotel Grand Elysée mit HÖRZU gibt sich der 40-jährige Däne gut gelaunt und plaudert locker über die dunkle Seele Skandinaviens und die Faszination des Bösen.

HÖRZU: Sie strahlen übers ganze Gesicht – aber in "Erbarmen" sieht man Sie nicht einmal lächeln.

Nikolaj Lie Kaas: Ach, das war überhaupt kein Problem für mich. Ich bin ein Morgenmuffel, und wenn ich früh am Set sein musste, habe ich meine schlechte Laune und die dazugehörige Fresse einfach beibehalten. Nichts leichter als das! Eigentlich fällt es mir schwerer, den lustigen Typen zu mimen. Es ist eine Herausforderung, wenn man nicht besonders gut drauf ist. Wir haben doch alle unterschiedliche Facetten – die fröhliche, aber auch die deprimierte, arrogante oder hasserfüllte Facette. Die muss man als Schauspieler eben alle aktivieren können.

HÖRZU: Warum sind die Skandinavier so gut im Krimi-Genre?

Nikolaj Lie Kaas: Wir Skandinavier haben nun mal eine ausgeprägte dunkle Seite. Björn Ulvaeus von Abba hat einmal gesagt, dass wir versuchen, das Düstere zu verdrängen und Fröhlichkeit zu verbreiten, obwohl das nun mal unser Erbe ist und wir sogar ein bisschen stolz darauf sein sollten. Ich finde, er hat recht. Daher kommen auch diese wunderbaren Geschichten, Thriller und Krimis.

Kino Erbarmen Interview

Gefangen: Merete Lynggaard (Sonja Richter). - Foto © NFP

HÖRZU: Warum sind die gerade in Deutschland so beliebt?

Nikolaj Lie Kaas: Keine Ahnung! Ich kann mir vorstellen, dass die Deutschen von jeher von dunklen und mörderischen Stoffen fasziniert waren. Carl Mørck ("mørk" heißt auf Deutsch "dunkel", Anm. der Redaktion) ist auch ein bisschen tragisch, und man freundet sich trotz seiner Brummigkeit leicht mit ihm an.

HÖRZU: Mørcks Kollege Assad ist das Gegenteil: freundlich, emotional. Was für eine Beziehung haben die zwei?

Nikolaj Lie Kaas: Die beiden gehören einfach zusammen. Hand aufs Herz: Mørck ist nun wirklich kein sympathischer Typ und immer so furchtbar ernsthaft und auch irgendwie erbärmlich. Es ist, als ob er gar nicht der Held sein und die Hauptrolle spielen will. Es ist wichtig, dass sein Kollege Assad da ist und dem Zuschauer zeigt: Hey, Mørck ist eigentlich ganz in Ordnung. Assad gibt dem Film Wärme. Die beiden kommen nicht ohne einander aus. Wie Yin und Yang!

HÖRZU: Warum ist Carl Mørck so besessen von dem Fall?

Nikolaj Lie Kaas: Wir haben darüber beim Dreh lange diskutiert. Ich glaube, er sieht Meretes Augen auf dem Foto und ist von ihnen total hingerissen. Es muss irgendetwas in ihrem Blick sein, das ihn ganz tief in seinem innersten Kern berührt. Gerade war er noch darüber deprimiert, dass er zur Schreibtischarbeit verdonnert wurde, da lebt er plötzlich auf.

HÖRZU: Was hat "Erbarmen", was andere Filme nicht haben?

Nikolaj Lie Kaas: Ich mag an dem Film, dass er nicht nur schwarz oder weiß ist, sondern dass wir auch etwas über die Psychologie des Entführers erfahren, seine Gründe, sein Trauma. Die Schicksale der Charaktere sind miteinander verwoben, und alles entfaltet sich langsam, ohne Hektik. Das macht die Geschichte extremnspannend und verursacht Gänsehaut.

HÖRZU: Was ist besonders an der dänischen Filmindustrie?

Nikolaj Lie Kaas: Ihre Intimität. Ich habe auch in den USA gearbeitet, wo die Stimmung am Set wunderbar war. Aber was mir dort fehlte, war die dänische Mentalität. Der Humor, der so unverwechselbar dänisch ist: unglaublich ironisch, pechschwarz und herrlich absurd. So durchgeknallt sind nicht mal Engländer!

HÖRZU: Es gibt noch vier weitere Romane über Carl Mørck – das schreit doch nach einem Franchise, oder?

Nikolaj Lie Kaas: Ja, es wird definitiv Fortsetzungen geben. Der Film lässt ja ein paar Fragen offen, vor allem über Mørcks Privatleben. Jussi sagte mir, er möchte zehn Bücher über das Sonderdezernat Q schreiben. Er hat noch viele Ideen im Kopf.

Autor: Wiebke Toebelmann