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Wolf-Rüdiger Marunde malt Aquarelle oder in Öl.

Marunde malt Aquarelle oder in Öl. Das hängt vom jeweiligen Motiv ab. / Foto © Axel Martens

70 Jahre HÖRZU

Marunde • Zu Besuch beim Cartoonisten

Der Weg zu Wolf-Rüdiger Marunde führt übers niedersächsische Land nach Hitzacker, wo der Künstler in idyllischer Umgebung lebt. Von hier aus versorgt er mit seinen Gemälden Woche für Woche die letzte Seite von HÖRZU. Die ebenso fein ausgearbeiteten wie humorvollen Bilder begeistern die Leser immer wieder – und das seit 21 Jahren.

Der 62-jährige Diplom-Designer gehört zu den erfolgreichsten Cartoonisten hierzulande, 2015 gewann er beim Deutschen Karikaturenpreis Bronze. Seit 1980 veröffentlicht Marunde seine Bilder in Zeitschriften. Durchschlagenden Erfolg hatte er mit "Marundes Landleben" und "Neues aus Schweinhausen" in der Frauenzeitschrift "Brigitte". Seit 1995 erstellt er exklusiv für HÖRZU jede Woche eine Karikatur, und wer sich in Marundes näherer Umgebung umschaut, mag hier einige Motive aus seinen Bildern wiedererkennen. Das Landleben und die Nähe zur Natur sind ständige Inspirationsquelle für die liebevoll gemalten Karikaturen.

"Treten Sie ein!" Freundlich begrüßt Wolf-Rüdiger Marunde seine Besucher. Das Atelier ist geräumig, hell und hat eine schöne Atmosphäre. Er öffnet das Fenster, der Blick geht zur Elbe: "Ein Traum." Man merkt ihm an, dass er sich hier wohlfühlt. Marunde wirkt gelassen, als könnte ihn so leicht nichts aus der Ruhe bringen. Großstadt? Nein danke! Die Liebe zum Land wurde ihm wohl in die Wiege gelegt. Marunde wuchs in ländlicher Umgebung nördlich von Hamburg auf, bewohnte später mit seiner Familie einen Bauernhof. Der Versuch, als junger Mann in der Großstadt zu leben, blieb allerdings nur eine Episode. "Ich habe schnell gemerkt, dass es mich wieder aufs Land zieht", sagt er. Die Kinder sind erwachsen, das Atelier an der Elbe hat er erst vor wenigen Monaten bezogen.


Marunde ist viel in der Natur unterwegs. / Foto © Axel Martens

Wie sieht Marundes Arbeitsalltag aus?

Um jede Woche ein Bild in dieser Qualität abzuliefern, ist ein hohes Maß an Disziplin erforderlich. Sein Tag beginnt um sechs Uhr morgens. Frühstück, Zeitungslektüre, dann geht es an die Staffelei. Unterbrochen von einer kleinen Mittagspause, arbeitet Marunde bis 19 Uhr. "Nur das Wochenende versuche ich mir frei zu halten", sagt er.

Aber das klappt nicht immer. Wird er mal krank oder gönnt sich einen der wenigen Urlaubstage, muss Marunde die Zeit wieder reinholen. Rund 30 Stunden benötigt er für ein Werk. Je nach Motiv malt er Aquarelle oder in Öl. "Bei großen Landschaftsbildern mit viel Wasser und Himmel finde ich Aquarelltechnikbesser geeignet, weil die Farben schön ineinanderfließen", erklärt er. "Für detailreiche Bilder mit vielen kleinen Elementen sowie bei starken farblichen Kontrasten ist Öl die bessere Wahl."

Zuerst kommt die Optik

Ist das Bild fertig, wird es eingescannt. Erst wenn es auf dem Computerbildschirm erscheint, legt Marunde die Sprechblasen mit den Texten darüber. Das Originalgemälde bleibt ohne Texte erhalten, und auch bei Ausstellungen werden die Werke ohne die Sprechblasen ausgehängt. Das irritiert Besucher aber nur kurz, die Karikaturen zünden trotzdem. Marunde setzt auf Situationskomik, die auch ohne Sprachwitz auskommt. "Die Wahrnehmung funktioniert zuerst über das Bild", weiß der Künstler, "erst dann wird der Text gelesen. Daher darf der Witz nicht zu kompliziert, sondern muss sofort erkennbar sein."

Kennt er die Angst, dass ihm mal nichts Lustiges in den Sinn kommen könnte? "Nein", sagt Marunde. "Manchmal habe ich schon zu Beginn eine Pointe im Kopf. Aber meist fange ich an zu malen und vertraue darauf, dass mir später etwas einfällt. Bisher hat es immer geklappt. Und die späten Einfälle sind oft sogar die besten."


Bei Marunde stimmt jedes Detail. Das Dorfleben hat er direkt vor seiner Haustür. / Foto © Axel Martens

Ideen sammelt er, wenn er mit dem Fahrrad übers Land fährt oder an der Elbe spazieren geht. Einen Fotoapparat hat er immer dabei. Fotos nimmt er als Vorlagen, um später jedes Detail naturgetreu malen zu können. Zudem ist Marunde ein scharfer Beobachter, hat einen präzisen Blick für Menschen und ihre kleinen Schwächen. Dabei ist seine Komik nie bösartig oder verletzend. "Grober Humor liegt mir nicht, und ich mag nicht, wenn Menschen denunziert werden", sagt Marunde – auch mit Rücksicht darauf, dass HÖRZU eine Zeitschrift für die ganze Familie ist und alle Generationen anspricht. Auf kritische Töne jedoch will er nicht verzichten. Umwelt- und Tierschutz sind ihm wichtige Anliegen, und die thematisiert er auch in seinen Bildern.

HÖRZU-Leser wissen das durchaus zu schätzen, wie die zahlreichen Zuschriften an die Redaktion zeigen. "Die große Leserschaft bietet viel Spielraum", freut sich Marunde, aber alle zu begeistern, sei auch eine Herausforderung. "Mein Ziel ist, dass jeder Leser wenigstens einmal im Monat etwas zu lachen hat."


Wolf-Rüdiger Marunde (r.) mit HÖRZU-Reporter Thomas Kunze an der Elbe Foto © Axel Martens

Autor: THOMAS KUNZE