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Peter Kloeppel

Peter Kloeppel (56) von "RTL Aktuell". - Foto: © RTL / Stephan Pick

Peter Klöppel zur Zukunft der TV-News

"Youtube-Stars geben Meinungen subjektiv wieder"

Gibt's News bald nur noch topaktuell im Internet? Werden Youtube-Stars die News bald im TV präsentieren?

HÖRZU fragt Peter Kloeppel (56) von "RTL Aktuell" zur Zukunft der TV-Nachrichten.

Interview mit Peter Klöppel

HÖRZU: Konsumieren die Zuschauer in zehn Jahren mutmaßlich verstärkt "Breaking News" im Netz? Und Inwiefern werden die TV-Nachrichten dadurch - vorausgesetzt, dass dem so ist - seichter oder härter?

Peter Klöppel: Die Welt wird immer komplexer, der Informationsfluss immer schneller. Natürlich erfahren viele Zuschauer unter anderem über das Internet schon im Laufe des Tages, wenn irgendwo etwas Wichtiges passiert. Gerade hier gewinnen klassische TV-Nachrichten an Bedeutung. Eine Sendung wie "RTL Aktuell" bietet dem Zuschauer einen professionellen und gut recherchierten Überblick der wichtigen Themen des Tages. Unser Ansporn ist es, ihn dann um 18.45 Uhr mit den besten Bildern, Grafiken, Hintergrundinformationen und Live-Reportereinschätzungen vom Ort des Geschehens zu versorgen.

Wir dürfen nicht vergessen: wir machen Fernsehen, und die Menschen schalten uns ein, weil sie Fernseh-Nachrichten besonders vertrauen! Unsere Qualitätsansprüche und -standards, was das bewegte Bild angeht, sind ungleich höher als die der Online-Medien - und wir haben bei der Beschaffung unserer Informationen eine Infrastruktur aufgebaut, die im Internet ihresgleichen sucht. Deshalb profitieren unsere eigenen Online-Angebote auch von unserer TV-Kompetenz.
Das Angebot im Netz ist daher auch Werbung für unsere Sendung. Wie lautet der alte Reportersatz: Wenn du nicht der Erste bist, musst du der Beste sein!
TV-Nachrichten werden dadurch jedoch weder härter noch weicher. Sie werden vielmehr hintergründiger und transparenter.

HÖRZU: Verkünden die klassischen Anchormen in zehn Jahren die Nachrichten eher auf Kanälen wie YouTube - oder sitzen Youtube-Stars wie LeFloid dann vielleicht sogar in den Studios der klassischen Fernsehsender?

Peter Klöppel: Ich gehe fest davon aus, dass es den klassischen Anchorman auch in 10 Jahren noch im TV geben wird. Entscheidend ist dabei nicht die Frage der Plattform, sondern vielmehr: wem traue ich die objektive und professionell aufbereitete Übermittlung von Newsereignissen zu? Das sind in erster Linie Menschen, die eine seriöse und kompetente Einordnung der Geschehnisse liefern, denen man vertraut. Youtube-Stars funktionieren dagegen nur in der entsprechenden Welt. Hier werden Meinungen teils sehr subjektiv wiedergegeben. Youtube ist dabei lediglich eine Plattform. Wir sind mit unseren News-Angeboten bereits auf zahlreichen Plattformen vertreten, um den Bedürfnissen einer immer mobiler werdenden Gesellschaft gerecht zu werden. Die klassischen TV-Nachrichten mit ihrem Anchorman sind und werden, meiner Einschätzung nach, dabei auch weiterhin für viele Menschen die wichtigste Quelle bleiben.

HÖRZU: Wie verändern sich die Korrespondentennetze mutmaßlich durch neue Tools wie Periscope? Werden sie größer oder kleiner? 

Peter Klöppel: Tools wie Periscope ändern nicht die Qualität der Nachrichten. Je mehr Quellen zur Verfügung stehen, desto wichtiger wird die Aufgabe der Korrespondenten, die mit professionellem Blick die Dinge bewerten und einordnen. Desto mehr werden sie zu "Welterklärern". Technische Tools sind dabei lediglich Hilfsmittel. Wir nutzen heute schon Übertragungstechniken wie "LiveU", die den Reportern auch ohne SNG ermöglichen, von jedem Ort der Welt Livebilder zu senden und zu berichten. Insofern ändert sich auch nichts maßgeblich an den Korrespondentennetzwerken selbst, sondern vielmehr an den technischen Möglichkeiten.

