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1934 kamen in Kanada die ersten überlebenden Fünflinge zur Welt

Die Fünflings-Mädchen (l-r) Yvonne, Annette, Cecile, Emilie und Marie Dionne sind die ersten überlebenden Fünflinge. Sie kamen am 28. Mai 1934 in Kanada zur Welt.; Bild: © dpa - Bildarchiv

Alltag einer Mehrlingsfamilie

Was Eltern für ihre Kinder leisten

Die gesamte Geburtsstation des Münchener Klinikums Großhadern ist in Alarmbereitschaft. Seit einem Monat haben alle Kinderärzte Urlaubssperre.

An einem Mittwoch im Januar 1998 ist es dann so weit: Krankenschwestern, Kinderärzte und Gynäkologen drängeln sich im Operationssaal, insgesamt 17 Personen. Es ist der spektakulärste Kaiserschnitt, den die Klinik je erlebt hat: Susanne Gashi bringt Fünflinge zur Welt.

Die Liebe der Kinder

Erst Albin, dann Alma, Agnesa, Aurela, schließlich Argenita. Eine Sensation! Heute, 13 Jahre später, ist den Kindern sehr wohl bewusst, dass ihre Familie etwas ganz Besonderes ist. Deshalb wird der 8. Mai kein Sonntag wie jeder andere sein: Die Fünflinge tun alles, um Susanne Gashi (36) einen unvergesslichen Muttertag zu bescheren.

Hinter der Fassade des gelben Hauses in Kolbermoor bei Rosenheim ist die Aufregung groß. Albin stürmt ins Zimmer seiner Schwester Alma: "Wie ist dein Herz für Mama geworden?", fragt er. "Gut", antwortet sie knapp und hält ihm stolz ihre selbst getöpferte Tonform vors Gesicht. Albin nickt zufrieden. Sogar die Einkaufsliste fürs Überraschungsfrühstück haben die Geschwister schon geschrieben. "Wir machen das für Mama, weil sie echt lieb ist", sagt Alma. "Wie eine Freundin."

Mutter Susanne ist noch viel mehr als nur eine Freundin: Seelsorgerin, Lehrerin, Köchin, Taxifahrerin, Krankenschwester, Haushaltshilfe. Und vor allem: im Dauereinsatz, täglich von 6.30 bis 22.30 Uhr. Inklusive vieler Nachtschichten.

Es gibt Tage, an denen Susanne Gashi abends ins Bett fällt und nur noch einen Wunsch hat: Ruhe! Wenn die Kinder schlafen, alle Musikanlagen ausgeschaltet und die Basketbälle in der Garage verstaut sind, hat sie endlich ein wenig Zeit für sich . Doch oft sind die lautesten Stunden trotzdem die schönsten: "Wenn zehn Augen dich anstrahlen und aus fünf Mündern Lachen erschallt", sagt sie.

Risikogeburt mit Fünflingen

Viel wichtiger als jedes Dankeschön ist ihr etwas anderes: "Dass unsere Kinder gesund sind." Niemals wird sie vergessen, wie sie die winzigen Neugeborenen im Arm hielt. "Sie waren so zerbrechlich wie Porzellanpuppen", erinnert sich die Mutter. Die Fünflinge kamen drei Monate zu früh zur Welt , wogen zwischen 630 und 960 Gramm. Albin war der Schwerste, Argenita die Leichteste.

Fünf Babys im Bauch, da ist nicht für jeden ausreichend Platz. "Vor der Geburt hatten wir große Sorgen", sagt Susanne Gashi. Ihr Mann Enver nickt: "Die Ultraschalluntersuchungen werde ich nie vergessen." Bei der ersten hieß es noch, es sei ein Kind. Bei der zweiten schon: "Es werden Zwillinge." Bei der dritten entdeckte man: Drillinge! Bei der vierten dann: Vierlinge!

Mutter Susanne war kurz davor, den Mut zu verlieren. Da sie sich auf eine Risikogeburt vorbereiten musste, überwiesen die Ärzte sie ins Klinikum Großhadern. "Bei der Aufnahmeuntersuchung fragte uns dann der Arzt: 'Wie viele Kinder hat mein Kollege gesehen?' Ich antwortete: 'Vier.' Der Arzt erwiderte: 'Es sind aber fünf.'" Also: Fünflinge!

Der Alltag der Mehrlingsfamilie

Das Leben der Familie stand kopf. Damit hatte niemand gerechnet. Wie auch: Die Wahrscheinlichkeit einer Fünflingsschwangerschaft liegt bei eins zu 52 Millionen, wenn es sich, wie bei den Gashis, nicht um eine künstliche Befruchtung handelt. Um schneller Geld zu verdienen, brach Vater Enver sein Medizinstudium ab und wurde Krankenpfleger. Mutter Susanne konnte ja nicht weiter als Hotelfachfrau arbeiten. Und die Familie brauchte viel: größeres Haus, größeres Auto, einen Doppel- und einen Dreier-Kinderwagen. Heute sind es: fünf Schreibtische, fünf Schultaschen, fünf Fahrräder.

Aber auch Glück, Sorgen, Schulkonflikte, Streitgespräche, pubertäre Lachanfälle – alles mal fünf . Da kann man sich nicht von Stunde zu Stunde durch den Alltag hangeln, Susanne Gashi organisiert alles perfekt. "Ich habe diese Woche Staubsaugdienst", berichtet Alma. "Ich bin für die Küche verantwortlich", meldet Aurela. "Und ich habe Mülldienst", sagt Albin.

Um den Alltag einer Mehrlingsfamilie geht es auch in der "stern TV Reportage", Di 24.5., um 23.15 Uhr, VOX.

Je länger man die Familie erlebt, umso mehr staunt man: Jeder lässt den anderen ausreden. Die Kinder erzählen, wie sie sich gegenseitig beschützen, und sind stolz, dass sie allein ein Basketballteam bilden können. "Wir streiten auch mal, aber eigentlich sind wir total froh, dass wir uns haben", sagt Aurela. Ein Satz, der die Eltern glücklich macht . "Ich glaube, es ist in Ordnung, dass wir ein wenig stolz darauf sind, wie wir alles gemeistert haben", sagt Susanne Gashi. "Und dass man so schnell vergisst, wie viel Kraft es kostet, Kinder großzuziehen, ist wirklich ein Wunder." Ein Wunder namens Liebe.

Die Mehrlingsfamilie in Zahlen

Jede Woche stellen die Gashis Rekorde auf, über die andere Familien nur staunen können.

  • 25 Waschgänge
  • muss die Maschine der Gashis pro Woche bewältigen. Die Familie macht viel Sport: Die Kinder spielen Basketball, Mutter Susanne joggt täglich, seit der Nachwuchs älter ist. Der Geschirrspüler läuft fünfmal am Tag.

  • 18 Liter Milch
  • trinken die Gashis in sieben Tagen. Zudem stehen jede Woche sechs Kisten Wasser auf der Einkaufsliste. "Im Sommer sind es dann noch mehr", sagt Vater Enver.

  • 15 Brote
  • kauft die Mutter jede Woche für den siebenköpfigen Haushalt.

  • 250 Euro
  • kostet ein durchschnittlicher Wochenendeinkauf für Familie Gashi, zu besonderen Anlässen manchmal sogar 300 Euro.

  • 300 Kilometer
  • legen die Eltern jede Woche zurück, um ihren Kindern Besuche bei Freunden, Trainingsstunden oder andere Hobbys zu ermöglichen.

    Autor: Mirja Rumpf