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Die Moderatoren Judith Rakers, Stefan Raab und Anke Engelke.
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Judith Rakers (links), Stefan Raab und Anke Engelke moderieren das Finale des Eurovision Song Contest. - Foto © NDR / Willi Weber / Andreas Rehmann (M) / David Paprocki (M)

Eurovision Song Contest 2011

Lena, mach's noch einmal!

Prognosen zum ESC 2011 von Schauspieler Georg Uecker

Für HÖRZU hat Georg Uecker (48), "Lindenstraßen"-Schauspieler und ein unter Fans bekanntes, wandelndes ESC-Lexikon, Lenas Kon­kurrenz beim diesjährigen Eurovision Song Contest am 14. Mai in Düsseldorf bewertet:

Israel – Dana International

13 Jahre ist es nun her, seit sie in einer der spannendsten Punktevergaben erst durch die letzte Wertung als Siegerin feststand. Dana ist groß. Sie ist eine Bürgerrechtsaktivistin. Sie hat Stil. She is larger than life. Aber leider kommt die fabulöse Synthi-Retorte Dame dieses Jahr mit einem nichtssagenden Nicht-Lied daher. Ein Disco-Fox-Beat aus jener Kategorie, die nicht mal Michael Wendler gebrauchen kann. Die Drei-Minuten-Terrine mit flacher Melodieführung passt sich der textlichen Nulllösung nachgerade kongenial an: Ding Dong! Auf ihrer Website können die Fans nun abstimmen, mit welchem Fummel Madame die Ute Ohovens der Düsseldorfer Alt-Stadt noch älter aussehen lässt.

Frankreich – Amaury Vassili

La Grande Nation hat eine Grande Chance auf den aktuellen Grand Prix! Amaury Vassili – schon der Name des Sängers klingt wie Musik. Also: Take a France on me. Amaury ist 21, schön – irgendwo zwischen ephebisch und anämisch –, ein Twilight-Vampir. Sein Contest-Lied "Sognu" ist rechtschaffen altbacken, aber geht schnell ins Ohr. Zu einer soghaft treibenden Bolero-Struktur singt der Beau mit poptenoralem Schmelz vom Herzeleid. Das ist so neu wie Adoro-Ten Tenors-Il Divo als ambitionierte Ich-AG. "Sognu" singt er komplett auf Korsisch. Vielleicht handelt es sich um eine Abart des Ländersprachausgleichs. Denn 1993 sang der echte Korse Patrick Fiori seinen ESC-Beitrag "Mama Corsica" auf Französisch. Kurzum: Love it or leave it. Ein Platz auf dem Treppchen ist ihm sicher. Und Paris im Mai immer schön ...

UK – Das blaue Wunder

Die Popnation schlechthin will es dieses Jahr wissen. Nachdem letztes Jahr Cool Britannia den letzten Platz belegte, wird nun poppig aufgerüstet. Die mit rund 15 Millionen verkauften Tonträgern erfolgreiche Boyband Blue soll die Schmach von Oslo vergessen lassen. Die kraftvolle Uptempo-Nummer mit dem optimistisch obamaesken Titel "I can" soll die magere Bilanz mit nur zwei Top-Ten-Platzierungen in den letzten 13 Contests aufpolieren. I can wird ziemlich sicher unter die ersten fünf kommen. Da dem Song aber das letzte Quentchen Originalität fehlt und der Grand Prix einen legendären Ruf als "Favoritengrab" hat, könnte es passieren, dass "Le Royaume-Uni" den bisher 15 (!) zweiten ESC-Platzierungen eine weitere hinzufügt. Wie tröstlich, dass auch Cliff Richard und Olivia Newton-John ihrer Favoritenrolle nicht gerecht werden konnten. You can!

Schweden – Das Auge isst mit

Eric Saade hatte schon letztes Jahr einen bemerkenswerten Auftritt beim ESC. Als Verkünder der schwedischen Punkte beeindruckte er nicht nur durch sein ungemein attraktives Äußeres, sondern auch mit der Formulierung "lovely Lena", der er neben den zwölf Punkten einen schmachtenden Luftkuss schickte. Nun ist er einer ihrer Konkurrenten, und es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass er im Klassement vor ihr landen und Lena diesen "Saadismus" nicht so lovely finden wird. In seiner Heimat ist Eric populärer als jedes Billy-Regal und Bällchenparadies. Und so ist es naheliegend, dass er nun "Popular" singt. Popular, popular, I wanna be popular ... Yes you will! Der Song wird locker den Elchtest des Halbfinales bestehen und im Finale reüssieren. Wobei es für den fünften Sieg der ABBA-Nation nicht ganz reichen wird. Dafür ist das Werklein zu eurotrashig glatt, zu synthetisch und zu kalkuliert.

Norwegen – Stella Mwangi

Das letztjährige Veranstalterland entsendet kein blondes Fräulein Hansen, sondern Stella Mwangi, deren Ethno-Disco-Burner HABA JABA zeigt, wie nah sich Nairobi und Nordkap sein können. Haba Haba steht nicht in der Reihe mit den textlichen Blabla-Babylaut-Titeln Ding Dong aus Israel, Boom Boom/Tschaka Tschaka aus Armenien und Da Da Dam aus Finnland, die selbst die Düsseldorferin Gülcan Karahanci-Kamps intellektuell unterfordern. Haba Haba steht im Kenianischen für "Kommt Zeit, kommt Rat". Der Song macht gute Laune und geht sofort in die Beine. Einziges Fragezeichen bleiben die vokalen Fähigkeiten und die Nerven der noch recht unerfahrenen Performerin. Irgendwo zwischen dem vierten und achten Platz.

Deutschland – Second Serve

Lena hat echt Nerven. Oder wird sie echt nerven? "Taken by a stranger" ist ein richtig guter Song, dessen Qualität gerade darin besteht, dass man sich auf ihn einlassen muss. Er ist nicht so leicht konsumierbar und wirkt zunächst etwas finster. Stranger als Stranger ... Lenas Lied gehört zu den am stärksten polarisierenden des Abends. Der Heimvorteil, ein entfesselt jubelndes Stadion und ihre gute Startposition sind nicht zu unterschätzende Faktoren auf der Habenseite. Go Lena, du bist keine tote Hose!

Persönlicher Favorit (Geheimtipp): Ungarn

Im Zuge der internationalen Finanzkrise musste auch das ungarische Staatsfernsehen, das in der Tat MTV heißt, sparen und verzichtete letztes Jahr auf die Contest-Teilnahme. Nun sind die Magyaren wieder dabei. Und was für ein verschärftes Comeback sie hinlegen ... Kati Wolf ist mit ihren 36 Jahren die Düsseldorfer Doyenne, aber die Wölfin trumpft mit einer eingängigen, aber nicht nervigen Dance-Nummer, einer erwachsenen Stimme, deren Timbre manchmal an Celine Dion erinnert, und der berechtigten Frage "What about my dreams?" auf. Punkte für die Puszta ...!

Autor: Dirk Oetjen