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TV-Biografie Grzimek

Tierfreund und schwieriger Charakter: Bernhard Grzimek, gespielt von Ulrich Tukur.
Foto: © ARD Degeto/UFA Fiction/Roland Suso Richter

Exklusiv Interview

Ulrich Tukur in "Grzimek"

Ulrich Tukur zeigt als Bernhard Grzimek neue Seiten des berühmten Tierfilmers. Ein Interview mit Überraschungen.

Auf den ersten Blick war Bernhard Grzimek (1909 - 1987) ein Held: Der Tierfilmer kämpfte für die Rettung der Serengeti und gegen die Massentierhaltung. Jetzt zeigt ein 180-minütiger TV-Spielfilm auch, wie jähzornig und untreu der Zoologe war. "Grzimek": Am Set mit Ulrich Tukur.


TV-Tipp: "Grzimek"

Karfreitag, 20.15 Uhr, Das Erste (s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm).

Weitere Spielfilm-Tipps am Karfreitag und was Ostern 2015 im TV läuft.


Exklusiv-Interview mit Ulrich Tukur (57)

HÖRZU: Wie waren die Dreharbeiten mit den vielen Filmtieren?

Ulrich Tukur: Ich mochte alle Tiere gern - bis auf einen Steppenpavian. Als wir „Ein Platz für Tiere“ nachgestellt haben, wurde der Affe auf meinen Schreibtisch gesetzt. Er riss die Schublade auf, griff sich mein Handy und Drehbuch und suchte das Weite. Als ich mein Eigentum zurückerobern wollte, bleckte der Kerl seine Zähne.

HÖRZU: Grzimek scheint ein Mann mit zwei Gesichtern gewesen zu sein. Wie passen sein aufbrausendes Wesen, seine Tierliebe und das Fremdgehen zusammen?

Ulrich Tukur: Grzimek hatte helle und dunkle Seiten. Ohne seinen Kampf für Natur und Tierwelt hätte es ein ökologisches Bewusstsein und die aus ihm resultierende grüne Bewegung bei uns nicht so früh gegeben. Grzimek forderte viel von sich und erwartete das auch von anderen. Da konnte er harsch auftreten. Mit Menschen hatte er Schwierigkeiten, der Zustand seiner Familie war streckenweise ein Drama. Er trennte sich von seiner Frau, heiratete die Witwe seines in Afrika tödlich verunglückten Sohnes und erlebte, wie sein Adoptivsohn Thomas sich aus dem Fenster stürzte.

HÖRZU: War Grzimek ein Misanthrop?

Ulrich Tukur: Nein. Er war ein schwieriger Charakter und ließ nur wenige Menschen an sich heran. Eine Ausnahme war sein Sohn Michael. Ihr Verhältnis war symbiotisch und von tiefer Zuneigung geprägt. Michaels früher Tod muss traumatisch für Grzimek gewesen sein. Danach hat er sich noch mehr eingekapselt und auf seine Karriere konzentriert.

HÖRZU: Warum wurden die Berührungspunkte zu Grzimeks nationalsozialistischer Vergangenheit ausgespart?

Ulrich Tukur: Unser Film beginnt mit Ende des 2. Weltkriegs. Grzimeks Leben im Dritten Reich spielt also keine Rolle, gleichwohl haben wir das aber auch nicht komplett übergangen. Es gibt eine Szene, in der seine Gattin Hilde ihm damit droht, seine NSDAP- und angebliche SA-Mitgliedschaft zu verraten. Zu dieser Zeit war das Ehepaar geplagt von familiären Problemen, und sie hat den notorisch untreuen Ehemann damit unter Druck gesetzt. Bernhard Grzimek war ein Mitläufer wie viele andere, hat sich aber für das System nicht aus dem Fenster gehängt. Um seiner Karriere nicht zu schaden, und vielleicht auch aus Scham, verschwieg er seine Parteimitgliedschaft später.

HÖRZU: Rommel, Baader, Grzimek – Sie mögen Filmbiografie. Wer kommt als Nächstes?

Ulrich Tukur: Ich könnte nur noch Päpste spielen.

HÖRZU: Liegt Ihnen die Darstellung zwiespältiger Menschen besonders?

Ulrich Tukur: Es ist reizvoll, in den hellen, oberen Räumen eines Charakters spazieren zu gehen und dann in das Kellergewölbe hinabzusteigen - in die Tiefen seiner Seele.

HÖRZU: Gilt das auch für Ihren "Tatort"-Ermittler Felix Murot (s. auch "Tatort: Im Schmerz geboren")?

Ulrich Tukur: Mit ihm wollte ich eine zeitlose, gefährdete und schillernde Figur schaffen, die etwas von der Traurigkeit des Lebens erzählt. Die nächste Murot-Episode läuft Ende Dezember - und es fällt schwer, mir vorzustellen, wie es danach weitergehen soll.

HÖRZU: Verraten Sie uns, warum?

Ulrich Tukur: Hauptkommissar Murot hat keine Lust mehr auf die Virtualität und immer nur dann zu existieren, wenn die Kamera läuft. Er spaltet sich ab vom Schauspieler Tukur, beginnt ein Eigenleben und schickt mich am Ende selbst ins virtuelle Aus. Das klingt sehr kompliziert, ist aber in der Ausführung unglaublich spannend und saukomisch.

HÖRZU: Wird das die letzte Murot-Episode?

Ulrich Tukur: Vermutlich. Es sei denn, der TV-Kommissar würde seinen Schauspieler spielen. Aber wie soll das denn gehen?

HÖRZU: Immer öfter wird kritisiert, dass es zu viele Stars und Städte gibt in der "Tatort"-Reihe. Wie sehen Sie das?

Ulrich Tukur: Dieser Kritik schließe ich mich an. Warum muss jede deutsche Stadt, in der mehr als 150.000 Menschen leben, einen Ermittler haben? Das endet in totaler Beliebigkeit. Im Übrigen gibt es bereits gefühlte 25 Millionen Schauspieler, 15 Millionen Musiker und gefühlte zehn Millionen Schriftsteller. Wer soll sich das alles noch reinziehen? Ich sorge mich, daß die Zuschauer aussterben, wenn es nur noch Künstler gibt.

Autor: Mike Powelz