HÖRZU: Welche technischen Maßstäbe revolutionieren die TV-Nachrichten voraussichtlich in den kommenden zehn Jahren?

Peter Klöppel: Dazu gehört sicherlich auch weiterhin die Entwicklung im Bereich Social-Media. "RTL Aktuell" zählt mit rund 700.000 Facebook-Fans derzeit zu den beliebtesten TV-Nachrichtensendungen in Deutschlands größtem sozialen Netzwerk. Damit hat das Newsformat allein auf Facebook fast so viele Fans wie die "Tagesschau" im Ersten und "heute" im ZDF zusammen. Inhalte der Sendung gibt es heute überall und jederzeit bei RTL.de und im RTL Digitaltext via HbbTV, oder die komplette Ausgabe zeitversetzt über RTLNOW.de sowie live über die RTL NOW App. Mit "RTL NEXT" wird ab Herbst 2015 eine neue Bewegtbildplattform angeboten, die sich u.a. mit Newsinhalten insbesondere an den Bedürfnissen junger Leute orientiert.

Die technischen Übertragungsmöglichkeiten werden gleichzeitig immer effizienter und kompakter und damit der Reporter vor Ort immer mobiler und schneller. Voraussichtlich werden, da wo es Sinn macht, wie in Katastrophen- oder Krisengebieten, auch verstärkt Drohnen als eine Quelle der Berichterstattung eingesetzt.
Die Studiotechnologie wird sich kontinuierlich weiterentwickeln, um die Anschaulichkeit der Berichterstattung zu unterstützen. Die Optimierung von Grafiken und der Einsatz von Studioelementen in 3 D könnte dabei ein Thema sein.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist und bleibt dabei die Kontinuität. Ich wage mal die Prognose, dass wir auch in zehn Jahren ein sehr ähnliches Nachrichtenbild sehen werden: mit Moderatoren, Filmbeiträgen, Reporterschalten, Grafiken und Animationen. Wichtig ist und bleibt, dass ich und meine Kollegen journalistisch objektiv und umfassend über die relevanten Geschehnisse des Tages informieren und sie einordnen, um den Zuschauern einen Blick auf die Welt und ein Urteil über die Geschehnisse des Tages zu ermöglichen.

HÖRZU: Gibt es in zehn Jahren wohl noch feste Anfangszeiten für die Nachrichtensendungen - oder werden diese tendenziell fließender?

Peter Klöppel: Es wird auch weiterhin eine feste Anfangszeit für die Nachrichtensendungen geben. Je mehr Kanäle genutzt werden können, desto wichtiger wird die tägliche professionelle Zusammenfassung der Ereignisse zu einer verlässlichen Uhrzeit. Komplementär dazu kann man zu jedem Zeitpunkt aktuelle News erhalten. Man sollte nicht vergessen, dass Millionen von Menschen, die täglich ihrer Arbeit nachgehen, nicht die Möglichkeit haben, non-stop online zu gehen. Für sie ist es wichtig, das Angebot einer fundierten Tageszusammenfassung zu bekommen.

HÖRZU: Die Bild-Zeitung hat so genannte Leser-Reporter eingeführt, die im Netz für Furore sorgen mit  selbst produzierten Videos, die oftmals auch die Persönlichkeitsrechte der mitunter unwissentlich Gefilmten verletzen. Inwiefern drohen solche Videos in Zukunft in die Haupt-Nachrichten der Fernsehsender zu gelangen?

Peter Klöppel: Die steigende Quellenvielfalt macht die Recherche noch anspruchsvoller. Umso wichtiger sind Profis, die die Masse an Bildern und Informationen bewerten und einordnen können, die Fälschungen enttarnen und die Rechtssituation überprüfen. Wir haben aktuell bereits immer wieder kritische und nicht sendbare Fälle auf dem Tisch. Wir schulen derzeit verstärkt unsere Mitarbeiter, um auch weiterhin absolut verlässliche Nachrichten zu bieten, denn Nachrichten sind immer auch Vertrauenssache.

Autor: Mike Powelz