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Wir Nachkriegskinder - Leben in Trümmern

"Wir Nachkriegskinder - Leben in Trümmern": Mutter mit Kindern zieht einen Bollerwagen mit den Habseligkeiten durch die Stadt. © ZDF/privat

Erster Teil der Doku mit Marie-Luise Marjan

"Wir Nachkriegskinder" - Leben nach dem Krieg

Der Krieg ist aus, aber nichts ist gut: Eine ZDF-Doku ''Wir Nachkriegskinder'' zeigt, wie es eine Generation geschafft hat aufzustehen. Prominente Zeitzeugen berichten.

Deutschland 1945. Die Städte liegen in Trümmern, nahezu fünf Millionen Wohnungen sind zerstört. Viele Väter kehren nicht aus dem Krieg zurück, Flüchtlingstrecks ziehen von Ost nach West. Eigentlich gibt es keine Familie, die unversehrt ist – körperlich oder seelisch. In dieser Zeit wachsen die Nachkriegskinder auf. Eine Generation, die in jungen Jahren stärker sein musste, als man es Kindern zumuten möchte, und die bis heute unser Land prägt.

Michael Degen verließ Versteck in einer Laubenkolonie

Michael Degen, Eva-Maria Hagen und die Brüder Fritz und Elmar Wepper gehören zu den prominenten Zeitzeugen, die sich in der zweiteiligen ZDF-Doku "Wir Nachkriegskinder" an diese prägende Zeit ihres Lebens erinnern. "Wir sind in die Stadt hineingelaufen, es war alles kaputt, nur Schutt, und ich emp fand es als ganz normal, so war es eben nach dem Krieg", erinnert sich der Schauspieler Michael Degen an den Moment, als er als 13-Jähriger mit seiner Mutter endlich das Versteck in einer Laubenkolonie verließ und Berlin wiedersah. Die jüdische Familie war vor den Nazis untergetaucht. Es war seine Mutter, die ihm die Angst genommen hat. „Sie sagte immer: Wenn du mir gehorchst, wenn du das tust, was ich sage, dann werden wir überleben, und dann wird alles gut.“

Wir Nachkriegskinder
"Wir Nachkriegskinder - Leben in Trümmern": Zwei Jungs in kurzen Hosen laufen die Straße entlang. © ZDF/privat

Geborgenheit und Zuversicht in einem Leben, in dem die Katastrophe zum Alltag geworden ist. "Als wir befreit wurden, hat meine Mutter gesagt: Jetzt fangen wir an zu leben, jetzt sind wir gleichaltrig. Wir sind neu geboren. Und das war auch so", sagt Degen. Es dauerte, bis der Hunger vertrieben und das Vertrauen in die Mitmenschen empwiedergewonnen war, aber nach und nach stellte sich der Frieden ein. Er schmeckte nach Hershey-Schokolade, roch nach Zigarettenrauch in Tanzbars, klang nach Rock’n’Roll.

Kino war das Symbol für Träume, Stars und neue Welten

Was die Menschen antrieb? Sehnsucht. "Leben – das war meine Devise", sagt Schauspielerin Eva-Maria Hagen. "Als Flüchtlingskind fühlte ich mich in meiner neuen brandenburgischen Heimat Perleberg fremd, der Vater war nicht mehr da. Viele waren traumatisiert, aber für mich war das alles keine Schande, ich sah es als Prüfung." Fest das Ziel vor Augen, Schauspielerin werden zu wollen, geht Eva-Maria Hagen immer wieder in Theater, lernt Menschen kennen und beginnt 1952 ihre Schauspielausbildung in Berlin. Alles war neu, wuchs, entwickelte sich. Aufbruchstimmung. Kino war das Symbol für Träume, Stars und neue Welten. Auch Fritz und Elmar Wepper haben es geliebt. Meistens waren sie im AKI, einem Nachrichtenkino, das auch Zeichentrickfilme zeigte.

Wir Nachkriegskinder
"Wir Nachkriegskinder - Leben in Trümmern": Vier Jungs, zwei von ihnen rauchend. © ZDF/privat

"Für 50 Pfennige konnte man den ganzen Tag drinbleiben", sagt Fritz Wepper, der ältere der beiden. "Zwischendurch liefen auch die Namen von Kriegsgefangenen aus Russland über die Leinwand. Insgeheim hofften wir immer, dass plötzlich das Bild unseres Vaters auftauchte." Doch das geschah nicht. Friedrich Wepper wurde seit 1945 in Polen vermisst. Doch die Hoffnung war ständig präsent. "Unsere Mutter hat das Warten gelebt und uns ein Über- maß an Liebe zukommen lassen", sagt Fritz Wepper. Sicher war es oft auch die Liebe, die half, zu überleben.

Autor: MIRJA HALBIG