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''ZDF-History - Mythos GSG 9''

''ZDF-History - Mythos GSG 9'': Die Mitglieder der Spezialtruppe sind bestens ausgestattet und für jeden Notfall gerüstet. / Foto: @ dpa

40 Jahre Kampf dem Terror

''ZDF-History - Mythos GSG 9''

Großrazzia bei Berlin: Hubschrauber kreisen über dem Gelände der Rockergruppe Bandidos. Vermummte Männer seilen sich ab, klettern an Fassaden entlang, feuern mit Blendgranaten – ein typischer Einsatz der GSG 9.

Schon wenige Tage zuvor hatte die Eliteeinheit der Polizei nahe Hannover das Haus von Frank Hanebuth, Chef der Rockerbande Hells Angels, gestürmt – blitzschnell, brachial und kompromisslos. "Aber der typische GSG-9-Mann ist kein Macho oder Abenteurer", sagt Ulrich K. Wegener, ehemaliger Kommandeur der Spezialeinheit.

Filmemacher Uli Weidenbach kann das bestätigen. "Die achten sehr auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel", sagt er. In seiner Doku "Mythos GSG 9" blickt Weidenbach hinter die Masken der Vermummten und gibt Einblicke in eine geheime Welt. Dafür öffnete die GSG 9 ihm sogar ihr Archiv – ein Coup, denn die Männer filmen ihre Einsätze. "Es sind Bilder zu sehen, die noch nie öffentlich gezeigt wurden", verspricht Weidenbach.

Erstaunlich: In rund 1700 Einsätzen gegen Terroristen, Schwerverbrecher und Geiselnehmer im In- und Ausland haben GSG-9-Männer nur sechsmal von der Schusswaffe Gebrauch gemacht. Der Grund: Bei ihren schnellen Zugriffen bauen sie auf den Überraschungseffekt. Zudem setzen sie auf technische Innovation. "Das sind richtige Tüftler", so Weidenbach. "Sie versuchen, auch technisch immer einen Schritt voraus zu sein. Deshalb bedient sich die Industrie etwa zur Entwicklung von Waffentechnik oft bei der GSG 9 – und nicht umgekehrt."

Begonnen hat die Geschichte der Eliteeinheit vor 40 Jahren. Nach dem Massaker bei den Olympischen Spielen 1972 beauftragte der damalige Innenminister Hans-Dietrich Genscher den Offizier Ulrich K. Wegener vom Bundesgrenzschutz damit, eine Spezialtruppe aufzubauen. Grund: Bei der Geiselnahme der israelischen Olympiamannschaft war die Polizei damals völlig überfordert gewesen, es hatte 17 Todesopfer gegeben.

Ins Licht der Öffentlichkeit trat die Bundesgrenzschutzgruppe 9 erstmals 1977 mit der Befreiung von 86 Geiseln aus der Lufthansamaschine "Landshut" in Mogadischu. Die weltweit bewunderte Rettungsaktion war die Geburt des Mythos GSG 9. Aber das Schlagwort vom "Wunder von Mogadischu" missfällt Wegener: "Ein Wunder wäre es gewesen, wenn eine x-beliebige Polizeieinheit die Aktion durchgeführt hätte. Doch es war das Ergebnis einer erfolgreichen Ausbildung. Wir haben das jahrelang geübt."

Einzelkämpfer haben keine Chance

Die Männer der GSG 9 sind Trainingsweltmeister, denn bei ihren Einsätzen muss jede Aktion sitzen. Bewerben können sich Polizeibeamte, die nicht älter als 31 Jahre sind. Neben den körperlichen Voraussetzungen ist vor allem psychische Belastbarkeit wichtig, die von Psychologen geprüft wird. Schließlich sollten die Polizisten auch in heiklen Situationen einen kühlen Kopf bewahren.

"Gefragt sind auch Teamfähigkeit, Vertrauen, Verlässlichkeit", sagt Weidenbach. Im Auswahlverfahren scheitern viele Möchtegernabenteurer genau daran. Nur zehn Prozent der rund 150 Bewerber pro Jahr schaffen die Aufnahmeprüfung in St. Augustin bei Bonn, wo der Hauptsitz der Truppe ist. Sie besteht aus ungefähr 350 Männern – genaue Zahlen werden nicht genannt.

Neben der zehnmonatigen Ausbildung im Nahkampf und an der Waffe folgt je nach Fähigkeit die Spezialisierung zum Taucher und Kampfschwimmer, Fallschirmjäger oder Scharfschützen. Teamfähigkeit lässt sich nicht trainieren, die müssen die Bewerber mitbringen. Kameradschaft zählt in dieser reinen Männerwelt viel. "Als GSG-9-er musst du dich hundertprozentig auf deinen Nebenmann verlassen können, jeder Fehler kann tödlich sein", sagt Weidenbach, der auch Angehörige befragt hat. "Mein Eindruck ist, dass die GSG-9-Familie im Notfall über der eigenen Familie steht."

Ihre Mitgliedschaft bei der Eliteeinheit müssen die Männer geheim halten, sie agieren anonym. Das soll sie vor möglichen Racheakten schützen. Für die Angehörigen ist die Sorge um Männer, Väter und Söhne ständiger Begleiter. "Eine Ehefrau, mit der ich gesprochen habe, war froh, dass sie nicht jedes Detail der Arbeit ihres Mannes erfährt", sagt Filmemacher Weidenbach. Der Job ist lebensbedrohlich.

Belohnt werden die Männer für das Risiko mit einem normalen Polizistengehalt: je nach Dienstjahren und -grad rund 2000 bis 2500 Euro netto monatlich plus Zulagen. "Die Männer sind nicht monetär motiviert, sondern durch die Herausforderungen, die über den normalen Dienst hinausgehen", sagt Weidenbach. Sie sind stolz darauf, einer Elite anzugehören, aber "die Bezahlung steht in keinem Verhältnis zum Risiko".

Auftrag: Leben retten!

Während die GSG 9 im Inland häufig mit Kollegen aus einem der Spezialeinsatzkommandos (SEK) kooperiert, scheint sie bei Auslandseinsätzen oft in Konkurrenz zum KSK (Kommando Spezialkräfte) zu stehen, der Einsatztruppe der Bundeswehr. "Doch das scheint eher Kompetenzgerangel auf politischer Ebene zu sein. Die Einsatzkräfte respektieren sich gegenseitig und vermeiden es daher, Konkurrenzgedanken aufkommen zu lassen", sagt Filmemacher Uli Weidenbach.

Ganz im Gegensatz zum KSK benötigt die GSG 9 für ihre internationalen Einsätze kein Mandat des Bundestags. Dadurch entfallen zeitraubende politische Debatten, die Elitetruppe kann weitaus schneller und flexibler reagieren. Der Kommandeur vor Ort entscheidet über die Einsatzfähigkeit, das Innenministerium trifft die endgültige Entscheidung.

Das sind die Konsequenzen aus dem politischen Gerangel vor drei Jahren, als auf dem deutschen Schiff "Hansa Stavanger" Geiseln aus den Händen von Piraten befreit werden sollten. Damals scheiterte der Einsatz vor Somalia aufgrund heftiger politischer Diskussion, und 200 GSG-9-Männer mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen – vielleicht hätte die Elitetruppe sonst eine weitere Heldengeschichte geschrieben.


Sendungshinweis: ''ZDF-History Mythos GSG 9''

40 Jahre Kampf dem Terror. Ein Film von Uli Weidenbach
SO 23.9. ZDF 23.30 Uhr

Autor: Thomas Kunze